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Mittwoch, 28.4.2004

Rauchzeichen aus Portugal

Fumar mata

Mittelmeeranrainer qualmen, was das Zeug hält. Portugu&etilde;sSo lautet das übliche Urteil der Nordeuropäer und Reisenden aus Übersee, die sich angesichts dichter Rauchschwaden in öffentlichen Einrichtungen, Bars und Restaurants schockiert abwenden. Tatsächlich liegt die Quote der Raucher von Griechenland bis Portugal höher als in den meisten anderen Ländern Europas. Obwohl auch hier unübersehbare, warnende Texte auf den Zigarettenschachteln angebracht sind, tun sich die Südeuropäer beim Griff nach dem Glimmstengel noch immer leichter als wir.

Ein Grund dafür ist sicher der Preisunterschied. Während in Deutschland eine Zigarette mittlerweile deutlich mehr als zwanzig Eurocent kostet, ist das gleiche Produkt zum Beispiel in Protugal für zehn Cent, also weniger als zum halben Preis zu haben. Vielleicht liegt die Vorliebe für Tabak aber auch an der größeren Sorglosigkeit der Südländer im Vergleich zu Normannen.
Ich erinnere mich dabei an eine Sequenz aus einem Film von Almodóvar - war es »Mujeres al borde de un ataque de nervios«? -, in dem die Vorsorgementalität der Deutschen auf die Schippe genommen wurde. In einem Werbespot im Film tanzten sich spanische Jugendliche die Seele aus dem Leib, während zum Vergleich ein junges, arisches Pärchen in Naziuniform dabei war, eine Lebensversicherung abzuschließen. In der Fortsetzung sah man dann deutsche Rentner in einer Disco auf Mallorca abrocken, während eine ältere Spanierin an einer Madrider U-Bahnstation um Almosen bettelte.

BeipackzettelAber ich schweife ab. Denn eigentlich wollte ich doch eine weitere mögliche Begründung für ungehemmteren Tabakkonsum anführen. Einer portugiesischen Packung Zigaretten, die ich unlängst in die Hände bekam, war ein Faltzettel beigelegt. Ähnlich wie die selbst getexteten Rauchergedichte war er unter die Zellophanhülle der Schachtel geschoben. Nebenan ist die Vorderseite des Beipackzettels zu sehen. Unterhalb des Warnhinweises in Fettdruck beginnt ein Sermon des Herstellers, in dem er auf die Gefahren des Rauchens hinweist und bestimmte Risikogruppen speziell darauf hinweist, worauf sie sich gefasst machen müssen, wenn sie rauchen. Auf der Rückseite des Zettelchens, die ich der Leserschaft erspare, geht das Gesülze weiter: Hinweise auf Gesundheitsorganisationen und deren Stellungnahmen zum Rauchen, und so weiter und so fort.

Interessant an der Angelegenheit ist die Wirkung, den Zigaretten mit Beipackzettel auf Raucher haben. Aufmachung, Text und sogar die Faltung des Papiers rief in mir Assoziationen zu Pharmaprodukten hervor. Der Zigarette haftete sofort etwas Medizinisches an, ein an sich ungefährliches, oder gar notwendiges Produkt, auf dessen Nebenwirkungen nur der Vollständigkeit halber hingewiesen wird.
Haben es die portugiesischen Tabakkonzerne etwa als erste verstanden, aus dem Übel der Kennzeichnungspflicht einen Vorteil zu ziehen? Es wäre schon interessant zu erfahren, ob der Eindruck, den ich beim Auspacken der Zigaretten gewann, auch auf andere zutrifft.

Vielleicht liegt es aber weder an den südeuropäischen Zigaretten, den Schachzügen der Tabakindustrie, noch an der südeuropäischen Mentalität, dass man in Mittelmeernähe so gern zum Sargnagel greift. Vielleicht ist es ganz einfach das Ambiente, der Geruch von Salzwasser in der Luft, der Gedanke an Urlaub, den mancher ganz gerne mit einer entspannt genossenen Zigarette verbindet.

Nachtrag: Wie der Online Spiegel vermeldet (aus den bekannten Gründen nicht verlinkt), ist nun in Kalifornien am Strand von Santa Monica das Rauchen verboten. Wir werden also an der Mittelmeerküste weiterqualmen müssen. Oder in den USA Nikotinpflaster am Strand tragen, wie es der Spiegel vorschlägt.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1083139609

Kommentare

andreas, 29.4.2004 um 14:03 h:

Ich denke du hast völlig recht, wenn du mutmaßt, dass die 'rauchfreien' Zonen langsam zusammenschrumpfen und letzlich Genuß zu Genuß gehört. Am Strand der Algarve nach einer gut gewürzten Fischmahlzeit und dem guten Glas Wein sich die frische Meeresbrise mit einem Glimmstengel zu garnieren, versetzt mich schon bei dem Gedanken daran spontan in Urlaubsstimmung. Und was die Warnhinweise angeht: "Zu Risiken und Nebenwirkungen schlagen Sie Ihren Automaten oder lokalen Dealer!"

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