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Freitag, 14.5.2004

War on Terror

Als Herr Berg einmal kurz berühmt war

Ich hatte den Atem angehalten und zu zählen begonnen. Wie lange würde es dauern, bis in Medien, die der breiten Öffentlichkeit zugänglich und bekannt sind, Links auf das Video der Hinrichtung von Nick Berg erscheinen würden. Ich gebe zu: Ich war überrascht, dass es immerhin erst nach zwei Tagen soweit war. Burkhard Schröder betonte in einem Artikel bei Telepolis mit dem Titel Die Medien und die grausamen Bilder die Chronistenpflicht des Journalisten und verlinkte ein paar Seiten, von denen man das berüchtigte Video, sowie ein bisschen Hintergrundinformation auf den Computer laden konnte.

Filmausschnitt: Die Hinrichtung Nick BergsZum Beispiel bei Herrn Praschl macht man sich Gedanken darüber, ob es verwerflich sei, die Bildersequenz der Enthauptung anzusehen. Ob man sich das antun solle. Ein jeder muss das für sich selbst entscheiden, aber eine interessante Reaktion auf die Fragestellung lautete bei Praschl: »Mir ist meine Neugier darauf unheimlich. Deshalb werde ich es mir nicht ansehen.«

Tatsächlich enthält diese Stellungnahme genau den Gedanken, der mich schon vor zehn Tagen zur Feststellung trieb, es sei erstaunlich, was ein paar Bilder auszurichten vermögen: Mir ist unser aller Neugier auf Bildbeweise von Gräueltaten unheimlich.
Was bringt uns dazu, Fotos und Videos mit einer Art von grausigem Vergnügen zu betrachten und hinterher Sätze in unglaublicher Plattheit zu formulieren wie: »Das Video zeigt die wahre Natur der Feinde der Freiheit.« (Scott McClellan, US Regierungssprecher) oder »Diese Leute sind politische Strategen und keine Dummköpfe« (Kai Hirschmann, Institut für Terrorismusforschung).

Es mag schon sein, dass die Veröffentlichung des Videos ein Mittel der strategischen Kriegsführung ist. Allerdings ist mir nicht klar, wessen Absichten ein solches Dokument mehr unterstützt. Profitieren die Terroristen davon, weil sie der Welt damit zeigen können, wie hilflos die Besatzer im Irak sind? Oder hilft es der Administration Bush, die damit die Fotos eigener Schreckenstaten relativieren und vergessen machen wollen?
Im Tosen der Diskussion um belastendes Bildmaterial denke ich an die Eltern und Geschwister von Nick Berg, des »endlich kopflosen Nick«, wie er von Seiten einiger Fans der Geschichten um Harry Potter in widerlicher Anspielung auf den Fast Kopflosen Nick, einen Geist an Schloss Hogwarts, bereits genannt wird. Ich kann nur hoffen, dass sich die Familie die Verfilmung des Mordes an ihrem Bruder und Sohn nicht angesehen hat.

Ich glaube, ich muss Burkhard Schröder widersprechen. Ich würde es vorziehen, Schreckensbilder nicht zu publizieren. Zwar gebe ich ihm Recht, wenn er auf die Schwierigkeiten bei der Auswahl hinweist. Aber in meinen Augen verwässern derartige Momentaufnahmen das Gesamtbild eines schmutzigen Vorgangs, bei dem hunderte oder tausende von nicht nur unschuldigen, sondern unbeteiligten Menschen einen viel fürchterlicheren Tod gefunden haben als der junge Herr Berg, der ein paar Stunden lang zur schaurig-traurigen, historischen Berühmtheit wurde.

Nachsatz:
Ich bin mir wohl bewusst, dass ich selbst gegen meine Forderung nach Verzicht auf Schreckensbilder verstoße. Darüber habe ich einige Zeit nachgedacht. Den obingen Ausschnitt aus dem Exekutionsfilm möchte ich als Beispiel für und Mahnmal gegen die subjektive, vernichtende Kraft der Bildberichterstattung verstanden wissen.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1084524628

Kommentare

kathleen [@], 14.5.2004 um 16:54 h:

Ein anderer Gedanke zu diesem Thema, jenseits der politischen und ethischen Dimension: Ich meine, daß die bildgeprägte Welt, in der wir leben, einen Faktor völlig ausser Acht zu lassen gelernt hat -
Die Bilder, die wir in unseren Kopf lassen, haben wir anschließend "am Hals", für den Rest unseres Lebens. So etwas wie eine Teillöschung des Speichers ist unmöglich. Oft genug ist das wirklich traumatisierend. Man sollte sich sehr genau überlegen, bei jeder Grausamkeit von Neuem, ob man das wirklich will, ein Bild im Kopf haben für immer und ewig.
Ich habe mir das Video nicht angesehen und werde das auch nicht tun. Die Dimension dieser Gräuel ist mir auch so klar.

Ulf, 14.5.2004 um 22:18 h:

Ich hatte es schon bei Praschl erwähnt: Im Salon kommt Neal Gabler zu dem Schluss, dass sich die Menschen derlei Grausiges nicht etwa ansehen, um ihre Sensationslust zu befriedigen. Auch nicht, weil sie meinen, man müsse das mit eigenen Augen gesehen haben, um seine Schlüsse im großen Kontext ziehen zu können. Die meisten schauen nur deshalb Enthauptungsvideos oder Folterfotos, weil sie meinen, andere sähen sich das auch an; um selbst nicht außen vor zu bleiben, um den gleichen (wenn nicht sogar weiter reichenden) Informationsstand zu haben. Information um ihrer selbst willen sei uns viel wichtiger, als sie zu bewerten.
Sagt Gabler. Und ich neige dazu, ihm zuzustimmen. Dafür nehmen wir sogar in Kauf, uns den Rest unseres Lebens an höchst unangenehme Bilder erinnern zu müssen.

kathleen [@], 14.5.2004 um 23:13 h:

Dann bin ich wohl nicht "wir". Und war es nie.

MEINEREINER, 14.5.2004 um 23:33 h:

KRASS!!!!! HAB ICH AUCH GELESEN DAS MIT DEM FAST KOPLOSEN SIR NICK. IST ABER HE ALLES SCHWINDEL WEIL DER TYP SCHON TOD WAR ALS SIE IHM DEN KOPF ABGESCHNITTEN HABEN. SAGT MINDESTENS DER KERLEON AUS EUREM KREIS UND SO. ALSO BLABLA ODER?

Ulf, 16.5.2004 um 20:09 h:

Kathleen, Recht hast du. Ich habe unzulässig verallgemeinert. Mit »wir« meine ich einige, oder viele von uns. Mich eingeschlossen. Deshalb wohl die erste Person Mehrzahl.

Deinereiner: Sollte Nick Berg tatsächlich tot gewesen sein, als man ihn enthauptete, bestärkt mich dies eigentlich noch in meiner Skepsis gegenüber bildhafter Darstellung von Grausamkeit. Dann manipuliert nicht mehr das Bild einer Szene mehr oder weniger zufällig die Gedanken der Betrachter, sondern der Inszenierende der Szene ganz bewusst sein Publikum.

Christian, 3.11.2004 um 14:27 h:

Ich bein das Video ist Echt auch wenn er
schon vorher tot war ist es trostem passier
ich meine das ist Grausam

LEONA, 27.1.2006 um 20:45 h:

Es ist das schrecklichste was ich je in meinem Leben gesehen habe. Der arme Kerl tat und tut mir leid. Es nicht menschlich und auch nicht moralisch so grausam zu sterben. Ich meine diese Araber was bilden sich die da ein? So hat niemand es verdient zu sterben. Man stelle sich das vor: Wie langsam das scharfe Messer am Nacken gleitet und immer schärfer die Gliedermassen am Hlas durchtrennt. Ich hoffe, dass die 2 Deutschen heil aus diesem Dschungel herauskommen, die ja auch von diesen Sandlern mit den Bärten entführt worden sind. Frieden für alle. Strafe für Täter und Mörder!!!

Viki, 27.1.2006 um 20:56 h:

Hi ich muss mal Luft ablassen. Nick Berg hat es nicht verdient, so brutal und ohne Menschenwürde zu sterben. Ich hoffe stark, dass Enthauptungen kein Modetrend werden. Leider ist ja dass auch in Österreich passiert. Die Punkerin ohne Kopf und ohne Arme. Dann wars die Mutter, die blöde Schlampe!!! Wir haben zu "gute" und "milde" Gesetzte hier in Deutschland und im Österreich. Das stört mich gewaltig! Diese Mutter (die ja diesen Titel mit Sicherheit nicht verdient hätte), die ihre eigene Tochter so barbarisch ermordet, sollte (ähnlich) bestraft werden. Todesstrafen sind bei den Amis sehr beliebt, nicht wahr Mr. Bush. Hätten die Dumis ah sorry Amis, Al Gore gewählt also vor ein paar Jahren, dann wäre dass nie soweit gekommen. Dann würde Nick Berg noch leben und all die anderen die umgekommen sind. Aber die naiven Amis. Ich habe Angst was da noch alles passiert im Irak... Nichts ist ausgeschlossen!!! Und die Amerikaner sind schuld!!!

Mimoza, 27.1.2006 um 21:27 h:

Nick Berg kann einem von der Seele leid tun. Auch nachdem er so barbarisch hingerichtet wurde, lässt man ihn immer noch nicht in Ruhe. Alle verspotten Nick, belächeln ihn und tun so als ob er Schuld an allen wäre. Nick war kein Soldat oder Kämpfer sondern Helfer. Hand aufs Herz: Wie würde es denn euch ergehen, wenn ihr in der ähnlichen Lage wärt? Man soll nichts sagen, wenn man nicht dabei war... Schämen solltet ihr euch!!!

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