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Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Dienstag, 8.6.2004

Venus Transit

Lächerliche Betrachtungen zum Astralspektakel

Sonnenfinsternis, Mondfinsternis, Merkur- oder Venustransit lösen regelmäßig Wellen von Wissenschaftsaffinität in der Bevölkerung aus. Für ein paar Minuten oder Stunden verwandeln sich Lastkraftwagenfahrer, Bürohengste und Hausfrauen in Astronomen und starren durch dunkle Folienbrillen in den Himmel. Viele von uns sehen nichts oder wenig, raunen trotzdem »Ah!« und wundern uns immer wieder, wie unspektakulär galaktische Phänomene sind. Trotzdem sind wir beim nächsten Rendezvous mit den Sternen wieder dabei.

Ich gebe zu, dass solche Erscheinungen bei mir absolute Begeisterung auslösen. Bei klarem Himmel stehe ich oft bis tief in die Nacht auf der Terrasse und gucke Sterne. Besondere Ereignisse wie planetare Verfinsterungen kann ich, sofern die Möglichkeit zur Beobachtung besteht, unmöglich auslassen.

Die Venus zwischen Sonne und ErdeSo ist es auch heute wieder, wenn die Venus am Vormittag auf ihrer Umlaufbahn als dunkler Fleck vor der Sonne zu sehen ist. Natürlich weiß ich, dass Astronomen bei solchen Gelegenheiten immer irgendwelche interessanten Beobachtungen, Messungen und sonstige Versuche anstellen. Wenn etwa zwei oder mehrere Beobachter ihre genaue Position auf der Erde kennen und die exakten Zeitpunkte notieren, zu denen die Venus die Außenränder der Sonne berührt, sollte jeder Oberstufenschüler in der Lage sein, aus den Messdaten den Abstand der Erde von der Sonne zu berechnen. Dieser ist unter seiner offiziellen Bezeichnung »Astronomische Einheit« zwar inzwischen mit 149.597.870.691 Metern hinlänglich genau bekannt. Aber die Wissenschaft interessiert sich dennoch für das Transitphänomen. Man wird beispielsweise versuchen, mit Hilfe von Spezialteleskopen die Athmosphäre der Venus bei Durchleuchtung durch das Sonnenlicht auf seine Bestandteile hin zu untersuchen.
Wissenschaftliche Begeisterung ist aber nicht der Grund, warum ich mich so sehr für das Spektakel interessiere. Auch der Beweggrund vieler anderer Menschen spielt für mich keine große Rolle. Natürlich ist es etwas Besonderes, einem Naturschauspiel zuzusehen, das in 234 Jahren nur vier Mal vorkommt. 1769 reiste James Cook eigens wegen des Venus Transits nach Tahiti und entdeckte nebenbei Hawaii und ein paar andere Inselchen.

Mich reizt nicht per se, was ich da sehe. Mich reizt auch nicht der Gedanke, dass kein heute lebender Mensch gesehen hat, was wir in eben diesen Stunden betrachten können. Meine Begeisterung wird ausgelöst durch Gedanken, die das Naturschauspiel so plastisch greifbar macht.
Wenn ich diesen winzigen Punkt über die Sonnenscheibe wandern sehe, erhalte ich auf einmal eine greifbare Vorstellung von den gigantischen Dimensionen des Universums. Ja, ich weiß natürlich, dass die Unendlichkeit jenseits unserer Vorstellungskraft liegt. Trotzdem bekommt sie für mich in Ansätzen wenigstens eine ungefähr vorstellbare Größenordnung. Hier stehe ich, das galaktische Staubkörnchen und sehe einen Bleistiftpunkt in der Sonne, der tatsächlich ungefähr genau so groß ist wie unser Planet Erde.
Unbeirrbar wandert das Körnchen über den hellen Hintergrund und verschwindet wieder in der Finsternis. So wie dieser Punkt kurven Tausende, Millionen andere Punkte um all die Sterne, die wir nachts sehen. Ja, wir sehen sie, aber wir wissen nicht einmal, ob sie noch existieren.

Vor dieser urplötzlich in Form eines schwarzen Pünktchens begreifbaren gigantischen Ausdehnung von Raum und Zeit sinke ich fömlich vor Ehrfurcht in die Knie. Was bedeutet es schon angesichts solcher Ausdehnung, ob ich Arbeit oder Kopfschmerzen habe! Was soll mich der Idiot scheren, der heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit so langsam vor mir hergeschlichen ist, dass ich an einer roten Ampel halten musste? - Vergiss deine lächerlichen, kleinkarierten Sorgen und sieh dir die Venus an, Mensch!

Das oben abgebildete Foto wurde heute um 10.36 Uhr MESZ im Observatorium auf Tenerifa aufgenommen. Bild und einige der Informationen in diesem Text stammen von der Website des Kiepenheuer-Insitituts für Sonnenphysik.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1086691045

Kommentare

andreas, 8.6.2004 um 14:46 h:

Der Sinn des des Lebens gibt es ihn?
Das ist eine gute Frage. Ich sitze hier und denke nach. Ich denke nach über mich, die Welt, die ganze, gottverdammte Menschheit. Doch, egal wie ich es drehe, es bleibt die Frage: Gibt es denn überhaupt einen Sinn für das Leben? Wozu ist der Mensch denn gut? Die Welt, ich meine alles, das Universum, die Unendlichkeit, alles würde doch auch ohne den Menschen existieren, sogar besser. Es wäre niemand da, der alles verschmutzt und zerstört. Ist das unsere Aufgabe, zu zerstören? Gewiss nicht, aber was ist sie? Wir vernichten uns doch selbst. Und nachher wird alles so sein wie vorher. Oder etwa nicht? Es war doch schon alles vor uns da und es wird alles noch nach uns da sein. Wir forschen, um zu wissen. Doch was bringt es uns, wenn wir wissen? Wir können uns doch nicht einmal das Unendliche oder das vierdimensionale vorstellen. Wir sind klein und gehören höchstwahrscheinlich nicht ein einmal in die Kette des Notwendigen der Existenz. Was wollen wir eigentlich hier? Sind wir ein Zufall, wird es uns genauso gehen wie den Dinosauriern? Und was hat unser Dasein dann gebracht? Irgendwann ist sowieso alles aus. Bei jedem. Der eine lebt länger, der andere kürzer, aber da ist kein System. Die Guten sterben wie die Bösen. Die Reichen wie die Armen. Und was kommt danach Nichts! Unvorstellbar! Wissen wir nicht, oder sollen wir nicht wissen? Sind wir letzten Endes kein Zufall, sondern ein Versuch? Das werden wir nie wissen. Irgendwann ist es vorbei, wir gehen über in die Ewigkeit des Todes. Von dort gibt es keine Rückkehr mehr. Was hat dann unser Leben gebracht? Hatte es einen Sinn? von Diana Süssenbach (gest. 2002 mit 22 Jahren)

Andreas, 8.6.2004 um 15:04 h:

Noch ein kleiner Nachtrag (Link) zum Thema 'Der Mensch, ein Sandkorn der Unendlichkeit' ... Their Circular Life Viel Spass!

Ulf, 9.6.2004 um 0:38 h:

»Wozu ist der Mensch denn gut?« - Genau deshalb liebe ich die Sterneguckerei so sehr. Sie macht deutlich - zumindest mir -, dass eine Antwort auf Dianas (und deine?) Frage völlig überflüssig ist. Wir sind noch nicht einmal Staubkörner im Getriebe des Universums. Was ein Glück!

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