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Donnerstag, 24.6.2004

Klekih-petra

Was haben Polen und Tschechen gemeinsam? - Nein, ich meine damit nicht irgendwelche politischen Parallelen der beiden Neumitglieder in der Europäischen Union. Meine Eingangsfrage hat eher religiösen Charakter. Denn ähnlich wie die Polen den Heiligen Falter stellen, verfügt Tschechien offenbar über einen heißen Draht zum Großen Manitou. In Anlehnung an die Figur von Winnetous weißem Lehrer aus den Romanen von Karl May nennen die Tschechen Karel Brückner, den Trainer ihrer Nationalelf, liebevoll »Klekih-petra«.

Karel »Klekih-petra«
BrücknerAls »feinsinnig und milde lächelnd« bezeichnete der Kommentator der gestrigen Fußballpartie zwischen Deutschland und Tschechien Herrn Brückner gleich mehrfach und offenbarte dadurch sein schlichtes Gemüt. Tatsächlich neigt Brückner weniger zu den sonst in seiner Branche üblichen Tobsuchts- oder Jubelschreianfällen. Das hat vielleicht mit seinem Alter zu tun, schließlich ist der Mann bereits 62. Warum aber jemand, der seine Gefühle weniger überschwänglich zeigt, sogleich zum milden Feinsinn gestempelt wird, kann ich mir nicht erklären.

Bleiben wir bei den Tatsachen. Karel Brückner ist ein exzellenter Trainer, der es geschafft hat, die tschechischen Indianer zu domestizieren und eine Spielerauswahl zu treffen, die selbst in ihrer zweiten Besetzung effizienter Fußball spielt, als die meisten anderen europäischen Mannschaften. Statt herumzubrüllen, beobachtet Brückner das Spiel seines Teams genau und greift zur rechten Zeit zum richtigen Auswechselspieler, der dann auch tatsächlich eine Verstärkung für seine Kollegen darstellt. Folgerichtig gelang es Milan Baroš direkt nach seiner Einwechselung mühelos, das deutsche U-Boot in der gestrigen Begegnung zu versenken.
»Rasenschach« nennt die Journaille eine solche Ausprägung der Tätigkeit eines Fußballtrainers. Ich würde das, was Brückner tut, schlicht und einfach als Beherrschen seines Faches bezeichnen. Er ist eben tatsächlich ein Fußballtrainer. Im Gegensatz zur Mehrzahl seiner Kollegen, deren Qualitäten mehr im Bereich der medialen Präsentation als auf dem Rasen zu suchen sind.

Im Endspiel der Europameisterschaft will ich bitte Klekih-petra und Rehakles sehen! Danke.

Nachtrag im August: Die Schreibweise von »Klekih-petra« variiert in verschiedenen Quellen erheblich. Das »h« erscheint an den unterschiedlichsten Stellen - oder auch gar nicht -, der Bindestrich wird mal aufgeführt, mal nicht. Ich halte mich nach dem Originalstudium bei Karl May nun an die hier praktizierte Variante.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1088072198

Kommentare

andreas, 28.6.2004 um 15:08 h:

Dein Wunsch wird langsam aber sicher zur Gewissheit ... :)

Ulf, 28.6.2004 um 18:52 h:

Beinahe jedenfalls. Ein Finale wird leider nicht mehr d'raus werden, aber Halbfinale ist ja schon mal etwas …

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