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Mittwoch, 7.7.2004

Rot wie Blut

Los Sanfermines

Heute beginnt in Pamplona, im spanischen Navarra, das berühmt berüchtigte Volksfest: die Sanfermines. Kernstück des einwöchigen Ausnahmezustandes sind die täglichen encierros, bei denen jeweils sechs Stiere durch die Straßen der Stadt getrieben werden, begleitet und angestachelt von meist in weiß gekleideten Männern mit roten Halstüchern und eingerollter Zeitung in der Hand, die sie (sehr wahrscheinlich) nie lesen werden, statt dessen den eigenen Wagemut beweisend mit ihr auf die Schädel oder Rücken der Stiere schlagen.

Encierro de PamplonaUnausweichlich erinnern mich die Auswüchse des traditionellen spanischen Stadtfestes an ein deutsches Pendant, das Münchener Oktoberfest. In beiden Fällen spielt Alkohol eine entscheidende Rolle; Rotwein in Pamplona, Bier aus dem Literkrug in München. Wieso die bayerische Gedenkfeier zur Hochzeit zwischen Prinz Ludwig und Therese von Sachsen im Jahr 1810 zum weltweit bekannten, internationalen Gruppenbesäufnis wurde, ist mir nicht bekannt. Die Schuld daran, dass im beschaulichen Pamplona zu den Opfern von Rotwein und Stieren hauptsächlich Amerikaner und Australier gehören, trägt jedoch Ernest Hemingway mit seinem Roman Fiesta, der 1926 unter dem Titel The Sun Also Rises erschienen war. Als selbst ernannte Nachkommen des Ich-Erzählers, des Journalisten Jake Barnes, färbt jedes Jahr die internationale Besucherschaft ihre weiße Tracht - mit Rotwein oder dem eigenen Blut. Wahlweise. Denn nur wer besoffen oder bescheuert genug ist, läuft Gefahr, von einem der Stiere auf die Hörner genommen zu werden.

Tatsächlich Sorgen um Leib und Leben zu machen brauchen sich nur die Stiere. Die überleben zwar den encierro, die abschließenden corridas jedoch keinesfalls. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eigentlich geht das Straßenfest auf eine Prozession zurück, die zum ersten Mal möglicherweise bereits im Jahr 1187 abgehalten wurde, als der damalige Bischof Pedro de Artajona eine Reliquie des Heiligen Fermín aus Amiens mitbrachte. Seither wird an jedem 7. Juli um zehn Uhr vormittags ein Umzug abgehalten. Aber wie das eben so ist mit den religiösen Festlichkeiten: sie erfahren Ergänzung und bekommen Konkurrenz aus ihrem weltlichen Umfeld. Aus der Verehrung einer Heiligenfigur wurde längst der Tanz um das Goldene Kalb, respektive um den tobenden Stier.

Wer zu den Sanfermines reist, begibt sich in eine pulsierende Straßenschlacht, die bestens dazu geeignet ist, eine Woche lang alles zu verdrängen und zu vergessen, was den Alltag sauer macht. Nur Stehvermögen sollte man haben. Und Rotwein abkönnen. Äußerlich wie innerlich.

Übrigens: Bei E-Script gibt es außer diesem noch 21 weitere »Spanische Splitter«. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1089193109

Kommentare

lUKAS EISENBEIS, 12.7.2006 um 14:58 h:

ICH FINDE DAS SCHLECHT WEIL SICH DA VIELE MENSCHEN VERLETZEN KÖNNEN: aUSERDEM BIN ICH EIN SEHR

Ulf, 12.7.2006 um 15:47 h:

Nanu? Hat dich einer von den Stieren auf die Hörner genommen? Werden wir je erfahren, was du »sehr« bist?

Sigrid?

Link zu diesem Kommentar Sigrid, 26.11.2006 um 1:11 h:

Finde das schlimm,
aber nicht für die Menschen
denn die haben ja eine andere Wahl),
sondern die armen Tiere.

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