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Montag, 12.7.2004

Piraten baden nicht

Sport aus der Region

Die Europameisterschaft ist gerade einmal halbwegs verdaut, zart Besaitete hängen noch immer den Erlebnissen von Wimbledon nach und Jan Ullrich samt Konsorten brettern zwiegerädert durch französische Lande. Da ist es nicht leicht, Auge und Ohr des geneigten Lesers für weniger internationale, dennoch aber nicht weniger dramatische Sportereignisse zu gewinnen. Trotzdem will ich es versuchen.

Trachteten einst die Ritter von Artus Tafelrunde die Gunst der holden Schlossfräulein zu gewinnen, indem sie einander zu Pferd mit der Lanze aus dem Sattel zu heben versuchten, muss der moderne Ritter angesichts vehementen Gegenwindes etwa aus der Ecke des WWF auf tierische Beschleuniger verzichten. Doch wo ein Wille, dort ein Weg. Auf einem mittelhessischen Weiher standen sich gestern stolze Recken gegenüber und buhlten um Gunst des Publikums und Turniersieg.

Es mag sich zunächst nach sprachlicher Unschärfe oder gar semantischer Entgleisung anhören, wenn von »stehenden« Recken »auf einem Weiher« die Rede ist. Tatsächlich aber zeichnet das Satzkonstrukt die Geschehnisse in perfekter Übereinstimmung mit der Realität nach.
Nein, die Oberfläche des Gewässers war noch nicht vollständig zugefroren. Vielmehr wurde das alljährlich wiederholte Fischerstechen ausgefochten: Einhunderundzwo Streiter traten in Booten und mit Lanzen bewehrt an, die Gegnerschaft zu versenken.

Besonders grausam, aber in hohem Maße erfolgreich taten sich in den Gefechten die »Blonden Piraten« hervor. Nicht winterliche Kälte, nicht gefrierendes Weiherwasser brachten zu Stande, die drei Heißblütigen zum Zittern zu bringen.

Frankfurter Rundschau: Piraten versenken die Liberalen
(Foto: Ilona Surrey für die FR auf Papier)

Auf dem Bild ist der Stecher der gegnerischen »liberalen« Mannschaft (2.v.l. im gelben T-Shirt) kurz vor seinem Abgang auf den Teichgrund zu sehen. Seinen von Angst verzerrten Gesichtszügen ist zu entnehmen, welche Qualen er durchlebte. Erst im Viertelfinale wurden die Blonden Piraten gestoppt. Das Turniergericht befand, das Maß an Gräueltaten sei randvoll. Die Piraten wurden wegen überzogener Grausamkeit nach Ablauf der Verlängerung zum Verlierer der Partie erklärt.

Wutschnaubend zogen die Piraten von dannen und brachten Angst und Wehklagen über die Reihen des Publikums an Land, wo sie ihren Frust in Bier ertränkten. Der Vollständigkeit halber räumt der Autor dieser Zeilen ein, dass kein anderer als er selbst der blonde Pirat mit dem blauen Ruderblatt war.

Im Namen meiner beiden Mitpiraten möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir das Team der F.D.P. (siehe Foto) nicht aus politischen Gründen gnadenlos auf den Grund des Weihers geschickt haben.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1089660356

Kommentare

vasili, 12.7.2004 um 23:43 h:

hööhööö! sogar mit goof, wie bei ben hur.. ;-)

Ulf, 13.7.2004 um 21:15 h:

Wassen 'n »goof«? Meinst du etwa unsere wunderbaren Matrosenlätzchen?
Ansonsten war die Aktion kaum mit Ben Hur vergleichbar, allerhöchstens in Super Slow Motion =;o)

vasili, 14.7.2004 um 8:40 h:

die lätzchen sind auch klasse, doch. allerdings meine ich die armbanduhr, die einer der piraten trägt und die so gar nicht in die piratenzeit passt...

Ulf, 14.7.2004 um 22:59 h:

Ah! Erleuchtet! - Gebe allerdings zu bedenken, dass die Konkurrenz weiter östlich und in tieferen Gewässern sicher auch Roleximitat am Handgelenk trägt, wenn sie Kreuzfahrer ausnimmt und Boat People schlitzt. Andere Zeiten, andere Sitten!
Randfrage: Ob moderen Piraten neuerdings ihre Opfer auch »enthaupten«? Scheint absolut in zu sein. Zumindest im Irak wird in letzter Zeit jeden Tag irgendjemand geköpft. O tempora, o mores. Aber das sagte ich, glaub' ich, bereits

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