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Dienstag, 27.7.2004

Kreativbremse

Don Dahlmann macht auf einen Artikel aufmerksam, in dem die verquere Argumentation in Sachen Arbeitszeitverlängerung gegeißelt wird. Nachvollziehen kann solche Kritik ein jeder, der - wenn auch nur auf befristete Zeit - die übliche Arbeitszeiten deutlich überschreiten muss. Ich selbst befinde mich in diesen Wochen in einer derartig unangenehmen Situation.

Links neben der Tastatur stapeln sich Antragsformulare, gut drei Zentimeter hoch heute Morgen, überschlagsweise also zweihundertfünfzig Blatt Papier. Auf dem Bildschirm steht die Datenbankmaske mit den Details der Mitarbeiter. Auf jedem der Papierbögen sind die Personalnummer, Namen, Geburtsdatum, und Kostenstelle mit dem Systemeintrag abzugleichen und weitere Formularfelder auf logische Korrektheit zu prüfen. Danach Tagesdatum d'runter, Unterschrift, Stempel und ab die Post. Oder im Fehlerfall Anruf beim Antragsteller.

Damit der Formularstapel nicht jeden Tag wächst, sondern niedriger wird, sitzen wir hier werktäglich von neun bis neunzehn Uhr. Allerdings stört mich weniger der schiere Umfang der Aufgabe. Richtig ätzend ist eigentlich die Stupidität der Arbeit. Die immer gleich bleibenden Handgriffe, die Blickfolge im Zickzack zwischen Papier und Bildschirm, die Häkchen an den stets gleichen Stellen, das Geräusch des Stempels. Da gerät schon zum abwechslungreichsten Event, zum Highlight des Tages, wenn auf einmal keine Tinte mehr im Stift ist und nachgefüllt werden muss.

Die Tätigkeit stumpft ab. Sie ist öde bis zum Erbrechen, erlaubt aber andererseits kein Abschweifen der Gedanken, sozusagen zur mentalen Erleichterung. Ich fühle mich leer, wenn ich zwischendurch Zigarettenpausen einlege, und noch leerer, wenn ich abends endlich den Laden dicht gemacht habe und doch weiß, dass der nächste Tag in der gleichen Eintönigkeit verlaufen wird, die jeglichen Ansatz von Kreativität im Keim erstickt.

Aber was tut man nicht alles, um in Lohn und Brot zu stehen.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1090918661

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