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Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Freitag, 30.7.2004

Verrückt? - Bestimmt!

Bis vor ein paar Jahren war ich mir ja immer sehr sicher: eigenes Haus oder Wohnung zu kaufen, ist etwas für kleine Geister mit mental eingebautem Bausparvertrag. Wozu soll man sein Geld in Form von horrenden Darlehensraten den Banken in die Rachen werfen, wenn es doch bei weitem angenehmere Zwecke des Ausgebens gibt? - Aber wie das meistens so ist mit Grundsätzen und Einsichten, habe ich mir es auf einmal anders überlegt.

HexenhausMuss eigens erwähnt werden, dass ich nicht wie normale Menschen mein Geld zähle und damit einen dem Betrag angemessenen Steinwandquader ankaufe? Es hätte mir längst klar sein müssen, dass mich Bauwerke in ihren Bann ziehen, die die Mehrheit der Bewohner Europas höchstens aus dem Blickwinkel einer Abrissbirne betrachten. Aber so ist es eben. Über zwei Jahre hat es gedauert, vom ersten Blickkontakt mit der Hütte, bis zum verliebten Streicheln verrotteten Gebälks und begeistertem Einatmen modriger Kellerluft. Heute Abend werden wir mit dem Architekten … oh, Verzeihung! Ich höre förmlich die beste aller Ehefrauen aufheulen: wir werden also mit der Architektin am Tisch sitzen und uns ihre Entwürfe ansehen. - Was kann man aus einem kleinen, verwitterten, verschimmelten und feuchten Hexenhäuschen machen, so dass fünf Personen darin unterkommen, ohne gestapelt werden zu müssen.

Wahrscheinlich werde ich dann am Montag mit Nadelgestreiftem zusammenhocken, um zu verhandeln, wieviel Geld in Form von horrenden Darlehensraten den Banken in die Rachen zu werfen ist, obwohl es doch bei weitem angenehmere Zwecke des Ausgebens gibt.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1091202226

Kommentare

van, 31.7.2004 um 6:39 h:

ooooh, wie schön.. mal abgesehen von den glückwünschen an den frischgebackenen hausbesitzer & den durchhalteparolen, die ich hier hinterlassen will, möchte ich doch auch der hoffnung ausdruck verleihen, die diese meldung in mir geweckt hat..

während ich selbst im stillen mit dem gedanken spiele, ein altes gehöft womöglich käuflich zu erwerben, wird mir ausgerechnet vom banker meines vertrauens (you know..?!) eindringlich davon abgeraten, weil es doch auch seiner meinung nach bei weitem angenehmere zwecke des ausgebens gibt, als sein geld ausgerechnet in form von horrenden darlehensraten den banken in den rachen zu werfen.......

du darfst uns gern ordern, wenn alsbald hilfe in form von vier bis sechs helfenden armen & beinen oder zuspruch erforderlich wird..

Kristof, 31.7.2004 um 9:40 h:

Ja hoppla! Das ist ja ein schnuckeliges Hüttchen. Das hat Stil.
Auch ich biete die Hilfe meiner zwei linken Hände an ...

Ulf, 1.8.2004 um 0:15 h:

Bitte noch keine Glückwünsche. Erst wenn der Notar dereinst den Kauf abgesegnet haben wird. Bringt sonst Unglück. Wegen der vielärmeligen und -beinigen Hilfsangebote werde ich mich bei Gelegenheit nochmals an euch wenden. Spätestens dann, wenn eine »Housewarming Party« mit der Notwendigkeit des Haltens von Bierflaschen oder Weingläsern ansteht.

Ansonsten: Stil? Allemal. Wenn man bedenkt, dass der Bauherr ursprünglich Adolf himself war …

Kristof, 2.8.2004 um 14:34 h:

Wer? Der Anstreicher? Wie denn das?
Habe ich was verpasst?

Ulf, 2.8.2004 um 19:37 h:

Na klar: der Anstreicher! - Die Hütten dort oben sind ja sowas von geschichtsträchtig. Erst der Gröfaz mit dem Reichssiedlungshof, dann die Armee mit dem Dulag Luft, schließlich die Amis mit Camp King und ganz zum Schluss ich.

Man stelle sich nur vor, dass vor ein paar Jahrzehnten vielleicht der Eugen Kogon auf unserer Latrine an seinem Skript für »Der SS-Staat« herumgekritzelt hat. Jede Mauerpore atmet Historie, jede Hausmilbe hat Verwandtschaft, die einst den Großen der Geschichte Juckreiz verursachte.

Kristof, 3.8.2004 um 8:37 h:

Ah, die Info fehlte mir. Merci.

"Reichssiedlungshof" klingt schon etwas spooky. Ich stelle mir da blauäugige Jungs mit Spaten und blonde Mädels mit Zöpfen vor, die in Hausbau, Schweinezucht und Vermehrungskunde unterrichtet werden.

Ulf, 3.8.2004 um 20:18 h:

Hast nicht unrecht, Kristof. Es gibt auf dem Areal Gebäude mit Namen wie »Bieneninstitut« und »Maidenhaus«. Allerdings ist meinen Nachforschungen bisher verborgen geblieben, was die Bienen und die Maiden so alles getrieben haben, damals in den Dreißigern.

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