Leser seit April 2002
Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


Hinweis: Die Gestaltung wurde mit Rücksicht auf unterschiedliche Bildschirmauflösungen und Ausgabemedien, sowie auf sehbehinderte Besucher ausschließlich auf Basis von Cascading Style Sheets realisiert. Da Sie CSS deaktiviert haben, oder einen Browser benutzt, der diese nicht oder nur teilweise umsetzen kann, müssen Sie leider auf Gestalterisches und auf eine besucherfreundlichere Anordnung der einzelnen Abschnitte weit gehend verzichten. Die Textinhalt sind allerdings ohne Einschränkungen auch ohne CSS zugänglich.


Donnerstag, 2.9.2004

Zurück in der Realität

Mal eben einmal rundum

Der Sommer ist vergangen, die Urlaubszeit vorüber und in meinem ganz persönlichen Fall der Ausstieg in die Musik zumindest zeitlich passee. Es ist Zeit, einmal die Augen wenigstens zu Sehschlitzen zu öffnen, um nachzusehen, was sich im scharfen Gegenwind ausmachen lässt. Echte Neuigkeiten haben sich nicht ergeben. Immer noch jagen Terroristen über den Erdball und verschaffen sich durch unmenschliche Brutalität Gehör. Inzwischen touren sie durch Russland. Und noch eine kleine Nuance, die wahrzunehmen es gilt: Der zum offiziellen Bezeichner durch wiederholten Gebrauch in Rundfunk und Fernsehen geadelte Titel solcher Gruppen lautet mittlerweile - egal ob sie nun im Irak, in Israel, oder meinetwegen Russland agieren - »radikale Islamisten«.

Wenigstens die olympischen Spiele haben sie verschont, die dreckigen Söhne Allahs. Wahrscheinlich sind sie auch Sportfans. Und noch wahrscheinlicher haben sie sich in die Bikinis der Beachvolleyballerinnen verguckt. Ja, meine Lieben, jetzt ist es heraus: die einzig wahren Gründe für die fälschlich als sexistisch verschriene Kleiderordnung bei einigen Sportarten sind reine Sicherheitsmaßnahmen; ausgeklügelte, von gerissenen Profilern ersonnene, psychologische Attacken auf das Unterbewusstsein armer Teufel, deren Seelenheil nun doppelt gefährdet ist. Denn natürlich werden sie sich vor ihren Mullahs wegen Mangel an Mutes verantworten müssen, ebenso wie dereinst vor ihrem Schöpfer wegen unzüchtiger Gedanken.

Einer wird sich insgeheim ärgern über das Ausbleiben von Terroranschlägen in Athen, auch wenn er es bestimmt nicht auszusprechen wagt. Herr Bush setzt zu Beginn seines Wahlkampfes voll auf die Terrorkarte. Nur seiner Tatkraft sei es zu verdanken, dass die Welt - respektive die USA, was in Bushspeak aufs Gleiche hinausläuft - seit nine-eleven sicherer geworden ist. Äh, ich meine natürlich: »geworden sei«. Oder vielleicht: »geworden sein soll«. Auf jeden Fall muss selbstredend gelten: »Bush For President!«

Oder darf es doch lieber Kerry sein, im November? Bei allem Hickhack um die Kandidaten in Übersee fällt es mir zunehmend schwerer zu erkennen, worin sich Bush und Kerry unterscheiden. Sicher ist der eine, sagen wir mal: »weniger intellektuell« als sein Herausforderer. Dafür aber auch direkter. Man weiß, woran man ist mit Bush. Es mag durchaus seine Berechtigung haben, sich für offensichtliches Übel zu entscheiden, statt Risiko zu laufen, vom Regen in die Traufe zu geraten.

Ist ja gut, werter Leser, ich mag Bush auch nicht. Aber ich bin es inzwischen leid, ihm ständig Vorhaltungen zu machen. Wenigstens hat er Kontur. Scharfe Umrisse vermisse ich nämlich hierzulande, selbst nach dem Sommerloch, wo man im Gewirr von Vierschröderigem, Merkelwürdigem, Verschmidtstem und Gehartztem vollkommen den Überblick verliert.
Interessant in Bezug auf politische Profilierung ist einzig und allein die überraschende Standfestigkeit der grünen Fraktion. Wie gelingt es Joschka und den Seinen angesichts des erdrutschartigen Imageverlustes der SPD, die Grünen beim deutschen Michel noch immer relativ hoch im Kurs stehen zu lassen? Nicht die Regierung bekommt die Quittung für politischen Schlingerkurs. Lediglich die Sozialdemokraten sinken im Ansehen ins Bodenlose. Ihre umweltfarbenen Bündnispartner scheinen unsichbare Flügel zu haben, auf denen sie über den Morast des Reformalltags von hinnen schweben. Vielleicht liegt es ja auch am Auftriebverhalten von Birkenstocks.

Apropos »von hinnen«: Es soll ja in sein, nicht nur veraltete Formulierungen zu verwenden, sondern der gar nicht mehr so neuen deutsche Rechtschreibung ganz bewusst den Rücken zuzukehren. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Opposition immer mehr erstarkt. Im Brausen des rechthaberischen und -schreiberischen Sturmes im Wasserglas gilt mein Mitleid allein den Schülern. Wie soll jemand ernsthaft in die Lage versetzt werden, eine Sprache fehlerfrei zu erlernen, wenn er vormittags die eine Schreibweise vorgesetzt bekommt, nachmittags dann aber in verschiedenen, durchaus seriösen Publikationen verschiedenste Varianten kennenlernt und seine Auswahl treffen soll?

Bei den Begriffen »Rechtschreibung« und »Wahl« fallen mir spontan unsere südlichen Nachbarn ein. In der Schweiz gelten ja seit jeher andere Regeln, nicht nur in der Rechtschreibung, die das famose ß meidet. Ich habe nie richtig verstanden, warum die Schweizer sich so vehement gegen den Anschluss an die europäische Währungsunion zur Wehr setzen. Aber ich möchte diese Gelegenheit nicht versäumen, euch den Rücken zu stärken, liebe Rütliverschwörer: bleibt bei eurem Starrsinn, ich bin noch die kommenden zwanzig Jahre auf den Basiszinssatz der Schweizerischen Nationalbank angewiesen. Und wenn der Franken in dieser Zeit ein bisschen an Wert verliert, habe ich auch nichts dagegen.

In diesem Sinn: Willkommen in der Realität!

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1094124795

Kommentare

vasili, 2.9.2004 um 13:58 h:

oh, ein vabanque-spiel... ich drück' dir die daumen, dass es gut geht.

ach ja: wann sollen wir anrücken? ;-)

Ulf, 2.9.2004 um 20:37 h:

Vabanque? Was heißt hier Vabanque? Was soll denn in diesem Zusammenhang Vabanque heißen? Doo! - Ist das nicht eher ein Synonym für Bankraub? Die Vorstellung hätte natürlich etwas, ehrlich gesagt.
Aber wie du wohl ganz richtig verstanden hast, schloss ich eine Wette auf Kursstabilität des Fränkli und einhergehend auf Zinssatzstabilität in der Schweiz ab. Es widerstrebt mir einfach, den Banken im Verlauf eines Viertel Jahrhunderts ihre milde Gabe doppelt zurückzahlen zu müssen.

Wann es los geht? Ach, wenn sich da die beste aller Ehefrauen und ich nur schon einig wären …

kathleen [@], 2.9.2004 um 21:13 h:

Ziemlich ot: Vasili, wenn ihr schon dort anrückt, dann aber anschließend auch hier, wenn ich bitten darf...

vasili, 2.9.2004 um 21:16 h:

@ulf: ein leichter kursverfall wäre ja aber auch nicht ganz verkehrt, hm? man soll's mit der stabilität ja nicht übertreiben. ;-)

@kathleen: selbstverfreilich!

Ulf, 2.9.2004 um 23:52 h:

Kursverfall wäre toll, Vasili. Im Fall des Fränkli bleibt es allerdings wohl ein Wunschtraum. Selbst auf zwanzig Jahre hin spekuliert. (Glücklicherweise kann ich aber auch in glücksritterhafte Währungen wie den japanischen Yen konvertieren. Zumindest theoretisch, wenn mich dereinst der Teufel reiten sollte.)

Kathleen: Wir müssen unbedingt die Terminlage absprechen. Ich brauche wohl vor dem Sommer 2005 kaum Handlanger. Es sei denn solche, die auf meinem Begräbnis die Schaufel schwingen, falls der Yen … (siehe Randnotiz an Vasili)

vasili, 3.9.2004 um 10:59 h:

wer weiss?

Ulf, 3.9.2004 um 20:10 h:

Danke für das Chart. Die Linie kann man ja leider so oder so interpretieren: ungebrochener Trend zur Wertsteigerung des Franken, oder Hinweis auf demnächst endlich mal wieder anstehende Wende: Back 2 the early ninties!

Aber wie auch immer; so richtig arm oder reich werde ich wohl in keinem Fall.

Ulf, 3.9.2004 um 20:19 h:

Nachtrag: hiermit schon eher … =;o)

vasili, 5.9.2004 um 21:03 h:

ich gönn's dir von herzen... ;-)

Kommentar abgeben: