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Montag, 13.9.2004

Brave New World

Gottes Menschheitsplan

In der Onlineausgabe des heutigen Spiegel wird wieder einmal der Vertreter Gottes auf Erden zitiert. Johannes Paul II. meldete sich offensichtlich zu einer neuseeländischen Gesetzesvorlage zu Wort, die sowohl hetero- als auch homosexuellen Partnerschaften viele der Rechte einräumt, welche bislang nur Ehepaaren zustehen. Der Papst - wer hätte schon anderes vermutet? - forderte, die Ehe dürfe nicht mit anderen Formen des Zusammenlebens gleichgesetzt werden.

Der heilige FalterSolche Partnerschaften verletzten »Gottes Plan für die Menschheit«, erklärte der Pontifex Maximus.

Weder die radikal historischen Einstellungen des Papstes sind neu, noch ist dies die Tatsache, dass der Mann mit seinen Forderungen der gelebten katholischen Kirche weltweit nicht gerade dienlich ist. Auch meine persönliche, grundsätzlich kritische Position gegenüber Gott und der Kirche wird Leser kaum überraschen, die sich bereits in der Vergangenheit hier eingefunden haben.

Angesichts der neuerlichen Äußerungen von Johannes Paul zum Thema Partnerschaft frage ich mich allerdings, ob der alte Mann im Vatikan überhaupt noch ein Gefühl dafür hat, wie sehr er seiner eigenen Sache schadet. Ist er im Alter von 84 Jahren noch zurechnungsfähig? Oder sitzt auf dem Stuhl des Fischers nur mehr eine Marionette, deren hoffnungslos überholte Ansichten von findigen Souffleuren im Vatikan schamlos ausgenutzt werden?
Warum aber sollten Jüngere, die möglicherweise noch in der Lage sind, die Zeichen der Zeit zu interpretieren, dem Vorsteher derartig Verkrustetes in die Feder diktieren? Genau genommen könnte es nur einen einzigen Grund dafür geben: Die Drahtzieher wollen den Pontifex nach außen in einem Ausmaß diskreditieren, das letztlich eine vorzeitige Neubesetzung des Amtes ermöglichen soll. - Machtgerangel im Vatikan? Aufstand der Entmündiger?

Die Positionsfindungen der undurchsichtigsten Firma der Welt sind in meinen Augen trotz aller Lebensfremdheit stets ein faszinierendes Schauspiel. Ganz besonders interessant wird es immer dann, wenn Aussagen vor dem Hintergrund des Anspruchs auf Unfehlbarkeit gemacht werden. Sobald man diesen nämlich in Frage stellt, muss man die jeweilige Forderung nur einmal umkehren, um sich vollends in Verwirrung zu stürzen.
Wie sieht es etwa aus mit »Gottes Plan für die Menschheit« in Bezug auf den Vatikan? Gibt es Gott? Falls ja, was hat er mit seinen selbst ernannten Stellvertretern vor? Sind die Päpste so etwas wie die elfte Geißel Gottes, die den Ägyptern auf den Hals zu hetzen er damals nicht übers Herz brachte?
Oder handelt es sich bei den Kerlen einfach nur um Amokläufer, die ihrem Herrn und Meister irgendwann in den letzten ein- bis zweitausend Jahren entwischt sind und die er bis heute nicht wieder hat einfangen können?

Je länger ich über diesen »Menschheitsplan« sinniere, desto schneller drehe ich mich im Kreis. Richtig schwindelig ist mir schon.

Übrigens: Zum Thema »Brave New World« gibt es bei E-Script noch weitere 28 Geschichten. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1095097027

Kommentare

vasili, 13.9.2004 um 20:31 h:

ich habe gerade überlegt, ob ich die verlautbarung verlinken solle. mein kommentar wäre gewesen: "verstehe ich das richtig? gott hat ein problem mit homos, aber kein problem damit, von einem sabbernden greis vertreten zu werden? dschiiiisses, besorgt dem herrn mal einen pr-berater."

glücklicherweise habe ich zwischendurch bei dir reingeschaut. deinem beitrag habe ich nichts hinzuzufügen, vielmehr habe ich den hut zu ziehen vor deinen schlüssen, die zu ziehen ich nicht imstande war. merci! ;-)

Kristof, 13.9.2004 um 23:16 h:

Naja, naja.
Wenn schon Glauben und wenn katholisch, dann aber auch schon richtig absolutistisch.

Insofern macht der Mann einen perfekten Job. Unpopuläre (und unpopulistische) Ansichten zu vertreten, das ist es, was die Attraktion der Kirche ausmacht. Mit neuem Gebiss und frisch gefärbt kann ja jeder Präsidemtschaftskandidat die Herzen gewinnen, aber sabbernd und kollabierend einen Standpunkt zu vertreten, das hat Style. Und genau das ist es, was vielen Menschen irgendwie einen Halt gibt.

Mir sind Leute, die glauben zu glauben, und gleichzeitig ihr Fähnlein in den Wind des Zeitgeistes hängen, genauso suspekt wie die beknackten Ansichten des Papstes.

Ulf, 13.9.2004 um 23:18 h:

Tja. - Obwohl ich eher dazu tendiere, nicht von »Schlüssen«, sondern von äußerst verwirrten Mutmaßungen zu sprechen. Behalte also deinen Hut lieber auf. Bete oder schüttle den Kopf, je nach religiöser Orientierung, die du jetzt nicht zu detaillieren brauchst.
Jedenfalls: Wenn der Vatikan etwas Ähnliches wie einen »Shareholder Value« zu beachten hätte, wäre der Vorstand längst abgewählt. (Wobei ich gar nicht sicher bin, ob das eine anzustrebende Alternative wäre. Ich glaube, ich sollte eine Rubrik »I Had A Dream« einrichten. Für mich oder für den Pontifex Maximus und die Seinen.)

Ulf, 13.9.2004 um 23:36 h:

@Kristof & perfekter Job & Style:
Hoho! Ich war anfangs geneigt, meinen Worten etwas Ähnliches hinzuzuügen. Könnte ja schließlich sein, dass der Papst nichts anderes als einen »perfekten Job« macht. Egal wie krass er argumentiert, seine echten Anhänger, die die keine Alternativen sehen, die in den sogenannten Dritte-Welt-Staaten leben, die Millionen und Abermillionen zählen, halten ihm sicher die Stange.
Vor diesem Hintergrund wäre die päpstliche Position nun aber eine echte Verarsche für europäische Katholiken. Meinst du, das nähme er in Kauf?

Kristof, 13.9.2004 um 23:50 h:

Nun ja, als alter Kämpe wird er das evtl. in Kauf nehmen. Halbherzige Zugeständnisse an europäische Gläubige auf Selbstverwirklichungstrip sind dem "wahren Glauben" nicht zuträglich.

Ob der Papst jedoch von einer Strategie (Vision) oder nur von Beharrlichkeit (Verstocktheit) getrieben wird, mag ich nicht beantworten.

(Um das klarzustellen: Ich kann dem Papst und anderen Hardcoregläubigen nichts abgewinnnen. Aber halbe Sachen zum Thema Religion finde ich auch sonderbar. So wie lottospielende Mathematiker. Oder so.)

Ulf, 14.9.2004 um 7:36 h:

Dabei fällt mir wieder eines meiner Lieblingszitate ein: »Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.« (Helmut Schmidt)

kaeng, 14.9.2004 um 16:12 h:

Mal ganz davon abgesehen daß so etwas wie Entmündigung nicht vorgesehen ist, glaube ich kaum, daß sich jetzt noch jemand die Mühe machen würde, auf so ein Ziel hinzuarbeiten. Sollten die Verlautbarungen wirklich nicht vom Papst stammen (ich kenne seinen geistigen Zustand nicht), so sind es wohl eher die Hardliner, die da sprechen. Es gibt im Vatikan etliche, denen die Zeichen der Zeit reichlich egal sind. Finde ich beinahe verständlich, wenn man in der ältesten Firma der Welt arbeitet. In nichtmal ansatzweise so alten und zugleich großen Firmen trifft man auch selten auf innovative Geister.

vasili, 15.9.2004 um 1:52 h:

wobei hier anzumerken ist, dass dem vatikan die zeichen der zeit auch egal sein müssen. er verkauft ein konzept, dass nicht dafür ausgelegt ist, änderungen zu erfahren.

Ulf, 15.9.2004 um 7:34 h:

Tatsächlich krankt das katholische System an diesem änderungsresistenten Konzept. Denn bei aller Beharrlichkeit lügen sich Papst & Co. ganz offensichtlich in die Tasche. Wären Christentum oder Religion wirklich unbeeinflusst und unbeeinflussbar von Zeitgeist und historischer Entwicklung, dann müssten wir ja auch heute noch Hexen verbrennen; oder hätten dies alternativ im Mittelalter nicht tun dürfen.

In jedem System gilt: Regeln und Maßgaben können nicht Werte um ihrer selbst willen sein. Sie müssen regelmäßig überprüft werden, immer und immer wieder. Sonst führen sie sich früher oder später selbst ad absurdum. Genau an diesem Punkt ist die (offizielle) katholische Kirche angelangt.

»Freiheit – und Offenheit, die damit einhergeht – wird uns nicht geschenkt. Die Menschen müssen darum kämpfen, immer wieder.« (Alfred Herrhausen)

nelly_pappkarton, 15.9.2004 um 12:16 h:

Aber ist der Glaube an die Existenz von Adam, Eva und einen Mann am Kreuz - der uns alle retten soll - nach Darwin, Kepler und Gates nicht sowieso absurd?

Ulf, 15.9.2004 um 21:08 h:

Genau das ist ja die Frage, auf die es so viele verschiedene Versuche zu antworten gibt. Es gibt durchaus ernst zu nehmende Naturwissenschaftler, etwa Stephen Hawking, die trotz ihres Bezuges zur Realität die Möglichkeit nicht ausschließen, dass es einen Gott, Schöpfer, nenne das wie du möchtest, geben könnte.
Ich persönlich glaube eher nicht daran, obwohl ich mich - wie schon früher angemerkt - zu den Nicht-Wissern, Agnostikern zähle.

Claus, 16.9.2004 um 3:54 h:

Einspruch, euer Ehren. Darwin ist absurd, denn seine Thesen werden selbst von den heutigen Evolutionsaposteln nur noch milde belächelt (aber dafür weiter dem "reineren Licht der Erkenntnis" entgegen verbessert).
Und genauso absurd kann man die Vorstellung bezeichnen, dass sich alles durch Milliarden von Zufällen und Mutationen entwickelt haben soll.
Vom Papst, soviel vorweg, halte ich auch nichts. Die katholische Kirche mit ihre Heiligenverehrung, Marienschnickschnack um all dem Gold (bitte verkaufen, wenn ihr den armen Menschen wirklich helfen wollt) ist auch so eine Sache.
Aber warum in aller Welt sollte die Lehre Christi der heutigen Zeit "angepasst" werden?
Entweder der Mann hatte recht und ist Gottes Sohn oder er hatte eben nicht Recht und war ein Scharlatan. Das herauszufinden bleibt jedem selber überlassen.

Ach ja: die Hexenverbrennungen gehen (Vodoo) und gingen sowei mir bekannt ist zum übermäßigen Teil von der in heidnischer Hexenfurcht gefangenen Volksmasse bzw. dem Staat aus, nicht primär von der Kirche.

Ulf, 16.9.2004 um 8:03 h:

Hexenverbrennung hin, Heilige Inquisition her; ich glaube, wir sind uns der unrühmlichen historischen Rolle, die die katholische Kirche gespielt hat und die sie auch heute noch spielt längst einig. Zumindest die, die sich bislang hier zu Wort gemeldet haben.

Eine völlig andere Frage ist die nach der Existenz Gottes. Claus argumentiert, die Mutations- und Zufallstheorie sei ebenso absurd wie die Annahme, es müsse einen Gott geben. Auch wenn er nicht verrät, zu welchem Schluss er persönlich kommt, hat er Recht, wenn er sagt, das müsse ein jeder für sich selbst entscheiden. Beweise gibt es weder in die eine, noch in die andere Richtung. (Beweise, sagte ich, nicht Indizien.)

Nur bin ich angesichts der negativen Erfahrungen mit der institutionalisierten Kirche - ja, an dieser Stelle kommt sie wieder ins Spiel - für mich zum Schluss gekommen, dass da in den vergangenen zweitausend Jahren wohl viel aufgebauscht wurde. Ich glaube nur die Hälfte von all dem Christus-Schnickschnack. Wenn überhaupt so viel.

Glauben heißt nicht wissen; nicht zu glauben bedeutet ebenfalls, nicht zu wissen. Eigentlich interessiert es mich auch gar nicht allzu sehr. Denn einen zentralen Punkt der Religionen halte ich auf jeden Fall für erstunken und erlogen: die Vorstellung eines wie auch immer gearteten ewigen Lebens - wahlweise im Paradies, als reinkarnierter Regenwurm, oder was weiß ich wie und wo - ist reiner Humbug. Opium für das Volk eben.

nelly_pappkarton, 16.9.2004 um 13:31 h:

Ich würde gerne Däniken glauben. Obwohl er viele "Beweise" anreißt, es am Ende aber leider doch nicht zur Vollendung reicht. Der Gedanke an Zufall gefällt mir auch nicht, dazu ist die Welt zu groß und der Zeitraum, daß was schief gehen könnte, zu lang.

Ich persönlich denke, daß es auf der Erde eine gewisse Menge von verschiedenen Energien gibt (kinetische, elektrische ...) und daß es eben auch Lebensenergie gibt. Die Menge steht fest. Wenn irgendwo etwas verlorgen geht (durch Tod), ist Energie übrig und da jedes System nach einem Gleichgewicht strebt, wird die überschüssige Lebensenergie halt gleich weitergegeben (an einen Baum, einen Menschen). Da ist der Budhismus schon auf dem richtigen Weg, nur glaube ich nicht an den ganzen Nirvana-Quatsch. Vielleicht gibt es ja auch jemanden, der das ganze lenkt. Ich muß aufhören, sonst schreibe ich hier zwei Seiten. Die MATRIX wartet...

Kristof, 16.9.2004 um 14:22 h:

Was ist am "Zufall" eigentlich zu schrecklich, bitte schön?
Muss man, bloss weil die chaotischen und kaum nachzuvollziehenden kausalen Verbindungen die eigene Denkkapazität übersteigen, gleich an einen Lenker, Schöpfer oder Sinngeber glauben? Personifizierte Hilflosigkeit, scheint mir.

Und alle evolutionären bzw. wissenschaftlichen Theorien erscheinen mir doch erheblich plausibler als der ganze Religionshumbug. Deshalb richte ich mein Leben doch lieber daran aus.

Aber auch dies ist mir ja eigentlich egal. Soll halt jeder glauben, was er mag. Bemerkenswert finde ich aber den Besitzanspruch auf Ethik und Lebensenergie, den fast alle Religionen ausüben (Trost, Sinngebung, Hoffnung, ...). Als könne ich nicht auch aus mir selber eine soziale Handlungsweise, meinen eigenen Trost, mein eigenes temporäres Lebensziel entwickeln. Das demonstrative Beanspruchen des Gedankens der "Nächstenliebe" von den christlichen Religionen finde ich geradezu eine Frechheit.

Ulf, 16.9.2004 um 20:51 h:

Dabei fällt mir ein, ich habe da noch einen alten Text aus dem November 2001 zum Thema. Dreizehn Kapitel. Eben wieder gelesen. Geschmunzelt über

6LU3 þLAN3†

Claus, 16.9.2004 um 23:46 h:

Ich wollte sicher nicht verheimlichen, meine Jetons habe ich auf Christus gesetzt.
Unter der Prämisse, das es ein Schöpfer gibt, ist der ganze Religionshumbug gar nicht mehr so absonderlich. Durch dieses kleine aber halt doch entscheidende Vorzeichen wird eine schlüssige Logik sichtbar. Ulf hat ja bereits ein paar Einträger vorher angedeutet, dass es eine nicht grade unerhebliche Zahl an Naturwissenschaftlern gibt, die aufgrund ihrer Forschungserkenntnisse keine andere Erklärung mehr finden als einen Schöpfung.
Herrn Hawking würde ich übrigens nicht dazu zählen.
Wobei ich jeden Menschen verstehe, der sich über bigotte Christen, die Sünden der Kirchen und all das andere verwerfliche Zeugs empört.
Ich halte es an dieser Stelle mit meinen Herren: wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.
Das Thema schreit mal wieder nach ein paar guten Gesprächen. Es ist immer sehr spannend, wenn sich die richtigen Leute gefunden haben. Und sehr anregend. Und völlig ungeeignet für Schlagwortmaschienen Marke Forum, Chat oder Kommentarfunktion.
;)

Claus, 16.9.2004 um 23:47 h:

Man verzeihe mir meine typischen Aussetzer beim Tippen. Untertänigsten Dank.

Ulf, 16.9.2004 um 23:57 h:

»Jetons auf Christus«? Klingt aber trotz allem durchaus zweiflerisch. Kann voll in die Hosen gehen. Das sage nicht (nur) ich, sondern implizierst du.

Kristof, 17.9.2004 um 11:53 h:

Hm, hm, hm. Je nachdem, was du unter "Schöpfer" verstehst, ist das aber eine gewagte Prämisse.

Aber in einem hast du recht: Bei Rotwein mündlich darüber zu diskutieren, ist immer viel vergnüglicher. Und lauter. :-)

Claus, 17.9.2004 um 20:32 h:

Also gut, also schöm, Jetons treffen das ganze nicht besonders präzise, habt ihr mich wieder beim blumigen Umschreiben erwischt.
Dann also wieder die sperrigen Klassiker rausgekramt, blank geputzt und rausgehauen:
Ich habe das Haus meines Lebens auf dem Fels, den Eckstein, auf Christus gebaut.
Klingt a) abgedroschen und b) altbacken und c) irgendwie nicht nach mir, auch wenn es deutlich genauer beschreibt, was Jetons andeutenen sollten. Heul.
Ich trink jetzt auch erstmal einen Rotwein. Punkt für den guten alten Kristof.
Zum Leben! ;)

Ulf, 17.9.2004 um 23:47 h:

Nun denn also, Claus: Ich entnehme deinen letzten Äußerungen, dass du dich darauf eingelassen hast, den Verantwortlichen die Geschichte mit dem »Sohn Gottes«, vor allen Dingen aber die ganze Angelegenheit mit dem Schöpfer und seinem »Menschheitsplan« abzunehmen. Abzunehmen, aber nicht so ganz ohne den letzten Zweifel.
So weit liegen wir demnach nicht auseinander. Ich entschloss mich dazu, die Sache nicht zu akzeptieren. Allerdings ebenfalls nicht ohne den letzten Zweifel. - Hm.

Claus, 18.9.2004 um 2:24 h:

Ja, vermutlich liegen wir wirklich nicht weit auseinander. Es könnte daran liegen, dass man den Glauben (so oder so) ähnlich wie eine Beziehung nicht einfach als "erledigt" abhaken und wegpacken kann/darf/sollte. Deshalb ist Zweifel auch absolut erlaubt, Fragen und Prüfen sogar ausdrücklich erwünscht. Sagt zumindestens Herr Paulus.
Die Alternative wäre zwar einfach, aber irgendwie auch sehr tot: nicht denken, nicht fühlen, nur abspulen.
---
Die Verantwortlichen (wenn damit Papsttum, Landeskirchen, Babyttaufe, Staatskirchen, Kirchensteuer, Pomp & Brimborium und der ganze unerquickliche Rest gemeint war) haben mit meinem Glauben übrigens nicht besonders viel zu tun. Der beruht eher auf persönliche Kontakte, Erlebnisse und der Bibel im Sinne von "Gottes Wort".
Ich hoffe, dass das jetzt nicht zu abgehoben klang. Ich kann jedenfalls alle beruhigen: Gerüchte, die besagen, dass man als Christ ein "besserer" Mensch sei oder werde, sind als völlig abwegig und erwiesenermaßen unzutreffend zu verwerfen. Ganz ehrlich. ;)

Ulf, 20.9.2004 um 8:04 h:

Zum Thema der Institutionalisierung des Glaubens gibt es ja ein schönes Zitat, das ich niemandem vorenthalten will:

»Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht.«
(Albert Schweitzer)
 

Aber auch zur weiter oben stehenden Frage von Claus, »warum in aller Welt die Lehre Christi der heutigen Zeit angepasst werden sollte«, habe ich eine interessante Stimme gefunden, die zumindest zum Nachdenken anregen könnte:

»Religionen, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit erneuert werden, altern wie Bäume. Das Christentum in der uns bekannten Form hat seine Zeit gehabt. Wir wollen eine neue Form, die in Übereinstimmung steht mit der Wissenschaft und dennoch für ein gutes Leben hilfreich ist.«
(Bertrand Russell)

Claus, 21.9.2004 um 0:58 h:

Das Zitat von Schweitzer gibt es auch so:
"Going to church doesn’t make you a Christian anymore than
going to McDonalds makes you a hamburger" (Keith Green).
Zu Betrand Russel:
Eigentlich ist das Zitat ein "unerlaubter Tiefschlag" bzw. ein Argument, dass wunderbar klingt, aber letzlich nur ein etwas hinterhältiger Nebelwerfer ist. Warum ist schnell erklärt:
Wenn die Bibel von einem Schöpfer, einer Schöpfung und einen in die Schöpfung eingreifenden lebenden Gott spricht, so kann dieser ganz einfach nicht mit den nur für die Schöpfung geltenden, von Ihn geschaffenen Gesetzen heraus "wissenschaftlich" nachgewiesen werden. Wenn der Schöpfer ausserhalb der Schöpfung steht, können die in diesem geschlossenen System seiner Schöpfung geltenden Gesetze ihn gar nicht zutreffend oder vollständig beschreiben bzw. sein Handeln erklären.
Wie könnte z. B. ein Strichmänchen, dass in einer Welt aus zwei Dimensionen lebt, die dritte Dimension, oder geschweige denn den Zeichner korrekt mit den ihm zur Verfügung stehenden zwei Dimensionen beschreiben? Wie sollte es aus seiner Welt der vordefinierten Comic-Strips erklären können, dass der Zeichner mal eben einen Seitenarm in die Handlung einbaut, Details und Handlung verändert, radiert oder mit Eigenblut weiterzeichnet etc.?
Meiner Meinung nach hat Betrand Russel hier als "zweidimensionales Wesen" einen verführerisch wie hinterhältigen "zweidimensionalen Vorschlag" gemacht, der allerdings auch nicht im Ansatz etwas zur Klärung der Frage beitragen kann, ob es einen Zeichner, eine Zeichnung, ein Anfang oder ein Ende des Comic-Strips gibt oder ob sich da mal irgendwann ein Tintenfass sehr sehr sehr sehr sehrsehrsehr glücklich laut knallend auf das auf dem Fußboden (weiß der Geier, woher der, die Tinte oder das Faß oder der Raum oder die Zeit usw. hergekommen ist) liegende Blatt Papier fallend verpritzt hat.
--- --- --- --- --- --- ---
Naja, alle Laiengeblöck, gebe ich ja zu.
Kommt trotzdem von Herzen.
:o)

Claus, 21.9.2004 um 1:01 h:

Das mit dem Zitieren übe ich nochmal:
"Bertrand Russell", "Bertrand Russell", "Bertrand Russell".

Ulf, 21.9.2004 um 7:21 h:

Dein Beispiel mit den Dimensionen gefällt mir, Claus. Allerdings meine ich, dass du Russel da nicht richtig einbaust. Meiner Ansicht nach muss das anders formuliert werden:

Der Ursprung der Religion liegt in einer Zeit, als der Mensch noch ein zweidimensionales Strichmännchen war. Entsprechend fielen seine Interpretationen der »göttlichen Fügung« (lass mich das mal vereinfachend so nennen) aus. Mittlerweile aber hat sich der Mensch in die dritte Dimension hinein entwickelt. Angebracht wäre also nun endlich, das religiöse Denkmodell anzupassen. Sonst laufen wir Gefahr, dereinst als eine in zehn Dimensionen entwickelte Menschheit einem dreidimensionalen Gott nachzulaufen.

Wenn du mich fragst, haben wir in Bezug auf das Dimensionenbeispiel unser zweitausend Jahre altes Gottesmodell bereits überholt.

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