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Dienstag, 21.9.2004

Brave New World

Mit der She-DJ in den Gazastreifen

Man kann durchaus geteilter Meinung über Qualität und Daseinsberechtigung des Mannheimer Sprachlabors Duden sein. Vor einem Jahr nannte ich selbst die Institution »älter als Methusalem, deutscher als Bismarck und gelber als den gelben Sack«. Doch zur Unterhaltung tragen Deutschlands Lingurus auf jeden Fall und immer wieder bei. (Der geneigte Leser ist aufgefordert, diesen letzten Satz so zu interpretieren, wie er es am liebsten hätte.)

So enthält der aktuelle Newsletter aus dem Haus der Wörter eine Auswahl von »Neulingen im Rechtschreibduden«, die in die 23. Auflage Eingang gefunden haben. Von den Al|co|pops über die Ho|mo|e|he bis zur Vi|no|thek werden dem Abonnenten vierzehn neue Begriffe vorgstellt, die in der Mehrheit so arg neu gar nicht anmuten. Lediglich mit der She-DJ und dem Tai|ko|nau|ten konnte ich zunächst nichts anfangen.

An die Tastatur getrieben hat mich jedoch nicht die Bekanntschaft mit neuem Buchstabensalat, sondern die mit grammatikalischen Spitzfindigkeiten gepaarte Begriffsdefinition eines durchaus gängigen Wortes. Unter einer Roadmap versteht auch der deutschsprachige Software-Entwickler seit mehr als zwanzig Jahren einen »Plan für die zukünftige Entwicklung von Technologien und Produkten«. So definiert das nun auch der Duden in seiner aktuellen Ausgabe.
Doch bekanntlich gehen ja ziemlich viele Softwareprodukte den Bach hinunter. Will heißen, sie werden aus den verschiedensten Gründen nie zu Ende geführt, wandern in die Schublade, weil sie plötzlich nicht mehr die Produktpalette des Hauses passen, oder werden eingestellt, weil die Konkurrenz uneinholbar vorne liegt, oder kein Geld mehr da ist. Aus diesem Grund existiert das Wort »Roadmap« hautnah an der Wirklichkeit nicht nur in der Ein-, sonder auch in der Mehrzahl; es kann beliebig viele »Roadmaps« geben, sonst stürbe letztlich der Beruf des SW-Entwicklers aus. - Danke, Duden!

Eine Zweitbedeutung des Wortes Roadmap lässt mich allerdings stutzen. Da heißt es: »nur Sing. auch für amerik. Friedensplan für den Nahen Osten«.
Was wohl als rein grammatische Regel gemeint ist, wird beim Abgleich mit der Realität durch einen semantischen Unterton begleitet, der die Duden-Radakteure zu feinfühligen Polit-Kommentatoren adelt: Es kann nur einen Friedensplan im Nahen Osten geben. Auch wenn dieser längst als gescheitert gelten muss, eine korrigierte, verbesserte Neuauflage ist von Amerika nicht zu erwarten.

Das ist Ihnen zu spitzfindig? - Mir nicht. Trotzdem vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Übrigens: Zum Thema »Brave New World« gibt es bei E-Script noch weitere 28 Geschichten. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1095757367

Kommentare

vasili, 21.9.2004 um 16:05 h:

"Lediglich mit [...] dem Tai|ko|nau|ten konnte ich zunächst nichts anfangen."

tscha... ;-)

Ulf, 21.9.2004 um 18:53 h:

Oh! - Wer liest, ist klar im Vorteil. Aber wer kann schon von sich behaupten, dass er immer alles liest… =:o(

vasili, 21.9.2004 um 22:54 h:

klar. aber manchmal muss man auch spass haben, ich räum' die glashausscherben nachher auch wieder weg. ;-)

Ulf, 21.9.2004 um 23:09 h:

Lass mal. Dieses Etablissement hat den großen Vorteil, dass nichts lange liegen bleibt. Da muss irgendwo eine gute Fee sein, die immer gleich sauber macht.

vasili, 22.9.2004 um 15:28 h:

ich mag gute feen..

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