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Mittwoch, 22.9.2004

Sprachlos

Latinitas

Bekanntlich parlieren die Würdenträger am Vatikan nicht so, wie ihnen die Schnäbel gewachsen sind, sondern verbalisieren ihr Begehr auf Latein. Damit der Heilige Falter und seine höchsten Schäfchen sich nicht auf Diskussionen um Aquädukte oder längst vergessene gallische Kriege beschränken müssen, gibt es die Stiftung Latinitas. Man muss sich die Latinitas in etwa so vorstellen wie die Mannheimer Duden-Redaktion. Bloß auf lateinisch. Die Angestellten der Latinitas verbringen ihre Zeit damit, neue Wörter zu erfinden, besser gesagt: erfundene lateinische Übersetzungen von Begriffen aus dem modernen Leben.

Mal ein Beispiel: Die »Vinothek«, die in der jüngsten Dudenauflage erscheint, gibt es auch bei der Latinitas und heißt dort vinorum taberna.

Dank der aufopfernden und kreativen Tätigkeit der Latinitas ist der Papst nun endlich in der Lage, seine Gesprächsnotizen während des telephónici collóquii mit dem amerikanischen Präsidenten direkt in der Amtssprache abzufassen. Ohne Umschweif kann dort etwa geschrieben stehen, dass wieder einmal tromócrates in einem Akt nach Art der voluntáriorum sui interemptorium eine capacíssimam aërinavem in einen Wolkenkratzer gelenkt hätten.
Interessant wäre schon auch zu wissen, ob der Papst nach dem Telefonat seinen Gesprächspartner Bush im Stillen bloß als armentárius, als gregalis latro, oder gar als homo hebes bezeichnen würde. Das aber werden wir wohl nie erfahren.

In die Liste der Neuschöpfungen der Latinitas haben auch Begriffe Einzug gefunden, die man im Vatikan eigentlich nicht braucht. Will Johannes Paul etwa einmal relaxátionem betreiben, so braucht er sicher keine infantária. Er kann einfach mal so in eine taberna nocturna spazieren und sich beim tabernae potóriae minister eine pótionem alcohólicam bestellen. Oder sich dem ludo saltatório hingeben. Oder ein bisschen iazensis músicam hören. Élegans vita im Vatikan!

Doch Vorsicht: In derartigen Etablissements tummelt sich oft unzüchtiges Volk. Der Papst sollte schon acht geben, angesichts von brevíssimae bracae femíneae, matériae plásticae nailonensis oder gar parva subligácula keinen collapsum gravem zu erleiden oder die sui moderátionem zu verlieren.

Ja, wie traurig wäre das Leben ohne Lichtblicke, wie sie uns Institutionen wie die Latinitas bescheren. Aber einmal ganz unter uns gesprochen: sind die Kerle im Vatikan nicht ein paar ganz arme botelli?

Quelle der Übersetzungen ins Lateinische: Léxikon Recentis Latinitatis

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1095838786

Kommentare

andreas, 23.9.2004 um 15:33 h:

"urbani sales aut fundamentum rei spiritualis ... ?" ... die spinnen die Römer :)

Kristof, 23.9.2004 um 23:28 h:

Tja, dieser Beitrag ist wohl nicht so der Renner (kommentartechnisch). Was soll man denn auch sagen, wenn man die Hälfte der Worte nicht versteht.

:-)))

Auguste Lamers, 27.10.2004 um 12:59 h:

Was sagt dieses Lexikon eigentlich zur Aussprache des Lateinischen im Fall des C?
Zizero oder Kikero?
Tät mich mal interessieren - weiß es einer?

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