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Dienstag, 5.10.2004

Buchstabensuppe

Das gedruckte Wort

Im Gegensatz zu dem, was wir hier - also alle, die vor dem und für den Bildschirm schreiben - treiben, nennt man auf Papier abgedruckte Wortfolgen gerne auch Literatur. Zum Herbstanfang, der Jahreszeit der welkenden Blätter, fällt uns diese wieder einmal in geballter Form auf die Zehen. Dass ab morgen fünf Tage lang die 56. Frankfurter Buchmesse stattfindet, ist nur einer der Aspekte der Literaturanballung. Denn übermorgen steht auch noch die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an.

Das Literatenduo Kessler-Bohlen auf der Buchmesse 2003Aber immer eines nach dem anderen. Im vergangenen Jahr tat sich auf der Buchmesse - wie bereits schon 2002 - der Gitarrist von Thomas Anders als Autor hervor. Preisfrage eins (nicht so arg schwer): Wie heißt der Gitarrist? Frage zwei (gehobener Schwierigkeitsgrad): Wie heißt die »Schreiberin vom Gitarristen« mit vollem Namen? Dritte Kategorie (Schwierigkeitsgrad 5): Wie hieß der Titel, den die beiden 2003 auf der Buchmesse bewarben? Und für ganz extreme Spezialisten: Wie lautete der Titel des Autorenduos im Jahr 2002?
Für »Dieter Bohlen« gibt es einen Punkt, für »Tatja Kessler« vier. Wer für 2003 auf »Hinter den Kulissen« getippt hat, streicht sieben Punkte ein; Wiedererkenner von »Nichts als die Wahrheit« (2002) verbuchen weitere acht Punkte. - Wer zwanzig Punkte erreicht hat, bitte in den Kommentaren eintragen, um sich von der Meute bejubeln zu lassen. Wer mehr Zähler verbucht, bitte hier entlang.

Worauf ich hinaus will, ist die bedauernswerte Tatsache, dass sich Verlage und Organisatoren von Veranstaltungen auch auf der Buchmesse nur durch billige Eventtricks den Zuschauerstrom sichern können. Das Gastland Russland, das mit großem Getöse angekündigt worden war, hat hingegen nicht allzu großen Eindruck hinterlassen. Die Assoziation zwischen Buchmesse 2004 und Russland bringt bestenfalls noch den Erfolgsautoren Wladimir Kaminer und seinen Roman »Russendisko« aufs Tapet.
Für dieses Jahr erwarte ich auch nicht viel mehr Qualität. Interessant vielleicht: dass sich offenbar ein Treffen der digitalen Nachbarschaft auf dem Messegelände anbahnt.

Bücher sind zunächst ja nichts anderes als ein Haufen Holz. Solange sie ungelesen bleiben, beeindrucken sie bestenfalls durch die Gestaltung des Covers. In manchen Fällen ist das ohne Zweifel auch ganz gut so, siehe oben. In dieser Hinsicht überraschten mich positiv die Ergebnisse einer Umfrage, in der eine Viertelmillion Deutsche ihr Liebelingsbuch wählten. Das Resultat lässt hoffen; zumindest dann, wenn die Abstimmenden ihre Favoriten tatsächlich auch gelesen haben.

In Bezug auf das literarische Gewicht ein paar Nummern schwerer wiegen im Vergleich zu den Lesehits die Werke der Autoren, die bislang mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Gelesen werden sie allerdings umso seltener. Wer erinnert sich schon daran, dass der letztjährige Träger des Preises John Maxwell Coetzee heißt? Wer kann auch nur eines seiner Bücher benennen? Wer hat gar eines eigenäugig gelesen?

Man missverstehe mich nun bitte nicht. Es liegt mir fern, den Nobelpreis für Literatur als realitätsfremd heruntermachen zu wollen. Im Gegenteil; auch wenn die Prämierten selten zu den meist Gelesenen gehören, sind ihre Werke in meinen Augen ein unschätzbarer Fundus, den im Hinterkopf zu behalten die Mühe wert ist. Die Bücher Coetzees, des Südafrikaners, interessieren mich im Moment wenig. Aber einige der bisherigen Preisträger habe ich gelesen, manche mit mehr, manche mit weniger Vergnügen.

Besonders interessiert bin ich im Übrigen am Ausgang der Preiverleihung vom kommenden Donnerstag. Wie es heißt, sind Margaret Atwood, eine Kanadierin, deren Bücher ich nicht kenne, und Joyce Carol Oates heißeste Anwärterinnen auf den Titel. Ich drücke der Amerikanerin Oates die Daumen. Das, was ich von ihr gelesen habe, hat mir gut gefallen.
Wenn ich aber ehrlich sein soll, zöge ich beiden Super-Kandidatinnen einen dritten, ganz anderen vor. Einen, der bereits seit Jahren unter den Stockholmer Auguren als Preisträger gehandelt wird. Einer, der mir den Weg in die Literatur geebnet hat, um es einmal ein bisschen schwülstig auszudrücken. Wenn man mich fragte, so sollte es dieses Jahr endlich John Updike werden.

Aber mich fragt ja keiner. Und es interessiert sich auch niemand dafür, dass ich mäkle, es wäre traurig, wenn Atwood oder Oates nur deshalb prämiert würde, um dem Grundsatz der Geschlechterquoten gerecht zu werden. - Andererseits: Ein Nobelpreis mit Frauenquote hätte zumindest etwas Wirklichkeitsnahes.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1096977801

Kommentare

Ulf, 5.10.2004 um 7:25 h:

Nachtrag: Einen habe ich dann doch noch aufgetan, der Coetzee liest. Seltene Zufallsfunde. Muss man sich merken.

Andreas, 5.10.2004 um 16:55 h:

Da es so schön zum Quiz passt, dieses Bild der Pressemappe abgeluchst.

Ulf, 5.10.2004 um 21:24 h:

Was treibt der da eigentlich auf dem Teppichbild? Handelt es sich um einen fehlgeschlagener Versuch, zu signieren? Oder sind es nachträgliche Korrekturen, die er verzweifelt noch den Ansichtsexemplaren beizufügen versucht, bevor die Welt seine Peinlichkeiten mitbekommt?

P.S.: Wieviel Punkte hast du beim Quiz abgesahnt?

Claus, 6.10.2004 um 20:29 h:

hey, ein neues Eigenbildnis in der Kopfzeile, oder verpasse ich nur ständig den regelmäßigen Wechsel?

Ulf, 6.10.2004 um 22:13 h:

Die Grafiken wechseln. Es gibt Einträge, die feste Grafiken haben, und andere, bei denen die Zeichnungen nach dem Zufallsprinzip und abhängig von der Uhrzeit deines Besuchs roulieren. (Siehe auch meine Randnotiz zum zwanghaften Ausleben wechselnder Laster im about.)

Link zu diesem Kommentar Marco, 29.3.2007 um 23:05 h:

Also ich muss schon sagen, die T-Shirts sind echt witzig ^^

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