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Montag, 18.10.2004

Transatlantisches Rauschen

Deutschland wählt den US-Präsidenten

»Wer auch immer der nächste US-Präsident wird: Anleger können von beiden Kandidaten profitieren.« (Klaus Martini)

Dürfte Harr Martini am 2. November zur US-amerikanischen Wahlurne schreiten, so würde von seinem Kreuzchen wahrscheinlich Herr Bush profitieren. Dass wir nicht mitwählen können, bedauert so mancher Deutsche ärger, als wenn er von der kommenden Bundestagswahl ausgeschlossen würde. Immerhin scheinen Deutsche klarere politische Standpunkte in Bezug auf den künftigen US-Präsidenten, als zum Thema Bundeskanzlerschaft zu beziehen.

Klaus MartiniWortschlächter Kerry und BushWas nun Herrn Martini betrifft, Global Chief Investment Officer Privatkunden der Deutschen Bank, so drückt er sich in seinem jüngsten Investment View zwar vorsichtig aus, um eine direkte Stellungnahme für einen der beiden US-Kandidaten zu vermeiden, räumt aber schließlich doch ein: »Aus historischer Sicht wäre ein Wahlsieg von Präsident George W. Bush der Idealfall für den Markt in den kommenden Monaten.«

Doch selbst im Fall eines Wahlsieges von Kerry braucht der Kapitalanleger laut Martini nicht zu verzweifeln. Zu den Profiteuren eines Demokratensieges zählten der Immobilienmarkt, alternative Energieformen und möglicherweise der Einzelhandel. Bushs Wiederwahl hingegen dürfte die Aktien der Sektoren Energie, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung sowie die Finanztitel in die Höhe treiben.

Ich finde es interessant, aus welchen Beweggründen so mancher seine Präferenzen findet. Da möchte man dem einen oder anderen doch ganz gerne eine gewisse Betriebsblindheit unterstellen. Damit ist ganz explizit auch eine andere Fraktion gemeint: Wer sein Wahl davon abhängig macht, ob da nun ein Katholik ins Weiße Haus einzieht, oder ein Methodist bleibt, legt ebenfalls einen fragwürdigen Maßstab an, wie ich meine.

Aber alle Stellungnahmen pro Kerry oder pro Bush sind um so bemerkenswerter, als Deutsche offenbar gar keine rechte persönliche Beziehung mehr zu US-Amerika haben. In einer Umfrage stellte jetzt das EMNID-Institut im Auftrag von Chrismon 1002 Bürgern die Frage: Was verbindet uns Deutsche am ehesten mit den Amerikanern?
 
Was verbindet uns Deutsche am ehesten mit den Amerikanern?

Erstaunlich ist in meinen Augen, dass fast ein Drittel der Deutschen keine besonderen Verbindungen zu den USA erkennen können oder wollen. Auch die Fraktion der Idealisten auf Rang zwei, die den hehren Glauben an Demokratie, Freiheit und Menschenrechte anführt, löst bei mir nur Kopfschütteln aus. – Auf welchem Planeten leben diese Leute? Verfolgen sie das Weltgeschehen etwa nicht?

Die Martini-Fraktion, die nüchtern Wirtschaftbeziehungen als verbindendes Hauptelement sieht, ist schon eher realistisch. Doch wenn ihr mich fragt, kommt die Antwort auf Platz vier viel zu schlecht weg. Tatsächlich ist es doch die »populäre Massenkultur«, die uns unübersehbar an den großen Bruder bindet. Dass Musik, Hollywood, Coke und McDonalds auch in Deutschland allgegenwärtig sind, ist wohl kaum zu überhören, -sehen und -schmecken.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1098089914

Kommentare

kathleen [@], 19.10.2004 um 22:22 h:

Räusper. Ulf, ich glaube, du meintest Platz drei...
Wobei: Was hältst du eigentlich von der Antwort auf der Vier? (Mich persönlich nervt die immer, weil dieses Eingreifen sehr weit auf amerikanischen Interessen fußte, bei weitem nicht auf wildgewordener Menschenliebe.)

Ulf, 20.10.2004 um 0:28 h:

Zur Platzierung: Den ersten Rang nimmt mit 28% die Fraktion der Keine-Verbindungen-Vertreter ein. Rang zwei (Glaube an Demokratie, 20%), Rang drei (Wirtschaft, 19%) und Rang vier (Massenkultur, 12%). Insofern meinte ich schon Rang oder Platz vier. Oder Balken drei, von oben her gesehen.

Zur Dankbarkeit für die Befreiung vom Nationalsozialismus? (Balken vier? 7%?) – Schwieriges Thema.
Ich habe damit Probleme. Nicht etwa wegen der »Gnade der späten Geburt«, oder weil ich ich der historischen Entwicklung nicht dankbar wäre; sondern weil ich befürchte, dass den Leuten einfach nichts Gescheiteres einfällt: »Die Amerikaner? Die haben uns damals rausgehauen. Gott sei Dank!«
Obwohl? – Vielleicht kommt diese Dankbarkeit ja doch von Herzen? Was weiß ich.

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