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Montag, 25.10.2004

Elektrodomestiziert

Herr Mens hört Plätschern unterm Dach

Gestern Abend befiel mich unbezähmbare Lust auf ein Bier. Unten im Vorratskeller traf ich meinen Freund, Herrn Mens. Schon als ich den Raum betrat, war mir klar, dass etwas nicht in Ordnung war. Lauter und disharmonischer als üblich brummte Mens vor sich hin. Ich beschloss, seinem offensichtlichen Unmut keine Beachtung zu schenken. Sollte er doch den Anfang machen, wenn ihm etwas nicht passte. Flugs öffnete ich die Türe, nahm eine Flasche Bier aus dem Kühlregal und klappte Herrn Mens wieder zu. Fast hatte ich wieder die Kellertüre erreicht, als die schnarrende Stimme meines Freundes lospolterte: »Sie gehen fremd, Herr Brossmann!«

Ich hielt inne, wandte mich um und griff nach einem Schraubenzieher, um die Flasche zu öffnen. Nach Mens' Tonfall zu schließen, handelte es sich um eine ernste Angelegenheit, die Zeit brauchen würde. Schnick! – Die Kapsel der Flasche sprang in eine Ecke des Kellers, und ich wandte mich meinem Feund zu: »Wie kommen Sie denn auf diese Idee, Herr Mens?«
Verächtlich knurrte Mens zurück: »Ich habe es gewusst. Zuerst kamen die beiden Liebherren aus Stahl, die mich aus der Küche vertrieben haben. Und jetzt haben Sie noch einen weiteren Konkurrenten in Ihrem Schlafzimmer installiert, Herr Brossmann.«
Mein kühler Freund machte eine Pause, um den Effekt seiner kriminalistischen Eröffnung zu prüfen. Anklagendes Brummen setzte ein. Als ich nach ein paar Sekunden keine Antwort parat hatte – zu verwirrt war ich von seiner absurden Anschuldigung –, fügte Mens resignierend hinzu: »Wann ist es soweit? Wann lassen Sie mich zum alten Eisen bringen? – Sie Verräter, Sie.«

Verdattert haspelte ich schließlich: »Woher haben Sie denn den Unsinn mit dem Kühlschrank im Dachgeschoß, Herr Mens? Ich weiß überhaupt nicht, wovon Sie reden. Ganz ehrlich!«
»Ach, lügen Sie doch nicht noch herum. Sie machen es damit nur schlimmer. Ich weiß genau, was da oben los ist! Hab doch schließlich Ohren. Seit zwei Tagen plätschert es ganz vernehmlich in Ihrem Schlafzimmer, Herr Brossmann. – Leugnen ist zwecklos. Ich weiß doch, wie es klingt, wenn jemand eine Schampusflasche nach der anderen aufmacht und die Gläser füllt.« Jetzt hatte sich Herr Mens in Fahrt geredet. »Woher, bitte sehr, haben Sie die vielen Flaschen? Von mir jedenfalls nicht! Und kommen Sie mir bitte nicht mit fadenscheinigen Ausflüchten. Es hat nicht geregnet. Die Dachrinne kann es nicht sein. In Ihrem Schlafzimmer plätschern Bier, Wein und Sekt, Sie fremd gehender Partyhengst, Sie Westentaschen-Casanova!«
Noch während ich verdutzt über seine Klage sinnierte, fügte Mens hinzu: »Am meisten kränkt, dass Sie mir, Ihrem langjährigen Freund, dem stets zuverlässigen Hüter Ihrer flüssigen Schätze, nicht reinen Wein eingeschenkt haben.« Mit diesen Worten verfiel er erneut in ein verstimmtes Brummen.

Ich starrte Herrn Mens an. Ein Schluck Bier brachte die Räder hinter meiner Stirne ins Tickern. Als ich dann urplötzlich die Zusammenhänge erkannte, konnte ich nicht anders: ich brach in schallendes Gelächter aus.
»Herr Mens, ich leugne nicht, dass es plätschert unter dem Dach. Doch handelt es sich mitnichten um Bier, Wein, oder gar Champagner. Nein, noch nicht einmal Mineralwasser plätschert dort oben.«

Urplötzlich verstummte Herr Mens. Zumindest hörte er mir jetzt zu. »Was Sie hören, mein lieber Herr Mens, ist schlicht und einfach unser neues Wasserbett

Alles über Herrn Mens und mich:
Herr Mens und das blaue Grün (9.10.09)
Herr Mens und die Schwarzen Löcher (25.3.09)
Die Kompetenz des Herrn Mens (28.9.08)
Herr Mens und die Made in China (13.5.08)
Herr Mens geht unter Leute (13.11.07)
Herr Mens ist der Kühl-Killer (30.10.06)
Herr Mens hat mitgezählt (10.7.06)
Herr Mens zieht um (18.4.06)
Herr Mens in der Servicewüste (23.6.05)
Herr Mens schielt nach Rom (25.4.05)
Herr Mens und die Pfaffentittchen (10.12.04)
Herr Mens hört Plätschern unterm Dach
(31.3.04)
Herr Mens ist eingeschnappt (17.12.03)

UB

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