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Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Dienstag, 9.11.2004

Eingerollte Lebensläufe

Nachdem sich gestern einer der hoch geschätzten Nachbarn mit Hilfe schwerer Waffen einer an mich gerichteten Versandlieferung bemächtigen wollte *, ist es wohl an der Zeit, mir Gedanken über den Paketlebenslauf beim DPD zu machen.

Wie bereits schriftlich festgehalten, ist der Service sehr löblich, den DPD seiner Kundschaft anbietet. Den Stand der Auslieferung eines Paketes im Detail auf einer Webseite verfolgen zu können, hat durchaus etwas Tröstliches. Andererseits kann ich es mir nicht verkneifen, auf den ganz speziellen Informationsgehalt des Dienstes für deutschsprachige Nutzer hinzuweisen. Im Titel dieses Eintrages klang es bereits an: wenn die Seitenüberschrift vom englischen Parcel Life Cycle in »Paketlebenslauf« übersetzt wird, so ist das hoffentlich nicht auf Kristofs Attacke mit der Bazooka zurückzuführen.

Richtig lustig wird es, wenn das Transportgut tatsächlich mit DPD unterwegs ist. Vernünftig bleibt die Übersetzung zwar noch, wenn eine Lieferung im Verteilerzentrum ankommt. Dann spricht die englische Seite von inbound, die deutsche von »Eingang«. – Keine Einwände, euer Ehren!
 
Screenshot DPD DELIStrack (deutsch)

Doch angesichts der englischsprachigen Abholung – pick-up – von »Einrollung« zu sprechen, kann man noch nicht einmal mit der neuen deutschen Rechtschreibung verteidigen. In der Fortsetzung darf zumindest als konsequent gelten, von »Ausrollung« zu sprechen, wenn im Englischen die Ware out for delivery, also unterwegs zum Empfänger ist. Offensichtlich sind der Deutsche Paketdienst und seine Kunden zu Opfern der Globalisierung geworden.

Trotzdem ist das Paket mittlerweile im ganzen Stück und offenbar ohne Schaden angekommen (auch wenn die inliegende Gerätschaft wirklich sehr flach ist). Bestätigt hat dies durch Unterschrift meine Nachbarin im echten Leben, die den Zusteller vor dem sicheren Hungertod während der Belagerung unserer Festung bewahrte. Die Panzerfaust des Netznachbarn kam glücklicherweise nicht zum Zuge, und ich verabschiede mich glücklich mit der unilateral linksseitigen Einrollung meines Augapfels in das nach unten gezogene obere Lid:

Bis zur kommenden Ausrollung von Text im Lebenslauf dieses Journals!

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1100006601

Kommentare

Mikey [@], 9.11.2004 um 15:38 h:

Einrollung ist mir neu, aber Ausrollung ist in der deutschen Speditionsbranche der übliche Begriff für Sendungen in der Zustellung zum Kunden. Insofern ist wohl eher die Einrollung konsequent, wenn auch mißlungen. Der bessere Begriff dafür lautet Einspeisung.

Ulf, 9.11.2004 um 20:03 h:

Ich staune, Mikey. – Da es sich jedoch um eine Kundenseite handelt, halte ich jedweden Branchenjargon für verfehlt. Wenn der Empfänger versucht zu erfahren, wo sein Paket in Herrgotts Namen steckt, dann wäre er auch mit »Einspeisung« nicht eben gut bedient.
Ich persönlich hielte sehr viel von »Versandabholung« und »Kunden(be)lieferung«. Oder meinetwegen kürzer »Abholung« und »Auslieferung«. Darunter kann man sich etwas vorstellen.

Davon abgesehen ist es ein Irrglaube, man könne im Deutschen aus jedem Tätigkeits- ein Hauptwort bilden, indem man die Endung -ung an den Wortstamm anhängt und den ersten Buchstaben groß schreibt. Eine »Scannung« gibt es nicht; die »Ausrollung« ebensowenig. Bestenfalls hätte DPD für St. Ingbert und Raunheim als Überschrift noch »Ortung« wählen können ;o)

Jürgen R. Plasser [@], 9.11.2004 um 22:15 h:

Das dürfte Standardjargon der Branche sein, denn ich habe die Rollungen schon öfters gelesen.

In der IT-Branche gibt es auch das Roll-Out, keine Ahnung ob das hier synonym verwendet wird, denkbar ist es aber.

Claus, 10.11.2004 um 14:09 h:

DPD ist schon was feines. Nich nur billiger und zuverlässiger als die Post, man kann sogar mir der Sendungsverfolgung die Unterschrift des Warenempfängers (gescannt) erhalten. TNT ist ähnlich komfortabel.

Stückgutspeditionen bieten ähnliches leider gar nicht. Sehr nervig, wenn man beruflich ständig Ersatzteile versenden muss und heulenden Kunden erklären soll, wann die Sendung eintrifft bzw. wo sie den nun wohl bleibt...

Hallvard, 4.5.2006 um 15:16 h:

Hallo!

Habe gerade Bekantschaft mit DPDs "DELIStrack" gemacht und bin auch auf "Ein- und Ausrollung" gestoßen. Das gab Anlas einen Eintrag bei Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Einrollung) zu machen, in dem ich auf Deinen Artikel verlinkt habe. Hoffe, das war in Deinem Sinne.

MfG
Hallvard

Link zu diesem Kommentar Jens, 12.1.2007 um 18:00 h:

Hui, ich hab auch eine Einrollung im Lebenslauf meines neuen Nintendo Wii bekommen - danach folgte prompt eine Konsolidierung. Zuerst hatte ich ja schon Angst, denn eine Definition davon ist lt. Wikipedia "das Zusammenwachsen von Knochen nach Frakturen (Brüchen) oder von Wunden" - hatte die Einrollung meiner Sendung so zugesetzt? Weiteres Suchen auf der Seite brachte Erleichterung: "Im Rahmen der Logistik ist Konsolidierung die Zusammenfassung von Ladeeinheiten." Scheint also noch alles ganz zu sein...

fwoerndle?

Link zu diesem Kommentar fwoerndle, 7.6.2007 um 15:57 h:

Hallo, alle haben recht - aber was sagt der Duden dazu? Ein Großteil der Rechtschreibreform ("die allerneueste") hatte ja das Ziel, durch radikale getrennt Schreibung (wie hier) die Anzahl der im Duden abzuhandelnden Worte zu reduzieren. "Radfahren" muß nicht mehr im Duden stehen, weil "Rad" und "fahren" schon drinnen stehen. Und jetzt beginnen ganze Branchen ihren spezifischen Jargon noch in Umlauf zu bringen. Na serwas!

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