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Freitag, 12.11.2004

Wäre Arafat Deutscher gewesen

Jetzt ist das Spektakel – Allah sei's getrommel und gepfiffen – endlich vorüber. Allerorten wurde berichtet, Jassir Arafats Leichnam sei »begleitet von tumultartigen Szenen« im Hof seines Hauptquartiers begraben worden, in Erde vom Tempelberg in Jerusalem. Im Nachspann zu all dem Getue um einen prominenten Revolutionär, Guerrillero und Terroristen fällt mir auf, wie nachlässig der Mensch mit der Planung seines Ablebens umgeht.

Wäre Jassir Arafat Deutscher gewesen – ich meine: wäre ein wenig deutsches Blut, vermengt mit einem Minimum an Beamten- und Vorsorgementalität durch seine Adern geflossen, dann hätte er wohl schon dem Hickhack um Modalität und Zeitpunkt seines Ablebens präventiv Einhalt geboten; zum Beispiel durch rechtskräftige Hinterlegung einer Patientenverfügung. Eine Risikolebensversicherung hätte der Mann eventuell auch abgeschlossen. Obwohl, wer hätte Arafat schon eine Police ausgestellt? – Letztlich hat er sie ja auch nicht gebraucht. Wer neunhundert Millionen auf dem Konto stehen hat, ist ohnehin gut versichert. Da ist es schon beinahe egal, in welcher Währung der genannte Betrag zu verstehen ist.

Aber wenigstens um die Handhabung der Aktivitäten direkt nach seinem Ableben hätte er sich ein bisschen besser kümmern können, der Jassir. Allein im Eigeninteressen. Wer schätzt es schon, unter dem Pflaster eines öffentlichen Hofes verscharrt zu werden? Selbst mit der vagen Aussicht, eines Tages wieder ausgegraben und nach Jerusalem verlegt zu werden?

Ich selbst hätte schon eigene Vorstellungen bezüglich der Verklappung meiner Gebeine. Die gängige Praxis entspricht nicht dem, was ich mir wünschte. Ich will nicht in eine Kiste verpackt und ins Jenseits versandt werden. Ich bin doch kein Ebay-Artikel!
Überhaupt sind mir Friedhöfe ein Gräuel. Nicht weil es mir zu leicht gruselte, vielmehr wegen der horrenden Mieten. Die geplagte Nachkommenschaft fühlt sich womöglich verpflichtet, mir mein Quartier für die Ewigkeit auf ein paar Jahrzehnte hinweg zu sichern, und zahlt und zahlt und zahlt …
Läge mir mehr am Nautischen, so könnte ich mich vielleicht für eine Seebestattung erwärmen. Selbst wenn es ein kühles Grab wäre, das da auf mich wartete. Da ich aber mein Augenmerk kaum nach Back- oder Steuerbord richte, wäre es mir schon lieber, auch nach meinem Dahinscheiden festen Boden unter beiden Beinen zu spüren. Recht interessant finde ich die moderne Variante der Friedwälder. So könnte ich mir dereinst mein Begräbnis vorstellen:
 
Friede meiner Asche

Allerdings könnte mir der Kerl mit dem weißen Kragen ruhig von der Pelle bleiben. Obwohl ich befürchte, dass »man« ihn mir nicht ersparen würde. Aber das ist ein anderes Thema.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1100275720

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