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Mittwoch, 22.12.2004

Geist ist geil

Blank ziehen für Bildung

Nicht schlecht gestaunt habe ich, als die letzte Ausgabe von Töchterchens Schulzeitung bei uns auf dem Tisch lag. Der Titel war dem allerersten Abiturjahrgang ihrer noch recht jungen Schule gewidmet. Auf dem Umschlag prangte die Überschrift: »Wir haben unser letztes Hemd gegeben!« - Darunter waren die sieben AbiturientInnen oben ohne vor dem Schulgebäude abgebildet.

Ganz schön frech, dachte ich und klopfte jedem einzelnen der Wagemutigen im Geiste auf die Schulter. Da werden im Hintergrund sicher wieder einmal die Grabenkämpfe um Erlaubtes und Gebotenes ausbrechen. Das ist mir dann doch ein extrabreites Grinsen wert. Andererseits aber sind solche Auftritte ja längst kalter Kaffee.

Studium in BremenAn den Universitäten Deutschlands wird mit der blanken Haut der Studentinnen und Studenten bereits seit ein paar Jahren gutes Geld verdient, das nicht etwa zur Aufbesserung von WG-Haushaltskassen dient, sondern in Bildung investiert wird. Vorgemacht hatte es die Uni Bremen, nachgezogen haben Deggendorf und jüngst auch Bamberg. Mindestens an diesen drei Unis ließen sich Studierende als Aktmodelle ablichten, mit den Fotos wurden Bildkalender produziert: »Ausgezogen für eine bessere Bildung«; der Erlös aus dem Verkauf der Aktkalender sollte Einrichtungen an den Hochschulen zu Gute kommen. Die fränkische Uni jedoch lehnte die Finanzspritze ab, wie es heißt. – Kalte Füße wegen heißer Haut?

Ich weiß nicht, ob sich das darbende deutsche Bildungswesen solch hohe moralische Messlatten leisten kann. Natürlich kann man sich über die Brüstung des Elfenbeinturms lehnen und dem gemeinen Volk zurufen, man wolle sich nicht an der Kommerzialisierung des nackten Körpers bereichern. Sex sells, das wissen inzwischen sogar die Mitschüler meiner Tochter.
Es mag abgeschmackt sein, deutschen PS-Proleten betont dicke Edelstahlauspuffrohre über nackte Titten zu verkaufen. Auch die Aktkalender der Studenten verkaufen sich gut. Es ist aber durchaus ein Unterschied zwischen Marketingstrategie des Autozubehörhandels und einer Initiative von Lernwilligen zu erkennen, die den immer dramatischeren Geldmangel im Bildungssystem durch Körpereinsatz abzufedern versuchen.

Außerdem, das sei noch am Rande notiert, haben die Jungs und Mädels sicher viel Spaß an der Sache gehabt. Ist schließlich nicht schlecht fürs Ego, als Aktmodell beim Dekan an der Wand zu hängen. Bleibt zu hoffen, dass etwa die »Students inside« aus Deggendorfer den Gewinn aus dem Kalenderverkauf auch wirklich behalten dürfen und nicht an einen gewinnhungrigen Chiphersteller abtreten müssen.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1103714756

Kommentare

Kristof, 22.12.2004 um 17:36 h:

Ach, schon wieder ein Kommentar verloren gegangen. Wohlan:

"Nett anzuschauen" habe ich wohl geschrieben. Oder so.

Ulf, 22.12.2004 um 18:35 h:

Wie jetzt! Was meinst du mit »verloren gegangen«? Ich habe doch gar keinen Spamfilter angelegt. – Sollten etwa die Leitungen im Netz der Netz verstopft sein?

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