Leser seit April 2002
Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Dienstag, 18.1.2005

Unwörter 2004

Alt-Präsident Johannes Rau hob vor fünf Jahren mahnend den Zeigefinger: »Wer sich über die Untaten aus Fremdenfeindlichkeit empört, der darf die Unworte nicht überhören oder gar selber gebrauchen, die viel zu häufig die Runde machen. Unworte bereiten Untaten den Boden.« - Das frisch gekürte Unwort des Jahres 2004 lautet Humankapital.

Ich darf an dieser Stelle beiläufig der aktuellen Auswahl applaudieren, selbst wenn ich im ersten Anlauf dem fiesen Begrüßungszentrum den Vorzug gegeben hätte, mit dem Otto Schily Auffanglager für Asylbewerber betitelte. Sehr gut gefielen mir auch die Vorschläge Armutsgewöhnungszuschlag und Rettungsfolter. Wie präzise sich doch die deutsche Sprache verwenden lässt, wenn es um das Formulieren von Befindlichkeiten geht!

Letztlich hat mich das »Humankapital« überzeugt. Ich pflichte der Jury bei, da auch ich die immer häufiger anzutreffende, herabwürdigende Versachlichung von Menschen für gefährlich halte. Seit ein paar Jahren schon stoße ich mich am Umfirmieren der guten alten Personalabteilung in Human Resources.

Unwörter seit 1991:
2003: Tätervolk
2002: Ich-AG
2001: Gotteskrieger
2000: national befreite Zone
1999: Kollateralschaden
1998: sozialverträgliches Frühableben
1997: Wohlstandsmüll
1996: Rentnerschwemme
1995: Diätenanpassung
1994: Peanuts
1993: Überfremdung
1992: ethnische Säuberung
1991: Ausländerfrei

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1106061691

Kommentare

Nachtrag von Ulf, 18.1.2005 um 7:50 h:

Auch sehr umfassende Seite zu deutschsprachigen Unwortungetümen, die zum Teil längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind: UmWORTUNG (allerdings: Flashalarm!)

Christian, 18.1.2005 um 17:00 h:

Mal ehrlich, es gibt doch gar keine Un-Wörter, genausowenig wie es Un-Kräuter, Un- Geziefer oder Un-Taten gibt, es steckt doch immer das dahinter was es beschreibt, Gesinnung, Gefühl oder (Vor)Urteil von dem der es benutzt.

Ulf, 18.1.2005 um 20:04 h:

Zumindest drückt in allen deinen Beispielen die Vorsilbe »Un« den negativen Beigeschmack aus, der jeweils dem Grundwort anhaftet. Außerdem gilt es als angebracht, all diese Un-Holde auszumerzen.

Etwas präziser gibt sich die englischsprachige Schwesterseite der Unwörter mit ihrem Doublespeak Award, der an öffentliche Redner geht, die »Sprache verwenden, die grob irreführend, ausweichend, beschönigend, verwirrend oder egozentrisch ist«. — Aber sollten wir deshalb den Ausdruck Doppelsprech an Stelle des Unwortes verwenden?

Christian, 19.1.2005 um 9:12 h:

Doppelsprech ...die Indianer sagen wohl doppelzüngig ... heißt wohl das eine sagen und das andere meinen. Doppeldeutig = eindeutig zweideutig, prima, trifft es genau. Wenn man gelernt hätte, genau zuzuhören, wäre mancher Sinn einer Rede schnell erkannt, so aber lassen wir uns von Worten berieseln, deren Sinn wir uns in eigenem gefallen interpretieren.
Wollt ihr den totalen Krieg? Na klar doch ...betrifft ja nur die anderen

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