Leser seit April 2002
Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Freitag, 4.2.2005

Worte zum Wochenende

Ich habe einen Traum

Es gibt Menschen, die auf die Frage nach ihrem persönlichen Traum Sätze sagen wie: »Einen Traum aussprechen heißt, ihn nicht ernst zu nehmen. Einen Traum auszusprechen heißt, ihn um seine Traumdimension zu bringen.« Mit solch federleichten Erkenntnissen füllt die französische Dramatikerin, Schriftstellerin und Schauspielerin Yasmina Reza mühelos eine viertel Seite der Rubrik Leben in der Zeit. 1.058 Wörter über nicht aussprechbare Träume habe ich gezählt. Ich wünschte, mir würden auch Bonmots einfallen, wenn mich Institutionen wie die Zeit nach meinen Träumen befragten. Dass derlei mir schwerlich in den Sinn käme, ist wohl der Grund, weshalb ich gar nicht erst gefragt werde.

Yasmina Reza hat (k)einen TraumEs könnte auch daran liegen, dass man Tochter einer bulgarischen Violinistin und eines iranischen Geschäftsmannes sein und in Paris leben muss, um zu ähnlich geistreichen Antworten in der Lage zu sein. Mit einer vergleichbaren Lebensgeschichte kann ich nicht aufwarten. Dieses Manko aber versetzt mich in die glückliche Lage, nicht nach der perfekten Antwort forschen zu müssen. Vielmehr kann sich ein Niemand durchaus erlauben, ins Blaue hinein zu träumen und auch darüber zu schreiben.

Beispielsweise könnte ich die geneigte Leserschaft mit meinem Traum von einer gerechten Welt langweilen. Von einer Welt ohne Armut und sozialem Gefälle. Ohne Arme und Reiche, ohne Hunger, ohne Ohnmacht angesichts übermächtiger Seilschaften in Regierungen und anderen bestimmenden Organen. Von einer Welt ohne Potentaten wie Berlusconi, Bush und Putin. Ein Traum wäre das allemal, vielleicht am Ende aber gar ein Albtraum? Würde es mich glücklich machen, Gleichheit für alle Menschen erreicht zu sehen? Wäre das nicht vielmehr eine furchtbare Welt der überall Gleichen, der Abziehbilder? Alles eins von Grön- bis Feuerland?
Nein, da ist es mir lieber, die Welt bleibt wie sie ist. Auch wenn ich wohl weiß, dass es grausam ist, so zu denken. Ich bleibe trotzdem dabei, obwohl mir bewusst ist, dass das Schicksal so wie jeden anderen auch mich einmal hart treffen könnte.

Es ist besser, ich schwäche mein Traumbild ab. Wenn nicht von Gerechtigkeit, dann will ich von Besonnenheit träumen. Davon, dass die Mächtigen dieser Welt von ihrer sturen Geradlinigkeit abrücken, dass sie auch einmal Gegenargumente gelten lassen, ein Einsehen haben. Dann bräuchte es gar keine Unterschriften unter Kyoto-Protokollen. Es bräuchte keine biometrischen Merkmale auf Ausweisdokumenten. Es bräuchte auch keine Erinnerung an Ethik und Moral.

Ein schöner Traum ist das. Doch an dieser Stelle schließt sich der Kreis. Ich bin wieder bei Yasmina Reza und ihren Einsichten angelangt: Die Erfüllung eines Wunschtraumes kann man erhoffen; erwarten darf man sie nicht.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1107543601

Kommentare

Kristof, 6.2.2005 um 9:33 h:

Ja, schöne Träume sind das von einer besseren Welt. Aber träumst du tatsächlich nachts davon?

Ulf, 6.2.2005 um 12:17 h:

Natürlich nicht. Oder doch? Ich habe keinen blassen Schimmer davon, ob ich nachts träume, geschweige denn davon, worüber ich träumte, wenn ich denn träume.

Ulf Wucherpfennig [@], 6.2.2005 um 21:31 h:

ich träume manchmal vom Programmieren,

- welche Variablen sind wofür
- wieso geht das nicht mit Netscape
...

ich habe Dich in die Ulflinkliste mit reingenommen (www.ulfonline.de)

PS.:Träumen ist etwas wundervolles, irgenwie geht das sowieso nie in Erfüllung! Aber ein schöner Traum ist etwas, wo man mit einem glücklichen Gesicht morgens aufsteht und dann den alltäglichem Job (im Büro oder dieser Knochenjob auf dem Bau {man wird halt nur ausgelaugt}) besser hinkriegt, weil man auf den nächsten Traum (geil) ist.

Ulf

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