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Montag, 7.2.2005

Die Hausaufgabe

Dramolett in einem Akt

Ort der Handlung: ein ruhiges, deutsches Wohnzimmer, erfüllt vom Duft frisch gebrühten, spanischen Kaffees, Zeitungsrascheln im Hintergrund.
Personen in der Reihenfolge ihrer Auftritte: 1. Die beste aller Ehefrauen, 2. Manolo Sturmdrang, 3. Diverse Statisten.

Durchaus wohlwollend betrachtet die beste aller Ehefrauen ihren jugendlichen Sohn Manolo Sturmdrang, der ein wenig ziellos, aber erfüllt von Tatendrang das Wohnzimmer durchstreift. Mit ruhiger Stimme beginnt sie den Dialog.
BaE: »Denk daran, dass du noch Hausaufgaben aus der vergangenen Woche nachmachen musst.«
MS: (in verzweifeltem Tonfall) »Nein, muss ich nicht!«
BaE: »Doch, sonst bekommst du am Montag Ärger in der Schule.«
MS: (in leicht hysterischer Klangfärbung) »Nein, krieg' ich nicht!«
BaE: »Ich schreibe dir keine Entschuldigung.«
MS: (deutlich aufsässig) »Brauchst du nicht!«
BaE: »Du gehst am Montag in die Schule. Erinnere dich daran, was die Lehrerin gesagt hat.«
MS: (mit zornbebender, sich überschlagender Stimme) »Nein, ich geh' nicht in die Schule! Nie mehr! Und überhaupt geh' ich jetzt in mein Zimmer und komm' nie mehr heraus!«
Abgang MS, stampfenden Schrittes die Wohnzimmertüre aufreißend und hinter sich mit größtmöglicher Wucht zuschlagend, um seiner Empörung gebührenden Ausdruck zu verleihen.

Wohnen mit WeinKlirr! Die über dreißig Jahre alte Verglasung der Türe hält dem jugendlichen Gewaltausbruch nicht stand. Längst spröder Kitt ist nicht mehr in der Lage, die negative Beschleunigung zu dämpfen. Splitterkaskaden regnen in den Hausflur, dem davoneilenden Täter ins Genick. Der macht Halt und Kehrt. Entsetzen steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Rums! Im Obergeschoß werden mehrere Türen durch zeitgleiches Klinkendrücken und Dagegenwerfen beschleunigter Körper aufgesprengt und knallen gegen Wände. »Was ist passiert?« Vielstimmig wispernd drängt neugieriger Katastrophenmob die Treppe herab, um sich an der Darbietung zu delektieren. MS bricht in Tränen aus.

Zu diesem Anlass möchte ich unbedingt darauf aufmerksam machen, dass die an sich bereits ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnisse eines Farnese Sangiovese und ebenso eines Palacio de La Vega Crianza Cabernet-Sauvignon Tempranillo noch einmal um ein Quäntchen steigerungsfähig sind, wenn man die Transportkartons der Weine im Zuge wärmedämmender Maßnahmen zu provisorischen und durchaus dekorativen Türblattfüllungen verarbeitet.

P.S.: Die kurz angesprochene Hausaufgabe hat Manolo Sturmdrang dann doch noch am gleichen Tag nachgeholt.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1107795601

Kommentare

Kristof, 7.2.2005 um 21:29 h:

Haha. Sowieso fahrlässig, Scheiben in Jugendtüren. :-)

Ulf, 7.2.2005 um 22:03 h:

Wie jetzt? Was heißt hier »Jugendtüren«? My Wohnzimmer is my castle! Oder besser: was my castle.

vasili, 8.2.2005 um 8:07 h:

ein castle mit glastüren, das musste ja schiefgehen. man sollte beim festungsbau nicht an den falschen stellen sparen! ;-)

van, 8.2.2005 um 15:58 h:

scheint so, als wäre der montag allgemeiner teenager-schlachten-tag gewesen.. ;)

Ulf, 8.2.2005 um 20:31 h:

@vasili: Ich werde deinen Ratschlag auf jeden Fall für mein eigenes Wohnprojekt beherzigen.

@van: Mein Glascastle ging schon am Wochenende zu Bruch. Am Montag gab es nichts mehr zu zerstören. Bei euch war gestern der Tag der Tage?

van, 8.2.2005 um 20:51 h:

jepp.. gestern wurde wieder eine schlacht geschlagen.. mit allem, was so zu einer klassischen schlacht gehört: der ruhe vor dem sturm & dem anschliessenden gefecht nach allen regeln der kunst.. am ende stellte es sich als reinigendes gewitter heraus, bei dem beide federn lassen mussten.. c'est la vie..

Ulf, 8.2.2005 um 23:00 h:

Ja, die reinigenden Gewitter sind es, die erst die Schlacht schlagenswert machen. Um den Federverlust verkraften zu können, empfiehlt es sich, stets einen ausreichenden Vorrat an leeren Weinkartons bereit zu halten. Oder wäre da gar der Wein selbst besser geeignet?

van, 9.2.2005 um 7:26 h:

wein wäre natürlich kurzfristig die bessere alternative für eine von beiden gewesen.. statt dessen haben wir uns gemeinsam auf physik & die berechnung von schallwellen in hertz gestürzt.. & somit schon mal ansatzweise den gemeinsam gefassten entschluss, wieder mehr zeit miteinander zu verbringen (auch zum reden, tratschen, shoppen, spielen..), erfüllt..

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