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Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Donnerstag, 10.2.2005

Music Five

Der klingende Kettenbrief

Natürlich sind traumatische Erlebnisse in meiner frühen Kindheit dafür verantwortlich, dass ich Kettenbriefen misstraue. Wo sind die versprochenen 46.656 Ansichtskarten aus aller Welt abgeblieben, die ich vor fast vier Jahrzehnten vergebens in unserem Briefkasten suchte? Wo sind die gut zwei Millionen Deutschmark, mit denen mich mein bester Freund und Cousin einige Jahre später köderte, als er mich auf Knien anflehte, ihm eines seiner drei Briefchen mit dem Aufdruck »Amerikanisches Roulette« im Wert von fünfzig Mark abzukaufen? Das Fehlen befriedigender Antworten auf solche Fragen erlaubt es mir, mit Fug und Recht zu sagen: »Ich hasse Kettenbriefe!«

Der klingende Kettenbrief aber ist etwas ganz anderes. Es geht weder um Postkarten-, noch um Geldsegen. Mit dem Schneeballprinzip hat die Angelegenheit nur insofern zu tun, als dass es der publizistische Anstand verbietet, ungebeten Antworten auf die fünf Fragen zu geben, sondern vielmehr geduldig darauf zu warten, zu einem der geladenen Teilnehmer zu werden, deren Anzahl sich mit jeder Runde verdreifacht. Theoretisch.

Den Türstehern unter der Leserschaft lege ich also brav meine Eintrittskarte vor, bedanke mich artig bei meiner Gastgeberin und schreite direkt ans Büffet zur Beantwortung der Music Five:

1. Wieviele gigantische Bytes an Musik sind auf deinem Computer gespeichert?
Das fängt ja schon gut an. Ich gestehe, dass auf keiner der Festplatten meiner verschiedenen Rechner auch nur ein Halbbyte Musik abgelegt ist. Im Büro is' nicht wegen a) Dauertelefonierens und b) Ermangelung einer Soundkarte, im Auto und zu Hause laufen pausenlos die CD-Spieler, und für sonstige Anlässe hatte ich mir eigens diesen MP3-Stick zugelegt. Warum auch auf dem keine Musik bytet, das ist eine andere Geschichte.

2. Die letzte CD, die du gekauft hast, ist:
… schon ein ganze Weile her. Aber ich erinnere mich noch sehr gut. Es war Grace Slicks Manhole, von der der einzige der fünf Songs unter Frage vier stammt, der garantiert unter allen Voraussetzungen und Stimmungslagen dort stehen würde. Eine musikalische Erleuchtung!

3. Welches Lied hast du gerade gehört, als dich der Ruf ereilte?
Nichts, nada, niente. — Möglicherweise zirpte noch eine letzte Resonanz des Stunden zuvor gehörten Yesterday's Mistakes von Oi Va Voi am Trommelfell?
Ist man eigentlich total out, wenn man nicht den ganzen lieben langen Tag Musik hört? (Grufties müssen Fragen stellen, um am Ball zu bleiben.)

4. Fünf Lieder, die dir viel bedeuten oder die du oft hörst:
Sehr gut, eine spannende Frage. Ich versuche also, alle störenden Einflüsse und momentane Geschmacksspitzen auszublenden, um mich auf diese speziellen Momente zu besinnen, zu denen in der Erinnerung unweigerlich bestimmte Songs gehören. — »Ommm…«
Ave Maria von Heidemarie Rüttinger (a.k.a. Marie Deutschland),
Bohemian Rhapsody von Queen,
Proud Mary von Ike & Tina Turner,
Theme From The Movie »Manhole« von Grace Slick,
Tusk von Fleetwood Mac.
War doch gar nicht so schwer, auch wenn ich noch zwei oder drei Alternativen parat hätte, bei denen es mir in der Seele schmerzt, sie außen vor lassen zu müssen. Problematischer aber wäre es geworden, hätte man von mir erwartet zu enthüllen, warum ausgerechnet diese Stücke so schwer wiegen.

5. Wem wirfst du dieses Stöckchen zu (3 Personen) und warum?
Nun zum schwierigsten Teil des Fragebogens. Wem darf ich das Brett an den Kopf knallen? Ich wähle die nächste Teilnehmerrunde nach dem gleichen Prinzip aus wie damals, bei den Kettenbriefen meiner Kindheit: Nicht zu nahe dran an mir, damit die Wellen nicht über die eigene Bordwand schwappen, wenn der Kahn absäuft, aber auch nicht so weit weg, dass mich die Adressaten unbekannterweise mit einem Leck-mich bedenken.
Claus, weil man mit ihm prima über Religion diskutieren streiten labern kann und weil sein letzter Musikvorschlag einfach überwältigend war. [Nachtrag: Claus' Music 5]
Joshua, weil ich sowohl seine Schreibe, als auch seine Scheibe mag; und weil er der einzige ist, bei dem ich las, er läse Coetzee.
Liisa, weil wir schon seit ewigen Zeiten nebeneinander her schreiben und es noch nicht zu weiterem gekommen ist als zu sporadischen Kommentaren. [Nachtrag: Liisas Music 5]

Hat es weh getan, das Stöckchen? Muss ja keiner aufheben, wenn er/sie/es nicht will. Niemand verstünde das besser als ich.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1108015201

Kommentare

Liisa, 10.2.2005 um 11:43 h:

Huhu Ulf! Hab mich sehr gefreut von Dir mit Stöckchen beworfen worden zu sein. ;o) Antwort ist da :)

Ach ja, ich hab auch Coetzee gelesen. ;)

kathleen, 10.2.2005 um 17:16 h:

[Ich habe ihn auch gelesen.]

Lieben Dank! Ich denke, wir sollten unsere Musiksammlungen wirklich einmal austauschen. Gegenseitig nicht gegen etwas anderes. Ich finde, wir sind richtig coole alte Säcke. ;))

Ulf, 10.2.2005 um 20:01 h:

Ach du liebes Bisschen, das artet hier ja noch zum Treffpunkt eines Coetzee-Fanclubs aus. Ich muss mich ernsthaft mit dem Gedanken tragen, den Kerl doch auch selbst zu lesen, bevor wir zum Alten-Sack-Musiktausch ansetzen. Sonst bin ich eurer gar nicht würdig.

Kristof, 11.2.2005 um 0:02 h:

Tusk? Sonderbares Stück. Da war ich noch ganz klein und konnte garnicht verstehen, wie man solche Musik machen konnte.

Ulf, 11.2.2005 um 0:20 h:

Tusk. Und überhaupt: Fleetwood Mac. Ich habe unlängst die CD-Version von Rumours bei Amazon bestellt. Rückmeldung nach langem Hin und Her: »nicht mehr verfügbar«.

Geht mir leider mit vielem so. Marie Deutschland, Pawlov's Dog (hallo, Kathleen!) und vor allem White Mansion – alles nicht (mehr?) vorhanden. Derlei persönliche Klassiker liegen auf Vinyl bei mir zu Hauf herum, ebenso wie die alten Kracher etwa von Ike & Tina Turner. Leicht mitgenommen, alles, durch einen Wassereinbruch in unserem Dachgeschoß. Harrend einer längst anstehenden Digitalisierung. — Wann wird das endlich geschehen?

Claus [@], 11.2.2005 um 1:19 h:

Ich habe das Stöckchen auch strahlend aufgenommen.
War eine sehr schöne Überraschung zu später Stunde.
Danke!

Liisa, 11.2.2005 um 10:49 h:

Ganz ruhig bleiben Ulf! ;o) Daß ich Coetzee gelesen habe bedeutet nicht automatisch, daß ich ein "Fan" von ihm bin. Tatsächlich hat er mich nicht überzeugen können. Meiner Ansicht nach entgeht Dir nicht wirklich was, wenn Du ihn nicht liest. So und jetzt können mich die wahren Coetzee-Fans hier steinigen. ;o)

kathleen, 11.2.2005 um 13:11 h:

Wieso, hier hat doch keiner 'Jehova' gesagt?
Mir ging es wie dir, Liisa, nicht überzeugend trifft es. Wie überhaupt mit vielen Nobelpreisträgern der letzten Jahre.

Fleetwood Mac und Stevie Nicks, ULf, da könnte ich vielleicht helfen. Telefonieren oder mailen wir?

Ulf, 11.2.2005 um 22:35 h:

Also ich sehe schon: den Coetzee, den spar ich mir. Man muss schließlich nicht alles gelesen haben. Zumal dann nicht, wenn gleich zwei meiner »Schwestern im Geschmack« Unwetterwarnung aussprechen.

Liisa, 12.2.2005 um 18:07 h:

*lach* ... "Schwestern im Geschmack" gefällt mir!

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