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Mittwoch, 23.2.2005

Heute im Kino

Ein Amerikaner in Mainz

Featuring George »Gene« Bush

Nach seinem Auftritt in Brüssel, über den bereits Kollege Semmel ausführlich berichtete, schaut Cowboy George heute vor der Weiterreise nach Bratislava auf eine Stippvisite in Mainz vorbei. Ein Déjà Vu? Nicht einmal einen Monat ist es her, als Bush zum ersten Mal durch die Innenstadt der Pfalzmetropole zog. Im Gegensatz zum aktuellen Besuch defilierte er damals jedoch ohne Sicherheitsvorkehrungen durch die Straßen von Mainz. Heute schüttelt ganz Deutschland den Kopf über verschweißte Kanaldeckel, Hausarrest für Anwohner, demontierte Briefkästen, gesperrte Autobahnen und Schulfrei --zu Ehren-- zum Schutze des US-Präsidenten.

Rosenmontag: Bushs erster Auftritt 2005 in MainzObgleich die äußeren Umstände der beiden Bush-Auftritte kaum unterschiedlicher sein können, gleichen sich die Körperhaltungen des Pappmaschee-Präsidenten und des Originals in erstaunlicher Weise. Auch der George aus Fleisch und Blut kommt, um die Hosen herunter und sich lieben sich den Hintern küssen zu lassen. Anders lässt sich die Choreografie seines eigenen Auftrittes nach den Besuchen der Vorhut Rice/Rumsfeld nicht interpretieren. Fassen wir die Faktenlage doch noch einmal kurz zusammen:

Was hat uns Herr Bush mitgebracht? Da wäre zunächst einmal das Kyoto-Protokoll. Nach wie vor weigert sich Washington, sich gemeinsam mit dem Rest der Welt dem Kampf gegen ein Kippen des Klimas auf unserem Planeten zu verpflichten. Auch in der Streitfrage um den Internationalen Gerichtshof gibt es keine Annäherung. Hartleibig verweigert Amerika die Anerkennung von Verfahren gegen eigene Staatsangehörige; Rechtssprechung, die für alle anderen Nationen gelten soll, darf nicht auf US-Bürger angewandt werden. Auf der anderen Seite ist der Präsident stocktaub, wenn man ihn auf die nicht artgerechte Haltung von Menschen in Guantánamo anspricht.
Eine derart generalisierte Verweigerungshaltung ist nicht nur unsensibel, egoistisch und überheblich, sondern ganz einfach unverschämt.

Was will Herr Bush von uns? Hilfe. Zunächst einmal Hilfe im Irak. Die Suppe auszulöffeln, die er sich selbst eingebrockt hat, dazu ist er alleine nicht in der Lage. Darüber hinaus braucht er Hilfe gegen den Iran und Syrien. Oder besser gleich gegen die gesamte »Achse des Bösen«. Gelernt hat Herr Bush aus seiner persönlichen Wiederholung des Vietnam-Traumas nichts. Auch die weiterführende »Befriedung« der Ölregionen im Mittleren Osten hätte er längst im Alleingang losgetreten. Da er aber bereits im Irak kein Land mehr sieht, braucht er zu diesem Behufe unbedingt Europas Hilfe.

Also hat Herr Bush seinen Kettenhund Rumsfeld zurückgepfiffen. Der relativierte flugs seine Beleidigungen gegenüber Europa, indem er frech behauptete, die »Alten Europäer« seien eine Fantasie »Old Rumsfelds« gewesen. Haha, selten so gelacht, Rummy!
Außenministerin Rice hat Bush zur Tour des Lächelns auf unserer Seite des Atlanktik antreten lassen; und gleich im Anschluss kommt er selbst herüber, Hände schüttelnd, lächelnd, seinen Cowboy-Charme versprühend.
Wie durch Zufall machen rechtzeitig Zitate aus alten Interviews die Runde, in denen die Party-Vergangenheit des Präsidenten mit Alkohol, Marihuana und Kokain kurz aufblitzt. Ein Mann zum Anfassen, wie niedlich, wer will so einem ernsthaft die Absolution verweigern?

Was kann George W. Bush von uns für sein Possenspiel erwarten? Was ist uns seine unehrliche und berechnende 180-Grad-Wendung wert? Was bekommt er letztlich als Gegenleistung für seinen Besuch mit leeren Händen? Wahrlich, trotz aller moderaten Kommentare meine ich, wir sollten dem zum Kuss dargebotenen Arsch einen kräftigen Tritt verpassen. Dann hätte die alberne Schauspielerei eines untalentierten Schmierendarstellers endlich ein Ende. Wir wären wieder die dummen, alten Europäer und könnten in aller Ruhe unsere Kanaldeckel aufklappen, um die dampfende Kacke ablaufen zu lassen. Das wäre zwar nicht diplomatisch, aber wenigstens ehrlich.

Nachtrag am 24.2.: Sehr zu empfehlen im Zusammenhang mit der zweiten Mainzer Fastnacht ist die Lektüre der Stimmungbilder der Herren Semmel 1, 2, 3 und Quirinus 1, 2, 3.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1109134801

Kommentare

semmel, 23.2.2005 um 12:29 h:

sehr schöner beitrag. danke.

rasim, 23.2.2005 um 15:09 h:

beyninize ediyim mal deynekleri

Quirinus, 24.2.2005 um 15:16 h:

Ich schließe mich mei'm Kollegen Semmel an, meine jedoch eines: Dubya ist talentiert genug, um einen großen Teil westliche Welt an der Nase herumzuführen. Seinen Cowboy-Charme sollten wir nicht unterschätzen.

Quirinus, 24.2.2005 um 15:17 h:

Ich wollt' natürlich schreiben: der westlichen Welt.

Ulf, 25.2.2005 um 0:24 h:

Danke für die Blumen an alle, möglicherweise sogar an Rasim (oder auch nicht, ich verstehe kein Wort). Allerdings, Quirinus, glaube ich nicht, dass George uns, das alte Europa, an der Nase herumführen will. Ich denke, ihm geht die Düse. Und deshalb hat er seine Ghostbushes beauftragt, ein Konzept zur Naseherumführung auszuarbeiten: Neuer Bush, neues Europa, neuer Anfang, neues Glück

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