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Freitag, 9.9.2005

Das Kreuz mit dem Kreuz

Die Trotzwahl

Oder: Warum Frau Dr. Merkel-Kirchhof ein Miesmund ist

Letzthin im Wartezimmer warf ich einen Blick in die aktuelle Wirtschaftswoche. Doch schon beim Vorwort des Chefredakteurs Stefan Baron blieb mir die Luft weg. Da reihten sich pauschal-neoliberale Platitüden wie »ob linke Politik nicht direkt in die Armut führt«, oder gar »wer Sozialismus für eine gute Idee hält, versteht offenkundig nichts von Wirtschaft«. Das ganze Gelabere kann man sogar noch in Barons persönlichen Weblog, beim Black Baron, nachlesen.

Von der Bildzeitung habe ich zwar nichts anderes erwartet als ungedämpfte Stimmungsmache für die Kandidaten der C-Parteien. Aber in den letzten Wochen reihen sich auch ansonsten objektive(re) Blätter ein in die Schar der Kanzlerettenkürer. Andere Springertitel schlossen sich der Meinungs-Bild an, wie nicht anders zu erwarten. Aber sogar die FAZ tut so, als sei Frau Merkels Wahl längst Tatsache.

Langsam, langsam, denk' ich mir. Ho, Brauner, ho! Die Wahlen sind noch nicht gelaufen, weder für, noch gegen die derzeitige Opposition. Doch die Journaille scheint beschwören zu wollen, was ganz einfach geschehen muss. Gebetsmühlenartige Wählerbeeinflussung? Die ganze Aktion gipfelt in den öffentlichen Interpretation des sogenannten TV-Duells zwischen Schröder und der Merkelwürdigen. Obwohl die Mehrzahl der Zuschauer Herrn Schröder als Sieger sahen, schrieb sich die Presse Frau Merkel schön: Sie habe gewonnen, weil sie nicht so schlecht abgeschnitten habe, wie es zu erwarten gewesen sei. Hallo? Derartige Wahrnehmungsverdrehung ist schlechte DDR-Rhetorik: Unsere Kandidatin wurde zweiter Sieger, der Gegner vorletzter!

Gebärdensprache: Frau MiesmundEs reicht jetzt wirklich. Ich habe die Schnauze voll von dem Geschreibe derer, die sich selbst nur zu gerne als repräsentatives Ersatzvolk sehen. Langsam aber sicher macht ihr mich zum Trotzwähler. Der Trotzwähler ist die nächste Stufe nach dem Wechselwähler und dem Wahlmüden. Der Trotzwähler gibt dem Gerhard sein Kreuzchen, auch wenn er den Kerl nicht die Bohne leiden kann, alleine schon, um euch zum Schweigen zu bringen. Selbst wenn er ganz offen oder insgeheim daran gedacht hatte, Frau Merkel einmal eine Chance zu geben. Trotzdem. Ich lass' mich von euch doch nicht herumschubsen!

Kommen wir zu den erfreulichen Aspekten der Bundestagswahl:

1. Die Mimik auf der Grafik oben spiegelt zwar gewissermaßen meine Laune angesichts der bevorstehenden Wahl wider. Dieser Zusammenhang ist jedoch irreführend. Tatsächlich handelt es sich bei dem Bildchen nämlich um eine Darstellung aus dem unterhaltsameren Teil der Wahlvorbereitung. Die Zeit stellte sich die Frage, wie unsere Spitzenpolitiker in der Gebärdensprache der Taubstummen dargestellt werden. Das da oben ist na, wer errät's? »Frau Miesmund«. Wer »Schnabelnase«, »der Dickdünne«, »der Schwanker« und »Aknehaut« sind, kannst du dir auf den Webseiten der Zeit ansehen.

2. Und wenn es dann doch, trotz der Trotzwahl, auf die CDU-Kandidatin hinauslaufen sollte, dann muss in Deutschland die Vielweiberei eingeführt werden. Denn wer, bitteschön, sollte eine deutsche Bundeskanzlerin ernst nehmen, die keinen Bindestrichnamen trägt? Wie bereits von Herrn Kausch im TV-Duell vorgeschlagen, soll Angela ihren Steuerreformer als Zweitfrau heiraten und stilecht treudeutsch unter dem Namen Merkel-Kirchhof in die Geschichte eingehen.

3. Mein Wunschergebnis aber wäre ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden großen Volksparteien. Geradezu diebisch würde ich mich freuen, Herrn Stoiber dabei zuzusehen, wie die Dresdener Wählerschaft zum Nachholtermin das Zünglein an der Waage spielte. Die self-fulfilling prophecy: Gefrustete Ossis als ganz realer Albtraum des Elitebayern entscheiden die Wahl.

Allerliebst. Herrlich. Göttlich.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1126289742

Kommentare

wuestenfloh [@], 12.9.2005 um 11:05 h:

Danke für die Wahlhilfe.

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