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Dienstag, 13.9.2005

Gib Gas!

Spritsparer aufgepasst

Längst ausgiebigst an allen Ecken und Enden inner- und außerhalb des Netzes bejammert: die aktuellen Benzinpreisorgasmen. Der Radiosender meiner Wahl beglückte mich vor ein paar Tagen gar mit einer tagesfüllenden Reportage über die Alternativen zum Saudisprit. Bizarre Träume von raps- oder salatölgetriebenen Fahrzeugen suchten mich seither regelmäßig in den Nächten heim. Schweißgebadet delirierte ich von Pommesfriteusen unter der Motorhaube, die in Reisepausen auf dem Autobahnparkplatz goldgelb gebackene Kartoffelstäbchen aus dem Auspuff plumpsen lassen.

Stehen deutsche Autofahrer etwa kurz vor einer Massenflucht in biologische Antriebsenergien? Sollte dies der Fall sein, dann stehen wir vor einem echten wirtschaftlichen Problem. Denn wer sollte dann Krafteier wie den schnellsten Volkswagen aller Zeiten, einen Bugatti mit tausendundeiner Pferdestärke, einer Höchstgeschwindigkeit von über 400 km/h und einer Tankreichweite von zwölf Minuten bei Vollgas kaufen, der in der Presse als Potenzmonster gebrandmarkt wird?

Seit Sonntagabend ist mir wieder wohler. Kurz vor zehn, an der roten Ampel einer belebten Landstraße machte mir der Fahrer auf der Nebenspur klar, dass Spritsparen nichts mit Biodiesel zu tun hat und keinesfalls den Erwerb eines rasanten Boliden ausschließt:

Mit sonor fauchendem Motor schob sich ein roter Ferrari langsam an die Haltelinie neben mich. Kaum hatte der Wagen angehalten, erstarb das Motorengeräusch. Ein oder zwei Minuten später, als die Ampel von rot auf gelb wechselte, startete der Fahrer seine Rennmaschine blitzschnell und stob mit aufheulendem Triebwerk davon in die Nacht.

Respekt. Deutsche Autofahrer wissen eben, wie man aus der Not eine Tugend machen kann. Es ist genau diese abgeklärte Vernunfthaltung, die mich in Ehrfurcht vor unserem Nationalcharakter erschauern lässt.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1126609663

Kommentare

Kristof, 13.9.2005 um 21:55 h:

Haha. Vielleicht nur ein kurzer Hörsturz deinerseits?

Ulf, 14.9.2005 um 10:20 h:

Von wegen. Ich erkenn' doch das Geräusch eines Anlassers aus Maranello, pah!

Christian, 15.9.2005 um 7:34 h:

Schade nur, dass der Wagen dann beim anlassen wieder mehr verbraucht, als er beim warten einspart hat. Ist doch schon alles getestet worden und bringt nichts. Auch das beschleunigen und rollen lassen ist eher ein Gefahrenpotenzial als eine Ersparnis. Ich fahre deshalb meine Autobahnstandardstrecke mittlerweile im optimalen Drehzahlbereich des Wagens, ca. Tempo 120, spare durch gleichmäßiges und vorausschauendes Fahren etwa 1/2 Tankfüllung und brauche auf den 380 Km nur etwa 20 min länger als sonst. Vorausgesetzt es gibt keinen Stau, denn der macht alles zunichte. Da liegt auch noch das größte Einsparpotential nach meiner Einschätzung, den fließenden Verkehr in der Stadt und auf Fernverbindungen zu schaffen, zu leiten und zu begleiten.

Ulf, 15.9.2005 um 18:59 h:

Wir werden also darauf warten müsen, bis Autos per »Auffahrhilfe« der Einparkhilfe nach vorne endlich ohne Zutun des Fahrers dem Vorausfahrer im angemessenen Tempo folgen. Derweil wird dann auch der ehemalige Fahrzeuglenker auf dem Navibildschirm den Spielfilm gucken können: wie Zugfahren im selbst mitgebrachten Abteil.

Gibt's das schon auf der IAA? Mich erinnert dieses Szenario immer an den Produkthaftungsprozess, den ein Amerikaner gegen einen Hersteller von Wohnmobilen gewonnen hat. Der Kerl hatte den Tempomat gesetzt und war dann nach hinten gegangen, um während der Fahrt 'nen Kaffee aufzusetzen. Wundersamerweise überlebte er den Crash und verklagte den Hersteller, weil in der Gebrauchsanweisung nichts davon stand, dass der Pilot während der Fahrt seinen Platz nicht verlassen dürfe.

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