Leser seit April 2002
Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Dienstag, 20.9.2005

Kinderkram

Der Sandkastenkrieg

Mitten im Sandkasten der Hochhaussiedlung sitzt der kleine Gerd und klopfte beleidigt mit dem Schäufelchen auf seiner Sandburg herum. Das Werkzeug war irgendwann einmal rot, inzwischen ist der Lack aber fast überall abgeblättert. »Wenn ihr nicht mehr mitmachen wollt, dann sucht euch doch einen anderen!«, quengelt Gerd. »Komm schon, die haben das doch nicht so gemeint«, versucht sein bester Freund, der dickliche kleine Joschi, zu beschwichtigen und legt Gerd versöhnlich seine Hand auf die Schulter.

»Doch, doch, genau so haben wir es gemeint«, mäkelt die blonde Geli mit Leichenbittermiene. »Genau!«, pflichtet ihr Ede bei, der am Rand des Sandkastens sitzt, mit seinem großen Eierkopf auf dem dünnen Hälschen wackelt und zur Bestätigung mit seiner Schaufel eine Ladung Sand in Richtung Gerd schnickt. »Ja, genau!«, beeilt sich der pickelige Guido beizupflichten, der gerade neben Geli einen Tunnel buddelt. Auf dem Rücken seines gelben T-Shirts ist eine blaue 18 aufgedruckt. Niemand weiß so recht, wer oder was damit gemeint ist. Aber die großen Jungs machen gerne Scherze über den kleinen Guido und nennen ihn lachend »Mister 18 Zoll«.

»Dann mach's doch besser, du blöde Kuh!« Klein Gerd wirft sein Schäufelchen wütend in Richtung Geli, die diesen eigentlich gar nicht ernst gemeinten Auftrag schnippisch aufnimmt: »Ok, wer macht mit?«

»Iiich!«, krakeelt Gerd zum Erstaunen aller anderen Kinder sofort. »Aber nur, wenn ich der Bestimmer bin.« Geli glotzt Gerd wortlos an. Damit hat sie nicht gerechnet. Zu ihrem Glück springt Guido in die Bresche: »Du Arsch, wie soll die Geli es besser machen, wenn du der Bestimmer bleibst?« »Genau!«, pflichtet Ede bei und schnickt ein weitere Schaufel voll Sand in Richtung Gerd.

Joschi versucht die Situation zu retten und wendet sich an Gregor und Oskar. Die beiden sitzen gegenüber von Ede am anderen Rand des Sandkastens. »Macht ihr bei Gerd mit?«, fragt Joschi. Die beiden Zwillinge mit den roten Haaren sehen sich fragend an. Aber bevor sie antworten können, schreit Gerd schon wieder los: »Nee, nicht die zwei Blödmänner! Die haben doch keine Ahnung, wie man Sandburgen baut.« »Wer hat denn gesagt, dass wir überhaupt mitmachen wollen?« Nun ist Oskar beleidigt und streckt Gerd die Zunge heraus. »Wir bauen unsere eigene Burg. Viel besser als eure.« Zur Bestätigung schaufelt er mit seiner nagelneuen, knallroten Schaufel ein wenig Sand auf sein Bauwerk, das dadurch prompt einstürzt.

»Also ich mach' nicht mit bei Gerd!«, bockt Guido und schielt hoffnungsvoll auf seine Geli. »Genau!«, pflichtet Wackelhals Ede bei und schnickt Sand. Joschi sieht Geli erst ein wenig wehmütig an, dann aber legt er erneut den Arm um die Schultern seines Freundes Gerd. »Und ich mach bei Geli nicht mit«, verkündet er sachlich. »Und wir machen überhaupt nicht mit«, trompeten Gregor und Oskar trotzig im Chor und machen Furzgeräusche mit ihren Zungen.

Den Rest des Sandkastenkrieges erspare ich der geneigten Leserschaft. Sie beinhaltet das Werfen von Sand und Steinchen sowie weitere Tätlichkeiten, die damit enden, dass alle Beteiligten heulend von dannen ziehen, um sich bei den Eltern über die Gemeinheit der Spielkameraden auszulassen.

Am nächsten Morgen stehen Gerd und Geli als erste nebeneinander wieder auf dem Spielplatz. Beide tragen Eimerchen und Schäufelchen mit sich und blicken betreten auf den Sandkasten. Über Nacht haben die großen Jungs aus der Nachbarschaft alle Sandburgen platt getrampelt. Wange an Wange hüllen sich Geli und Gerd in eine alte Schmusedecke. Die ganzen schönen Burgen wieder aufzubauen wird echt fette Arbeit!

Geli und Gerd

Illustration: Smetek für Die Zeit

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1127216472

Kommentare

Christian, 20.9.2005 um 14:06 h:

...und alles nur weil die blöden Wähler nicht so wählen können wollten, wie es die Prognostiker gesagt haben wollten. Dann spielt doch alleine, ihr doooven Wähler, Hauptsache ihr bezahlt...

Ulf, 21.9.2005 um 20:39 h:

Na ja, ich halte das Wahlergebnis für einen deftigeren Denkzettel, als es zum Beispiel eine mickerige Wahlbeteiligung gewesen wäre. Vielleicht verleitet es den einen oder die andere Politiker(in) dann doch dazu, beim nächsten Mal mehr Gehirnschmalz auf Inhalte und Strategien zu verwenden als auf Blendwerk und Bevormundung. Das steht zumindest auf meinem Wunschzettel.

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