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Sonntag, 16.10.2005

Portalfetischismus

Oder: Ein Baukurs für Anfänger

Welche Fetischismen manche Menschen pflegen, ist merkwürdig und manchmal sogar unheimlich. So mancher Referer in den Protokollen, der von Verweisen durch Suchmaschinen herrührt, lässt mich an mir selbst zweifeln. Nur das Wissen um die schlechte Trefferqualität von Analyserobotern lässt mich die Tatsache klaglos hinnehmen, bei Google als Nummer 2 für die Frage nach »Sex mit Nahrungsmitteln« geführt zu werden. Meine geplante Überlegung zu den Themen Moral und Obszönitäten scheiterte an der mickrigen Resonanz meines Aufrufes zur Stellungnahme. (Die wenigen, aber um so lobenswerteren Reaktionen finden sich in den Kommentaren meiner Ankündigung, sowie bei Melody, Monika und Fantaszma.)

Also habe ich beschlossen, mich thematisch auf einen ganz anderen Fetisch zu verlegen. Um einen solchen handelt es sich zweifelsohne. Herr Blei ist zwar schon über siebzig, frönt aber einer Leidenschaft, die extreme Ausmaße angenommen hat. Der Mann steht auf Türen. Hunderte, ach, was sage ich: tausende von Türen hat er in mehreren Lagerstätten in der Ortschaft Ettingshausen in der Nähe von Lich angesammelt und ausgestellt. In Wohnhäusern, Scheunen und ehemaligen Geschäftsräumen stehen die Dinger in mehreren Lagen hinter- und nebeneinander. Große Türen, kleine Türen, Türen aus dem Mittelalter, Klassizismus, Jugendstil, aus Holz, aus Eisen, aus Stahl, schöne Türen, hässliche Türen, restaurierte und halb verfallene Türen. Sogar Gefängnistüren hat er auf Lager. Türen eben. Jede Menge.

Diese oder keine!Herrn Bleis Leidenschaft färbt ab. Während eines mehrstündigen Rundgangs durch seine exquisite Türensammlung begannen die beste aller Ehefrauen und ich heimliche Begehrlichkeit nach einigen seiner Portale zu entwickeln. In der dritten oder vierten Lokation erblickten wir sie schließlich. Es war Liebe auf den ersten Blick; diese oder keine!

Klar ist: das Brett muss in die Hütte. Eine Alternative gibt es nicht. Koste es, was es wolle. Fetisch eben.

Moment mal. Meine Finger gehorchen nicht mehr den Synapsen, tippen in Epilepsie wirren Text auf den Bildschirm. Diesen Satz mit den Kosten dürft ihr nicht wirklich ernst nehmen. Ich auch nicht, vor allen anderen. Denn der gute Herr Blei veranschlagt alles in allem, Türe samt Schließtechnik und Einbau, so um die fünfeinhalbtausend Euronen. Derlei finanzielle Ausreißer verbieten mir erstens meine Bank, zweitens mein Verstand und drittens mein Gefühl für Verhältnismäßigkeit. — No way, alter Junge! Schließlich bist du es, der in letzter Zeit ständig allen anderen vorwirft, nicht rechnen zu können. Keine Angst, ich weiß doch, wo meine Grenzen liegen.

Aber andererseits heißt es, dass man mit 'nem Akkordeon und 'nem Hut in jeder größeren Fußgängerzone ganz gut absahnen kann. — Will sing for a door.

Sie lasen den Baukackblogger
Teil 4 von 7

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1129446001

Kommentare

vasili [@], 17.10.2005 um 8:16 h:

ist aber auch eine wunderschöne tür. vielleicht - wenn iiiiirgendwann the doors (kein link, du weisst schon...) mal der kinderstube entwachsen ist - sollte ich dem mann auch mal einen besuch abstatten.. ;-)

p.s.: den baukackblogger find' ich geil!

p.p.s.: will sing for a door wird nicht funktionieren, will blog for books ging bei mir auch daneben...

Ulf, 17.10.2005 um 10:46 h:

Schade. Deine Eipott-Sammelbüchse ist wohl auch immer noch leer? — Sollte ich jemals diese Tür in unser Haus bekommen, verspreche ich hoch und heilig, dir ein Foto für The Doors zu überlassen.

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