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Montag, 17.10.2005

Roaring Woodstock

Fagott und rasende Schubkarre

Am Wochenende war ich zum ersten mal im Capitol. Bestimmt gibt es Leute, die sich mit Entsetzen abwenden, wenn sie sehen, wie aus einer einst geschändeten Synagoge ein postmodernes Veranstaltungshaus wurde. Mir aber hat's gefallen. Nicht nur die Lokalität, sondern vor allem das Programm der Kleinen Tierschau.

Es fing schon gut an mit der Ansage: »Wir haben unser Programm nicht auf deutsch oder schwäbisch geschrieben, sondern auf Linux.« Und schrill ging es weiter mit Sketchen, untermauert von Swing, Blues, und Rock. Zum ersten Mal aus der Fassung geriet ich, als sich die drei Komödianten als Hillbillies kostümiert die Woodstockhymne von Country Joe McDonald And The Fish anstimmten, allerdings die erste Stimme auf dem Fagott einspielten. Oh, Mann!
Schlag auf Schlag ging es weiter mit süddeutschen Hinterwäldlern, deren o-beinigen Ehefrauen in pinkfarbenen Chanelkostümen, Germanen mit von Elfen bei Vedes geschmiedeten Schwertern, deren Klingen bei drohenden Kalauern zu glühen beginnen sollten.

Die kleinen Tierbeschauer haben ganz offensichtlich ein Faible für Benzinmotoren. Davon zeugten eine Schubkarre, die durch den Twin eines ehemaligen Motorrades angebtrieben wurde, ein Henry-Fonda-Chopper auf Basis einer Vespa (allerdings mit Drei-Meter Gabel) und eine etwa drei Meter lange Kettensäge, zu der die Gruppe den Titel Wild Thing anstimmte auf deutsch umgetextet zu »Baumsäg'«.
Weitere Requisiten des Programmes bestanden in umfunktionierten Baustellenhelmen, die Klopfimpulse an ein elektronisches Schlagzeug weitergaben. Freiwillige »ihr habt doch gewusst, dass das kommen würde!« ließen sich vom Leadsänger als lebendige Drums missbrauchen und klopften sich gar selbst begeistert gegen die Plastikhüte.

Besonders gut kam wohl, dass die beste aller Ehefrauen und ich uns zu Füßen der Bühne an den dort aufgestellten Biertischen niederließen, statt uns im bestuhlten Zuschauerraum niederzulassen. Freibier und Dauerbrezeln steigerten den Programmgenuss, muss ich ehrlich sagen.

Falls ihr also die Möglichkeit habt, Landfunk und Scheunentrash irgendwo, irgendwann zu sehen: Nichts wie hin!

Und noch ein Insidertip: Ihr bekommt bein Einlass ein verpacktes Frischhaltepackerl ausgehändigt. Auch wenn euch der Herr Gaedt, der Mistkerl, dazu auffordert, das Ding aufzureißen; tut es nicht. Den Schweinestallgeruch bekommt ihr nicht mehr weg von den Fingern. Oder aus dem Gesicht? Urks

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1129528801

Kommentare

vasili [@], 17.10.2005 um 22:54 h:

die waren vor einigen monaten hier in der stadt. hab leider erst hinterher davon erfahren...

Ulf, 17.10.2005 um 23:57 h:

Leider. Denn da ist euch echt 'was entgangen. Beim nächsten Mal sofort zuschlagen!

Distel [@], 19.10.2005 um 15:08 h:

Ahhh, da keimt das Heimweh im Exil-Schwaben.
Die Kleine Tierschau im Theaterhaus, lang' ist's her.
Und leider verschlägt es den Trupp in absehbarer Zeit nicht hier in die Gegend.
Aber irgendwo habe ich noch eine alte Kassette von denen. Finde ich bestimmt wieder...
...lieber doof sein, als Gabi heissen...

Ulf, 20.10.2005 um 9:58 h:

Ja, den Dauerbrenner zu (Un-) Ehren ihrer ehemaligen Musiklehrerin haben sie in der Zugabe angestimmt. Den Refrain sollte dann das Publikum mitgröhlen, so verstand ich das der Menge entgegengestreckte Mikro.

Leider, so muss ich sagen, sind hessische Tierschaufans nicht sonderlich textfest. Und ich hatte eh keine Ahnung. Allerdings glaubte ich herauszuhören, dass wir »Doof sein heißt Gabi heißen!« hätten singen sollen. Oder so ähnlich.

vasili [@], 20.10.2005 um 15:43 h:

genau, lieber doof als gabi heissen. das kenn' ich auch.

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