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Montag, 14.11.2005

Selbstzerfleischung

Neue Initiativen aus der Infantilpolitik

Mein Lieblingszitat aus der vergangenen Woche: »Früher in Frankreich hat man Leute, die schlimme Verbrechen begangen haben, geköpft. Ich meine es ernst.« Wer hat sich so geäußert? Nicolas Sarkozy, französischer Innenminister und Freund starker Worte? Nein. Sarkozy stellte zwar fest, man solle doch die Krawallviertel in französischen Vorstädten »mit einer Kärcher-Hochdruckreiningungsmaschine bearbeiten«. Der zitierte, exquisite Exekutivvorschlag aber kam von Herrn Oscar Goodman.

Der Oscar ist Bürgermeister in Las Vegas. Er schlägt vor, gefassten Graffitisprayern zur Strafe vor laufender Kamera den Daumen abzuschneiden. Wie mag der Oscar nur auf diesen Gedanken gekommen sein? Wahrscheinlich hat er sich inspirieren lassen; seit dem gefilmten Mord an Nick Berg im vergangenen Jahr ist es zweifellos in Mode gekommen, politischem Engagement durch extreme Grausamkeit mehr Durchsetzungskraft zu verleihen. Im Wertekontext arabischer Rechtssysteme mag derlei noch verständlich sein. Aber in unseren Breiten?

Schon klar, dem Herrn Schill zum Beispiel hätte Oscars Vorschlag bestimmt auch gefallen. Aber glücklicherweise hat sich der längst selbst aus dem Weg geschnüffelt. Sonst würde es womöglich in Hamburg inzwischen auch so zugehen, wie in Frankreich oder Vegas.

Man muss sich fragen, wie immer wieder Menschen ihren Weg in verantwortungsvolle Positionen finden, die nicht begriffen haben und auch gar nicht begreifen wollen , dass Gewalt nichts anderes als Gegengewalt hervorbringt. Wie die kleinen Kinder sitzen sich irgendwann die Streithähne mit wutverzerrten und tränennassen Gesichtern gegenüber und zeigen sich gegenseitig an: »Aber der da hat angefangen!« »Stimmt ja gar nicht. Er war's!«

Ist es denn noch zu fassen?

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1131986136

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