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Mittwoch, 14.12.2005

Riesenparty in Afrika

Wir wünschen Ihnen ein frohes Herz!

Gestern Abend habe ich die Generalprobe von André Hellers neuster Zirkusshow Afrika! Afrika! besucht, die heute Weltpremiere in Frankfurt feiern und im Anschluss ein Jahr lang durch Deutschlands Großstädte touren wird. Was also kommt nach dem klassischen, deutschen Zirkus, Roncalli, Cirque du Soleil, dem russischen Staatszirkus und chinesischer Schaustellerkunst? So ganz passt Afrika! Afrika! nicht ins bekannte Schema.

Natürlich basiert die Show in logistischer Hinsicht wieder einmal auf den allerletzten Superlativen: Der Zeltpalast, ein Haufen aneinander anschließender Kuppelzelte maurischer Optik, erhebt sich an seiner höchsten Stelle fünfundzwanzig Meter in die Luft höher als alle anderen Zirkuszelte, die Deutschland bisher gesehen hat. Über einhundert afrikanische Künstler und Artisten zeigen den zweitausend Besuchern, was sie auf dem Kasten haben. Und auch preislich gehört die Show in die oberste Schublade: Haarscharf unter der Achtzig-Euro-Marke endet die Skala der Eintrittspreise.

In der Zeltstadt gibt es orientalisch anmutende Cafés, in denen man auf ledernen Sitzkissen an gehämmerten Metalltischen Platz nimmt, eine Kunstgalerie, Stehbereiche und Wandelgänge, die die Inseln untereinander verbinden. Ein sehr gelungenes Ambiente, muss ich sagen; auch wenn am Abend der Generalprobe das Bier aus der Zapfanlage teilweise recht schal schmeckte, die Schaukästen größtenteils noch leer waren und auch die Galerie sehr aufgeräumt wirkte. »Preview-Atmosphäre« nennt man sowas auf neudeutsch wohl.

Ein bisschen Prieview-Feeling boten auch die Auftritte im Rahmen der Show in der Manege. Ein paar (wenige) Hänger, nicht ganz hundertprozentige Synchronisation besonders bei den rasanten Nummern erinnerten daran, dass zu einem perfekten Ablauf eben jede Menge Routine gehört, die der Besucher im besten aller Fälle gar nicht mehr wahrnimmt und nur noch die unglaubliche Perfektion bestaunt.

Jetzt höre ich aber auch schon auf zu mäkeln. Denn die Auftritte der afrikanischen Artisten gehören zum Erfrischendsten, was ich jemals in Zirkusmanegen zu Gesicht bekommen habe. Frappierend ist die unglaubliche, affenartige Geschwindigkeit, mit der die meisten der Darbietungen ablaufen. Wussten Sie schon, dass man selbst mit Esstischen jonglieren kann? Dass es mindestens fifty ways to climb a banana tree and get down again gibt? Dass ein zwar schlanker, aber keineswegs pygmäenhafter Mann sich durchaus durch einen (unbespannten) Tennisschläger zwängen kann?

Ein sehr gelungener Teil der Show ist das Live-Orchester, das das Zirkuszelt mit ganz wundervollen afrikanischen Melodien erfüllt, aber auch völlig konträre Alternativen parat hat. Der artistische Auftritt einer Streetgang wird zum Beispiel begleitet von französischsprachigem Rap. Auch für ein Basketballspiel auf Einrädern hat man die passende Akustik vorbereitet.

Im Ausklang der Vorstellung präsentieren sich noch einmal alle teilnehmenden Künstler und tanzen ausgelassen zu Stevie Wonders Klassiker Sir Duke. Den Song musste das Orchester gestern Abend wegen anhaltenden Applauses des Publikums zweimal hintereinander anstimmen. Hatte damit niemand gerechnet?

»Vielen Dank für Ihren Besuch. Wir wünschen Ihnen ein frohes Herz«, war als Projektion an die Zeltkuppel zum Abschied zu lesen. Dieser Wunsch sei mir Befehl, Afrika! Afrika! hat ganz sicher seinen Teil dazu beigetragen.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1134551638

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