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Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Freitag, 27.1.2006

When in Rome

do as the Romans do

Was bringt einen gestressten Journalschreiber dazu, das wochenlange Schweigen zu brechen? Staunen. Also nicht das Staunen der Besucher des eigenen Cyberhomes über die hier herrschende Schweigsamkeit, sondern das eigene Staunen über eine andere Art von Besuchern.

Ich mag Besucher aus dem Ausland ja gern. Grundsätzlich schon mal. Die müssen sich schon arg daneben benehmen, damit sie ihren Ausländerbonus bei mir verspielen. Sogar die vier Russen, die eine Weile den Nachbartisch in meiner Stammkneipe abonniert zu haben schienen, mochte ich gut leiden. Zwar hatten sie sich sehr bemüht, dem Bild gerecht zu werden, das man sich im Allgemeinen von Russen so macht: Sie konsumierten Alkoholisches in derartigen Mengen, dass ich drauf und dran war zu fragen, wie sie am nächsten Abend schon wieder dort sitzen, wie sie schon wieder ein Bier nach dem anderen trinken und zwischendurch regelmäßig Wodka kippen konnten. Ich verzichtete auf meine Frage, weil es darauf sowieso keine befriedigende Antwort hätte geben können. Aber ich lachte heimlich mit, wenn die vier ihre Witze rissen, die ich zwar nicht verstand, die aber scheinbar ungeheuer lustig waren. Russisch hat einen sehr schönen Klang.

Ich weiß nicht, was meine Russen über Deutsche im Allgemeinen dachten. Sicher ist nur, dass es speziell deutsche Dinge gibt, die ein Russe wohl niemals verstehen wird. Dazu gehören zum Beispiel die Jogger, die abends, wenn die Russen und ich vor einem Bierchen saßen, in Gruppen zu zehnt oder zu zwanzigst durch Kälte und Finsternis an der Kneipe vorbeiliefen. Sprachlich verstanden habe ich zwar nichts von dem, was aus russischer Sicht zu den Joggern anzumerken war. Allein aber dass die vier sich jedesmal hinter dem Kneipenfenster aufbauten und den Joggern mit Bier und Wodkagläsern in der Hand zuprosteten, lässt wenig Spielraum für Interpretationsversuche.

Die Russen habe ich lange nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich sind sie längst in irgendeinem Straßengraben erfroren. Aber gestern hatte die Kneipe Besuch von dreizehn Japanern. Dreizehn schlanke, kleine Männer in dunkelgrauen oder schwarzen Anzügen saßen um einen Tisch, prosteten sich aus Maßkrügen zu, aber vermieden es den ganzen Abend über, auch nur die Sakkos der Anzüge abzulegen.

Sagte ich schon, dass ich Besuch aus dem Ausland liebe?

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1138361470

Kommentare

Claus, 3.2.2006 um 20:36 h:

Sagte ICH schon, dass ich es liebe, wenn ein gestresster Journalschreiber sein wochenlanges Schweigen zu briecht?
MEHR!
;)

Christian, 10.2.2006 um 7:35 h:

Nun lass ihm doch mal den Schönheitsschlaf ... oder ist er etwa in einen neuen Baugraben von seinem Traum gefallen =;-)

Ulf, 10.2.2006 um 9:26 h:

Bis jetzt spring ich zwar noch über alle Baugräben wie Birk Borka zu seinen besten Zeiten. Aber Christian hat leider Recht: Das Haus hat mich fest im Griff, Zeit zur freien Verfügung gibt es nicht mehr; und die Muße, mir über irgendetwas Gedanken zu machen, die es aufzuschreiben lohnte, habe ich auch nicht. Meine Kreativität fließt momentan ab in Profanes wie Fliesenauswahl und Farbgestaltung der Wände. Es gibt für alles seine Zeit.

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