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Mittwoch, 7.6.2006

Zu Gast bei Freunden™

Migrationshintergrund

Ziemlich müde muss ich gestern Abend – oder war das schon heute Morgen? – gewesen sein, als ich beim Ins-Bett-Klettern mit halbem Ohr und Blick den Spätnachrichten auf dem Ersten folgte. Wie beim Hören einer Schallplatte mit Kratzer holperte mein Kleinhirn, sofern überhaupt noch aufnahmefähig, stets über die gleiche Vokabel, die Gabi Bauer, die Sprecherin, in jeden ihrer Sätze irgendwie einbaute. Gebetsmühlenartig. Om mani padme hum, om mani padme hum, om mani padme hum …

»Deutsche mit Migrationshintergrund«. Deutsche mit Migrationshintergrund? Was in aller Welt sind Deutsche mit Migrationshintergrund? — Ausländer mit deutschem Pass? Hatte die Tagesschau eine höhere Stufe der political correctness erklommen und nannte zugezogene Ausländer nur mehr »Deutsche mit Migrationshintergrund«?

Erst das Morgengrauen brachte Licht in mein nächtliches Geheimnis. Frau Bauer sprach von Einwanderern, die entweder selbst aus dem Ausland stammen, oder deren Eltern oder Großeltern Ausländer sind. Laut Mikrozensus trifft das auf 15,3 Millionen Bundesbürger zu. Also, das mal bitte kurz zwischenspeichern: Jeder Fünfte hierzulande ist Ausländer oder stammt aus Ausländerfamilien.

Natürlich gelten diese Herkunftsverhältnisse nicht für die no-go-areas, in denen sich die arischen Windhunde in Rudeln selbst im Wege stehen. Dorthin wird sich so schnell auch kein Ausländer verirren, seit Afrika-Rat und die Internationale Liga für Menschenrechte ihren Maßnahmenkatalog zur Vermeidung rassistischer Angriffe bei Deutschlandbesuchen nicht nur in fünf Sprachversionen im Internet veröffentlichen, sondern auch allen betroffenen Teilnehmernationen direkt zugestellt haben: »Wir raten [...] zu besonderer Vorsicht beim Aufenthalt in Ostdeutschland und Teilen Ostberlins.«

Bei den empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen vermisse ich zwar die von mir unlängst vorgeschlagenen Expertentipps, beglückwünsche aber die beiden Organisationen zu ihrem Mut. Hut ab, das wird sicher wieder Stürme der Entrüstung auslösen.

Warum solche drastischen Warnungen überhaupt notwendig sein müssen, in einem Land, das längst multikulti ist, entzieht sich allerdings meinen Interpretationsversuchen. Jetzt rufe ich die weiter oben zwischengespeicherte Zahl ab: Zwanzig Prozent von uns stammen nicht aus Deutschland, aber Besuchern aus dem Ausland machen wir die Hölle heiß? — Was muss passieren, damit wir den blinden, selbstverstümmelnden Wahnsinn erkennen, der hinter rassistischen Umtrieben steckt? Muss übermorgen ein Ufo mit zyklopischen, grün-wabbeligen Außerirdischen auf dem Anstoßpunkt in München landen und Michael Ballack entführen?

Wahrscheinlich würde nicht einmal das etwas ändern. Aber zumindest aus Sicht von Herrn Ballack gäbe ein solches Ereignis dem Begriff »Migrationshintergrund« eine ganz neue Bedeutung. Und möglicherweise haben die Grünwabbler ja auch ganz andere Möglichkeiten zur Behandlung humaner Waden?

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1149685201

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