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Mittwoch, 5.7.2006

Kindheitstrauma

Als ich nachts fernsehen durfte

Der Mensch neigt dazu, Ereignisse aus der Vergangenheit zu verklären. Deshalb ist sicher ein wenig Vorsicht geboten bei der Schilderung von mutmaßlichen Tatsachen, die fünfunddreißig Jahre zurück liegen. Dennoch glaube ich mich an die beiden ersten Fernsehnächte meines Lebens zu erinnern, als lägen sie gerade ein paar Monate zurück. Meine nächtliche TV-Premiere erlebte ich im Jahr 1969.

1969: Mann im MondMitten in einer Julinacht holte mich mein Vater aus dem Bett, und ich verfolgte verwundert, wie dieser Kerl im Weißwurstanzug in Zeitlupe durch den Mondstaub hopste. Der Größe des Moments entsprechend beeindruckt war ich damals allerdings nicht. Denn zwischen Spielfilm und Dokumentation konnte ich damals noch nicht unterscheiden. Nur eines war mir klar: Was da auf unserem kleinen Schwarzweiß-Fernseher zu sehen war, musste ungeheuer wichtig sein, sonst wäre ich unter keinen Umständen aus dem Bett an den Bildschirm geholt worden. Soviel stand außer Zweifel.

1970: Es müllert vor dem KastenEbenso wenig hegte ich auch nur die geringsten Zweifel an meiner Prognose zum Ergebnis meines zweiten TV-Nachtereignisses. Ein Jahr nach der Mondlandung trat Deutschland gegen Italien im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko an. Für mich stand der Spielausgang vor der Partie unumstößlich fest. Als Pimpf wusste ich natürlich Bescheid:
»Mensch Papa, jetzt spielen wir im Finale gegen Brasilien! Und vielleicht gewinnen wir sogar und werden Weltmeister!« »Nicht so schnell, mein Sohn. Die Italiener sind gefährlich. Gegen die müssen wir erst einmal gewinnen, bevor wir das Endspiel erreichen.«

Die Skepsis meines Vaters konnte ich nicht nachvollziehen. Schließlich verbrachten wir die Pfingstferien jedes Jahr in einem verträumten Ort an der Adria ja, damals gab es noch verträumte Adriadörfer! , und ich konnte den Ortsansäßigen noch nicht einmal ansatzweise Gefährlichkeit attestieren.
So beschaulich, wie es auf den Ländereien der Gräfin Borsotti zuging, deren Landarbeiter rund um die Handvoll an Touristen vermieteter Bungalows gemächlich ihrer Arbeit nachgingen, konnten die italienischen Kicker der deutschen Mannschaft in keinem Fall den Sieg streitig machen.

Nein, das Halbfinale 1970 war längst gegessen, das würde schließlich auch Papa noch einsehen. Bekanntlich kam es dann aber doch anders. Und ich war im Anschluss über Wochen hinweg traumatisiert.

Die Gräfin Borsotti ist inzwischen längst verstorben, ihr Grundbesitz verkauft, der Landsitz an den »grünen Dünen« musste einer gigantischen Tourismusmaschine weichen. Und außerdem haben wir schon wieder gegen Italien im Halbfinale verloren. Zwei Tore der Azzurris in den beiden letzten Minuten der Verlängerung? Trauma reloaded.

Aber wenigstens an der Bedeutung der Mondlandungsnacht kann ich mich jetzt festhalten. Denn den Verdacht einer Inszenierung der NASA-Mission Apollo 11 habe ich persönlich nie gehegt.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1152101334

Kommentare

Andre?

Link zu diesem Kommentar Andre [@], 27.11.2006 um 17:09 h:

Schöne Zusammenstellung, da sind ja wirklich einige sehr wichtige Ereignisse der letzten Jahrzehnte drinnen. Die WM-Spiele sind wohl am legendärsten. Mir fällt das schon auf, wenn man Dokumentationen über den Fernsehr an sich anschaut, meistens sieht man dann als Einbledung die begeisterten WM-Fans aus den 50ern, welche sich die Nase an der Schaufensterscheibe um die Ecke plattdrückten.

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