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Donnerstag, 23.11.2006

lit:krit

Nördlich des Weltuntergangs & Die Siechenmagd

Man könnte meinen, ich läge bei dem Sauwetter da draußen nur noch auf der kuscheligen Ofenbank und zöge mir einen Roman nach dem anderen rein. Schließlich hatte ich meine letzte lit:kritik erst am Freitag, den dreizehnten Oktober, veröffentlicht. Und nun gleich zwei Rezensionen auf einmal?

Gemach, meine Lieben, gemach! — Ich liege natürlich nicht auf der faulen Haut, denn schließlich abbäh isch gar kainäh Ofenbank, obwohl es mich angesichts des Schlamassels in meinem Garten durchaus nach einer gelüsten würde. Oder besser noch nach einer eigenen Sauna!

Mit den Offenbarungen im letzten Absatz habe ich extrem elegant die Aufhänger für meine neusten Buchbesprechungen hin bekommen. Denn hängen nicht alle Finnen ständig in der Saune herum? Zumindest die Helden von Arto Paasilinna tun dies nördlich des Weltuntergangs sehr häufig. Die Sauna dient dort sogar als Geschäftsanbahnungsort und hinterher gibt es immer selbst gebrautes Bier. Das hat mir sehr gefallen. Denn so ein Bierchen nach der Sauna ist schon etwas Gutes. Aber eigentlich geht es bei Paasilinna nicht schwerpunktmäßig um das Saunieren oder um Bier, sondern darum, wie man sich in unserer gebeutelten Gesellschaft vernünftigerweise verhalten sollte, um den nahenden Weltuntergang einigermaßen passabel zu überstehen. Ein sehr netter Roman, ziemlich skurril, eher englischer Humor; oder finnischer, der dann aber dem englischen zumindest näher als dem deutschen steht.

Sauertöpfisch sollte man also nicht unbedingt sein, wenn man Spaß an der Geschichte von Paasilinna haben will. Und genauso wenig sauertöpfisch darf man sein, wenn man hier bei mir weiterlesen möchte. Denn sonst wird man oder frau meinen launigen Kalauer mit Bezugnahme auf die oben angesprochene »faule Haut« überhaupt nicht zu schätzen wissen.
In meiner zweiten Romanbesprechung, der Siechenmagd, geht nämlich die Hauptrolle an die fünfzehnjährige »Mäu«, die eigentlich Maria heißt, in Frankfurt lebt und sich als Dienstmagd in einem Hospital für Leprakranke verdingt hat.

Ist ja gut, Ihr könnt wieder aufhören, Euch die Schenkel weich zu klopfen. Die Geschichte ist nämlich gar nicht so lustig. Das arme Mädel lebt im Mittelalter, also einer ziemlich finsteren Ecke der Menschheitsgeschichte, in der es sowieso schon nicht sonderlich gerecht zuging. Dann auch noch als Tochter des örtlichen Abdeckers aufzuwachsen und den ersten Job als Pflegerin bei Aussätzigen anzutreten, ist ganz gewiss kein Zuckerschlecken.
Trotzdem möchte ich auch diesen Roman unbedingt empfehlen. Das ist so eine Geschichte, die man am liebsten nicht aus der Hand legen will, auch wenn Mitternacht längst vorüber ist und am nächsten Tag Arbeit und Sauwetter auf einen warten. Ganz nebenbei erfährt man jede Menge Interessantes über das Leben im sechzehnten Jahrhundert. Ein bisschen gruselig kann es einem schon werden, wenn die Autorin Ursula Neeb erzählt; ihre Geschichte ist wohl ziemlich nah dran an der historischen Wirklichkeit, denn die hat sie studiert, die Frau Neeb. Und unterhaltsam schreiben kann sie obendrein.

Also, Leute: Rauf auf die Ofenbank und frisch ans Buch!

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1164303866

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Kristof, 27.2.2007 um 16:38 h:

Bist du in 1 Loch gefallen?

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 27.2.2007 um 21:32 h:

Tach auch, mein Lieber! Beinahe hast du Recht. Nur der Zähler stimmt nicht ganz: Ich bin nicht in 1 Loch gefallen, sondern in 2 bis 3 Löcher. Befinde mich sozusagen in einer Reorganisationsphase. Da fällt leider Web 2.0 momentan hinten vom Tellerrand, über den hinaus zu blicken ich mich derzeit akut bemühe. — Deshalb bis auf weiteres hier Schweigen im Walde. (Aber CDs höre ich gerade mit stetig wachsender Begeisterung.)

Link zu diesem Kommentar Kristof, 28.2.2007 um 14:27 h:

Ah, zumindest kannst du dich noch artikulieren. Gut.
Ansonsten keine Hetze.

Jürgen?

Link zu diesem Kommentar Jürgen, 6.3.2007 um 16:16 h:

Und ich hab doch glatt die Befürchtung gehabt, Dir wäre etwas passiert...
Schluck.

Jürgen

Link zu diesem Kommentar AALLEEXX, 2.4.2007 um 13:58 h:

Diese Seite ist echt Strange. Gefällt mir nicht.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 2.4.2007 um 21:03 h:

Macht gar nichts, Aalleexx. Es gibt ja noch ne ganze Menge anderer Seiten im Netz, die bestimmt weniger strange sind und deinem Geschmack mehr entsprechen … =;o)

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