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Mittwoch, 27.6.2007

Spanische Splitter

Dopaje nacional

Die öffentliche Radsport-Epo-Doping-Hysterie flaut ab, aber ganz plötzlich sind sie da, diese Flashbacks: Das historische Pendant zum noch immer leugnenden Jan Ullrich, Schneenase Christoph Daum, der einst beim freiwilligen Haartest durchgefallen war und trotzdem nichts zugeben wollte; oder Paolo Pinkel alias Michel Friedmann, der koksende Polit-Entertainer; das pulverige Coming Out von Constantin Wecker; oder die schrillste aller schrillen Weißnasen, Partysenator Ronald Schill; sie alle haben doch auch nichts anderes getan, als mit Hilfe unerlaubter Substanzen das Beste aus sich heraus zu holen.

Aber bevor wir in kollektive Selbstgeißelung ausbrechen – Deutschland, das Land der Supernasen, auch ohne Thomas Gottschalk und Mike Krüger – werfen wir lieber einen Blick weit hinter den Rhein und über die Pyrenäen. Die spanische La Vanguardia zitiert heute einen Bericht der UNO: »In Spanien steigt die Rate des Kokainkonsums bei Fünfzehn- bis Vierundsechzigjährigen zum ersten Mal in der Geschichte über die der Vereinigten Staaten, sie liegt viermal so hoch wie der europäische Durchschnitt.«

Zwischen 1999 und 2005 habe sich der Kokskonsum in Spanien verdoppelt, während sich in allen anderen Ländern der Welt die Situation stabilisiert habe. Mit derlei nüchternem Zahlenwerk gibt sich die renommierte Tageszeitung jedoch nicht zufrieden. So findet sich im Artikel eine hoch interessante Erhebung: Eine Studie, die auf der Analyse von Abwasseranteilen in Flüssen in den Jahren 2005 bis 2006 beruht – ja, sowas gibt es offensichtlich! –, ergab für die Stadt Miranda de Ebro, dass dort pro tausend Einwohner der betrachteten Altersgruppe täglich 97 Linien Kokain geschnupft wurden. — Ein wahrer Statistikknüller, es lebe die Wissenschaft!

Tröstlich aus spanischer Sicht mag die Tatsache sein, dass New York mit 134 Linien Koks pro Tag und Tausend immer noch weit vorne liegt und Washington als zweite US-Metropole mit immerhin 56 Linien den dritten Platz belegt. Aber welch ein Ergebnis: Miranda de Ebro in einem Atemzug (sorry, tut mir wirklich leid, lo siento) mit New York und Washington!

Welche Schlüsse lassen sich aus der spanischen Larmoyanz ziehen? Zum ersten erkennen wir, dass die eigene Nation doch immer die schlechteste ist; egal welcher man auch angehören mag. Zum zweiten dopen wir offensichtlich alle auf Teufel komm raus und durch die Bank bis in den hintersten Winkel der allerletzten iberischen Provinz. Und zum dritten wird klar, dass die Zeit der sauren Gurken auch für die spanische Presse angebrochen ist. — Wann dürfen wir mit Berichten über die koksende Nessie auf Urlaub im Ebrodelta rechnen?

Übrigens: Bei E-Script gibt es außer diesem noch 21 weitere »Spanische Splitter«. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1182979667

Kommentare

blogotronic?

Link zu diesem Kommentar blogotronic [@], 28.6.2007 um 11:23 h:

heehee, das würde manches erklären! ;-)

p.s.: schön, mal wieder was von dir zu lesen!

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 28.6.2007 um 23:11 h:

Ach du liebes Bisschen! Kaum schreibt man wieder mal ein paar Zeilen, schon steht der Herr E. auf der Matte und zerrt einen hinüber ins Revirement, das auf einmal ganz anders aussieht und gar keine Motorölreklame mehr parat hält, sondern Kreidestrichmännchen und Links zu den TROTLS, die mich schon nach kürzester Zeit ins Reich der Autobahnrocker lockten und mich ganz vergessen machten, dass ich doch eigentlich gar keine Zeit habe.

Netz is' eben auch Dope, man kommt nich' los von. Ich schreib auch ab und an jetzt wieder. Nicht so häufig wie früher, nein, bestimmt nicht; aber man(n) kann ja die Finger nicht ganz von der Tastatur lassen. — Dopaje internacional

Link zu diesem Kommentar Kaschbär, 3.7.2007 um 15:19 h:

Hoi Ulfito, wurde auch Zeit, dass sich hier mal wieder was tut. War ja schon auf Entzug ;o)

Mit gut 38000 Einwohnern ist Miranda ja nicht einmal sooo klein, aba gugg dich um: je ländlicher es wird (ich meine damit jetzt nicht Einsiedlerhöfe *g), desto mehr wird "gedoped". Ich sprech aus Erfahrung, hab Jahre auf dem Land gelebt, da kriegt man so einiges mit *g Und NEIN, ich war brav :D

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