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Donnerstag, 6.9.2007

Nichts als die Wahrheit

Nächtliches Gipfeltreffen in meinem Wohnzimmer

3.25 Uhr: Mit dem linken Auge schiele ich auf die Leuchtziffern meines Weckers. Ich muss pinkeln. Als ich die Bettdecke zurückschlage und mich aus dem Wasserbett wuchte, höre ich Stimmen nebenan im Wohnzimmer. Noch nicht ganz bei mir stolpere ich aus dem Schlafzimmer. Am Esstisch sitzen zwei Gestalten; eine im Rollstuhl, die andere auf einem unserer wackeligen Korbstühle des schwedischen Möbelgiganten.

»Da bist du ja endlich!«, knarrt der Rollstuhlmensch. »Geh doch mal runter und bring mir ein Bier.« »Und für mich 'nen Bourbon, wenn 's keine Umstände macht!«, fügt der andere hinzu. Ich sehe mir die beiden genauer an, und murmle: »Mensch, George, und ich dachte, du bist trocken?« »Blödsinn, dass müssen wir feiern!«, antwortet George Bush aus dem Korbstuhl heraus. »Genau!«, schnaubt Wolfgang in seinem Rolli.

Zu verdattert, um die skurrile Situation zu hinterfragen, trolle ich mich nach unten, um meinen Freund Mens um Bier und Schnaps zu bitten. »Was machen die beiden in Ihrem Wohnzimmer?«, zischelt der mir aufgeregt zu. Ich aber bin schon wieder auf dem Weg nach oben ins Wohnzimmer. Während ich einschenke, versuche ich der Konversation zu folgen.

Bush: »Congrats, du hast die Terroristenkerle aus Oberschledorn echt am Arsch! Wie hast du das nur hingekriegt?«

Schäuble: »Kein wirkliches Problem, George. Mit Hilfe des Bundestrojaners und der Online-Durchsuchung hatten wir die seit Monaten unter Kontrolle. Jedes E-Mail-Wort mitgeloggt, jedes digitale Foto downgeloadet, if you know what I mean!«

Bush: »Marvellous, Wolfi! Digitale Fotos! Dann habt ihr sie bestimmt wegen der Turbane geschnappt?«

Schäuble: »Ja, der Kopftucherlass hat sie uns ans Messer geliefert. So war das.«

Ich (versuche witzig zu sein, während ich an meinem Bier nippe): »Jou, und außerdem hatten sie keine Waffenscheine für ihre Pumpguns.«

Schäuble (streng): »Woher weißt du das denn? Immerhin waren die Kerle über achtzehn, kein Grund zur Sorge, eigentlich; hätten auch gut unbescholtene Sportschützen sein können. Aber wir wurden misstrauisch, als wir in ihren Bookmarks Links auf die Mailserver des Pentagon, des britischen Premiers und von Angela gefunden haben.«

Ich: »Ach, dann waren das wohl chinesische Hacker?«

Schäuble (misstrauisch): »Sehr richtig! Chinesische Islamistenhacker mit Migrationshintergund. Aber woher weißt du das alles eigentlich?«

Ich (verschnupft): »Na hör mal, Wolfgang, ihr sitzt hier in meinem Wohnzimmer und meint, das Volk bekommt nichts mit? Ich wette fast, Angela Merkel hat die Typen wegen fehlender Affinität zur deutschen Leitkultur bei euch angeschwärzt.«

Bush: »Marvellous, Ulf! Another Bourbon, if you don't mind?«

Schäuble: »In der Tat gerieten sie zunächst wegen mangelhafter Beherrschung der neuen deutschen Rechtschreibung in ihren E-Mails ins Visier der Ermittler. Ein eklatanter organisatorischer Fehler des Gegners, wie man wohl konstatieren muss.«

Ich: »Jetzt erklärt mir aber doch bitte mal, was ihr hier bei mir zu Hause zu dieser nachtschlafenden Uhrzeit treibt.«

Bush: »Wir wollen, dass du die Wahrheit schreibst. Nichts als die Wahrheit, zerr sie ans Licht des Tages, die wahre Komplexität des Terrors. That's it!«

4.15 Uhr: Ich muss pinkeln. Und als ich von der Toilette zurück komme, ist das Wohnzimmer leer bis auf ein paar ausgesoffene Flaschen Bier und eine fast geleerte Flasche Bourbon auf dem Tisch. Um meinen guten Ruf in der Familie zu wahren, entsorge ich die Relikte des Gipfeltreffens und wanke zurück in mein Bett.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1189047601

Kommentare

Kristof?

Link zu diesem Kommentar Kristof [@], 6.9.2007 um 7:22 h:

Echt? Wirklich so passiert?

Link zu diesem Kommentar Finola, 6.9.2007 um 14:24 h:

Ja ja, solche Sachen erlebt man wenn man im Cola-Rausch ist...

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 6.9.2007 um 22:17 h:

Ehrenwort: Genau so passiert! Rauschlos.

(In Bezug auf die Frage nach dem Realitätsbezug möchte ich nicht darauf verzichten, den verblichenen Professor Albus Dumbledore aus dem siebten Band der Harry-Potter-Heptalogie zu zitieren. Auf die Frage Harrys, ob die Geschehnisse des Kapitels 35 real wären, oder sich alles nur in seinem Kopfe abspielte, antwortet der weise Zauberer: »Of course it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean that it is not real?«)

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