Leser seit April 2002
Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


Hinweis: Die Gestaltung wurde mit Rücksicht auf unterschiedliche Bildschirmauflösungen und Ausgabemedien, sowie auf sehbehinderte Besucher ausschließlich auf Basis von Cascading Style Sheets realisiert. Da Sie CSS deaktiviert haben, oder einen Browser benutzt, der diese nicht oder nur teilweise umsetzen kann, müssen Sie leider auf Gestalterisches und auf eine besucherfreundlichere Anordnung der einzelnen Abschnitte weit gehend verzichten. Die Textinhalt sind allerdings ohne Einschränkungen auch ohne CSS zugänglich.


Donnerstag, 13.9.2007

Vulkan der Kunst

Oder: Warum aus mir kein Künstler geworden ist

Vor beinahe dreißig Jahren versetzte ich meiner Kunstlehrerin einen Hieb der Enttäuschung. Im Zuge der Abiturplanung musste ich ihr die Nachricht überbringen, dass ich keinen Leistungskurs im Fach Kunst belegen würde. Nach langem Gewürge hatte ich mich für Mathe und Englisch entschieden, Kunst wollte ich nur als viertes Abiturprüfungsfach wählen. Das war eine harte Entscheidung, über deren Finalität und Konsequenz ich noch heute ab und an sinniere.

Vergangene Woche blätterte ich im Sommertagebuch 2007 von Jonathan Meese, dem Maler. Ich habe eine neue Sicht auf meine Entscheidung von damals gewonnen.

Der Vulkan bricht ausMeese, 30. Juni: »Ankunft in Island. Der Vulkan der Kunst wird bald ausbrechen.«
Ich: »Sch€!$$€, am Freitag muss ich die Rechnungen aus dem Projekt an den Lieferanten bezahlt und andererseits die Faktura an unsere Kunden im System haben, sonst hab ich ein sattes, sechsstelliges Halbjahresdefizit in der Bilanz, das ich dem Vorstand nicht erklären werde können. Heute ist Samstag, das Wochenende steht bevor und ich kann nicht abschalten. Der Vulkan brodelt.«

Meese, 1. Juli: »Habe gerade den Vulkan der Kunst gesehen. Ich spiele am Rande des Vulkans. Ich rolle und rolle und tolle herum, hier in der Lava, und ich spüre den Druck der Revolution.«
Ich: »Habe gerade den Vulkan in den Augen meines Sohnes gesehen. Er hat keinen Bock, die Englischvokabeln zu lernen. Sein Test am Dienstag ist ihm egal. Ich rolle und rolle unter dem Esstisch herum. Wer übernimmt hier eigentlich überhaupt irgendwie Verantwortung?«

Meese, 5. Juli: »Island. Fische gegessen, Lamm gegrillt, zirka 20 Zeichnungen gemacht. Viel Sonne.«
Ich: »Mittagessen, zehn Minuten. Kleinen Salat gegessen. Faktura ist durch, Gott sei Dank. Muss noch den Vorstandsbericht klar machen. Soll um vier zu Hause sein, Geburtstag der Jüngsten läuft.«

Meese, 10. August: »Die totale Demut hat jetzt begonnen, sie fließt weiter. Jetzt geht es los. Das Revolutionsspiel der Zukunft hat begonnen. Die Diktatur der Kunst lebt.«
Ich: »Die totale Demut hat jetzt begonnen. Jetzt geht es los. Der Urlaub hat begonnen, wir sind unterwegs in Richtung Chiemgau. Habe die Angelruten im Keller zu Hause vergessen. Die Diktatur der Freizeit lebt.«

Lebensentwürfe. »Warum wollen so wenig Leute die Revolution der Kunst haben? Warum wird man allein gelassen? Warum muss man das alles selber machen? Auf Reisen zu gehen ist eigentlich ekelhaft, wenn man eben nicht über das spricht, worum es geht.« (Zitat Meese; oder war das von mir?) Unterschiede. Gemeinsamkeiten. Jedenfalls bin ich kein Künstler, soviel ist klar.

Vielleicht sollte ich mit Meese im Duett die Konkurrenz zu Amon Amarth aufmachen? — »Explodierende Vulkane der Kunst?« — »Runes to my Memory?«

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1189659601

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 24.9.2007 um 9:31 h:

Aus dir IST in meinen Augen ein Künstler geworden !
Oder gelten Kollumnisten nicht als Künstler,nur weil sie mit Worten jonglieren
und verbal kreativ sind ?

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 24.9.2007 um 23:17 h:

Wie man es nimmt, Frau Muschel: Zumindest belegt jedoch der Vergleich der Tagebucheinträge Meese & mein, dass es mir eindeutig an künstlerisch anrechenbarem, revolutionärem Vulkangebrodle fehlt. Und mein Haupthaar kann leider in Länge und Beweglichkeit auch nicht mit Meese oder Amon Amarth mithalten.

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 25.9.2007 um 9:23 h:

Die Sache mit dem Haupthaar könntest du ja ändern und 'mal den Revoluzer 'raushängenlassen. Was meinst du was für Reaktionen (vulkanbrodeliger Art) das auf der Seite deines Chefs hervorrufen würde....

Kommentar abgeben: