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Mittwoch, 3.10.2007

Smart People

Partnerleasing

Es gibt Wörter, die es verdient haben, aus der Mottenkiste des Gebrauchsvokabulars herausgezerrt zu werden. Ein solches Wort ist zum Beispiel »Wuchtbrumme«. Ich halte es für ungerecht, modernen Frauen aus einem falsch verstandenen Gefühl für political correctness eine solche verbale Adelung vorzuenthalten. Auch heute noch hätten einige Frauen diese Bezeichnung unbedingt verdient.

Man möge mich nicht falsch verstehen: Angela Merkel ist nicht gemeint. Die Sauberfrau der deutschen Öffentlichkeit ist keine Wuchtbrumme. Unsere Kanzlerette ist über jeden Zweifel erhaben; so erhaben, dass ich mich manchmal frage, ob sie statt einer blassen Kanzlerin nicht eher die perfekte Bundespräsidentin abgäbe. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Frau von der Leyen möchte ich in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht diskutieren. Nur soviel: eine Wuchtbrumme ist auch sie nicht. Allerdings merke ich, dass es an der Zeit wäre, endlich einmal einen Text über Frauen in der Politik zu schreiben. Ein andermal.

Wuchtbrummen jedenfalls sind weder blass, noch erhaben. Wuchtbrummen fahren eher Motorrad, lassen sich in Latexkluft für Hochglanzmagazine ablichten, heißen mit Vornamen Gabi, kokettieren womöglich mit einem Doktortitel und brillieren populistisch mit gesellschaftlich grenzwertigen Vorschlägen.

Dr. Gabriele PauliMeine Heldin ist Gabriele Pauli. Allein schon für ihr untrügliches Gespür dafür, zum richtigen Zeitpunkt den waidwunden Problembären Stoiber aus dem Amt zu kicken, hat sie das Attribut Wuchtbrumme verdient. Mit untrüglichem Instinkt für Timing setzte sie sich an die Spitze der Bewegung der Stoiber-Basher und erweckte den Anschein, sie sei die Axt der längst überfälligen politischen Exekutive. Brava, Brumme!

Hinzu kamen ein gut geplanter und angemessen anrüchiger Auftritt in Latexhandschuhen bei Vanity Fair und zuletzt ihr Vorschlag, die Ehe auf Zeit einzuführen, gepaart mit einer wohl von ihr selbst nicht allzu ernst gemeinten Kandidatur für den CSU-Vorsitz. Hauptsache Auffallen!

So muss das sein. Das ist wuchtbrummenmäßig. Das Tüpfelchen auf dem i von Pauli: ihre Krawalloption, die Ehe nach sieben Jahren auslaufen zu lassen wie einen Leasingvertrag. Bei Nichtgefallen gibt man den Ehepartner einfach zurück, ohne jede Verpflichtung zur Restzahlung; Kind, Haus und Hof sicher gleich mit. Implizit nach sieben verflixten Jahren, per default. Aber an wen eigentlich gibt man den Partner zurück? An den Staat? An die Steuerzahler? Solche Details hat Frau Dr. Pauli vorsichtshalber nicht mitgeliefert.

Vermutlich geht sie davon aus, dass derlei Nebensächlichkeiten nämlich der Umgang mit den Relikten einer abgelaufenen Beziehung zu Beginn des bürgerrechtlichen Auslaufmodells Ehe im Kleingedruckten geregelt würden. Der Ehevertrag mit einer Latte von Allgemeinen Geschäftsbedingungen inklusive salvatorischer Klausel wäre Pflicht, wie bereits längst in Fällen anderer Verbindlichkeiten wie Arbeitsverträgen, Bankdarlehen und Versicherungsverträgen.

Frau Paulis Kündigungsmodell geht aber sogar noch einen Schritt weiter. Sie verlangt die automatische Aufhebung nach Ablauf einer zuvor festgelegten Dauer. Die Ehe wäre also nichts anderes als ein Zeitarbeitsvertrag. Ein modernes Modell, ohne Frage, das mir allerdings schon im Arbeitsleben nicht gefallen mag. Es tut mir leid, Frau Doktor, ich kann mich mit Ihrem Vorschlag überhaupt nicht anfreunden. Ich bin ein Freund der Verbindlichkeit, im öffentlichen wie im privaten Leben. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich meine Autos kaufe und nicht lease.

Dennoch könnte sie es mit ihrem Temperament noch weit bringen, die smarte Landrätin aus Fürth. Zittere, Angie, oder bring deine Schäfchen besser gleich ins Trockene des Bundespräsidialamtes; bevor Wuchtbrumme Pauli beginnt, auch noch am Kanzlerettenthron zu sägen. »Ich werde mich in der CSU weiter so einbringen, wie ich es für richtig halte. Was ich tun werde, das werde ich auf mich zukommen lassen«, sagte Frau Dr. Gabriele Pauli am Montag bei Beckmann über ihre Pläne für 2008.

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UB

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Kommentare

Link zu diesem Kommentar KaschBär, 4.10.2007 um 14:00 h:

Die Idee einer Ehe auf Zeit von der "schönen Landrätin" ist nicht nur nicht neu, sondern auch noch abgekupfert. Darauf ist schon der fränkische Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig vor 2 Jahren gekommen. Unterschied hierzu: Pelzig wollte die Laufzeit auf 5 Jahre beschränken. Guggs du hier.
Grüße vom Kasch :D

wir kennen das Gras?

Link zu diesem Kommentar wir kennen das Gras [@], 4.10.2007 um 21:26 h:

Der Kasch wir immer böser je älter er wird. ;)
Falls es der ist den ich meine ;))

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 5.10.2007 um 16:44 h:

Ja, der Kasch ist schon noch der selbe wie vor ein paar Jahren; genau wie du noch der gleiche Wolfgang bist wie früher  =;oþ

Aber Recht hat er schon, der Bär. Mir kam die Idee auch irgendwie ein bisschen angegrabbelt vor. Wobei mir der Umstand, nicht die gleiche Gedächtnisleistung vollbringen zu können wie der KaschBär, nachträglich die Schamesröte ins Gesicht treibt. Weil ich doch eigentlich zum harten Kern der Fans von Erwin Belzig (»mit haddem B«), Doktor Göbel und dem Haddmud gehöre.

Andererseits interessiert mich jetzt, welches Gras ihr kennt, du und deine Inge. Das werde ich wohl bei der Warteschlange herausfinden müssen. Habe die Ehre

RokkerMur?

Link zu diesem Kommentar RokkerMur [@], 5.10.2007 um 17:25 h:

"Wir kennen das Gras" ist ein Ausspruch von Fußball Startrainer Trappatoni: "Ihre Mannschaft gewinnt meistens auf Kunstrasen !"
Ist so wie das "wir haben fertig"
Liebe Grüße zurück.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 5.10.2007 um 23:33 h:

»RokkerMur«. Wie lang ist das jetzt her? Gab es damals noch Dinosaurier? Gibt es sonst noch Überlebende aus dieser Ära? Freds Streitpunkt gibt es längst nicht mehr, das Fettnäpfchen von Jeze auch nicht, Monai ist definitiv von der Bildfläche verschwunden mit ihrer Kerstin. Und von Trappatoni hab ich auch lang nix mehr gehört.

Zombies

RokkerMur?

Link zu diesem Kommentar RokkerMur [@], 6.10.2007 um 12:05 h:

Bei diesem Link findest du Fred (Koelsch)
der schon 2 mal in Wien zu Besuch war.
Das mit dem Zombie wird er dir sicher nicht übelnehmen ;)
http://www.sixpack.org/k-town/forum/read.php?forum=ktown&read=36259

Link zu diesem Kommentar KaschBär aka scepsis, 8.10.2007 um 12:08 h:

Wolfgang, es kann nur einen Kasch geben, das sagte ich bald schon vor Jahrzehnten ;o) Allerdings bin ich in Anbetracht des ständigen Wechsels im internetten Raum dazu übergegangen, mir meinen ersten, also meinen wirklich allerersten Nick wieder zuzulegen, nämlich scepsis, auch wenn sich das auf den ersten Blick "weibisch" anhören mag *g*, so halte ich ihn doch für angebracht :D Und überhaupt: was soll die Bemerkung, ich würde mit zunehmendem Alter böser werden? War ich nicht immer die Liebenswürdigkeit in Person oder ist das meine geschönte Erinnerung an längst vergessene Zeiten?? *grübel* Sei es wie es sei *g*

Und Ulf... Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass diese meine Bemerkung über den Ideenklau weniger meinem enormen Erinnerungsvermögen, als mehr der Berichterstattung in den Medien zu verdanken ist. Wie heißt es nach wie vor immer noch so treffend: man muss nich alles wissen, man muss nur wissen wo es steht ;o)

Was nun die Überlebenden aus der alten Ära betrifft, so hatte ich mich frühers schon auf "die Suche" begeben, doch das einzige was ich z.B. in Bezug auf Monai fand war In Memoriam Monai vom 11. März 2004, welches dir, mein lieber Ulf, doch sehr bekannt vorkommen sollte ;o)

Nichtsdestotrotz, ich werde die Suche nicht aufgeben und auch nicht die Hoffnung fahren lassen...

Bis die Tage,
Kasch

RokkerMur?

Link zu diesem Kommentar RokkerMur [@], 8.10.2007 um 20:11 h:

Monai war wirklich toll.
Lange Zeit dachte ich sie sei ein Fake von Ulf ;)

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 9.10.2007 um 20:56 h:

Und ich dachte lange Zeit, Monai und der Kasch hätten sich im richtigen Leben getroffen. Nun aber scheint es, als sei sie mal in Wien gewesen und habe den Rokker davon überzeugen können, dass sie kein Fake war? Spekulatius

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