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Samstag, 27.10.2007

Spanische Splitter

Buchmessiges im Nachhall

Vor drei Wochen war die Region das Land die spanische Provinz Katalonien Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse. Kein Problem, denkt der unbedarfte Leser dieser Zeilen? Sonderlich aufregend, provokant, oder gar skandalös war der Auftritt des Gastes schließlich nicht. Die Eröffnungsrede von Quim Monzó, Schriftsteller und Kolumnist der katalanischen Tageszeitung La Vanguardia, erregte keinen Ärger und wenig Aufmerksamkeit des internationalen Publikums.

Doch regional brodelte es. Die Kommentare zum Artikel der Vanguardia, der sich mit der Eröffnungsrede befasste, schwankten zwischen Applaus – meist auf Catalán formuliert – und dem Vorwurf des Landsverrates – in der Mehrzahl im hochspanischen Castellano verfasst.

Auf der Ebene des Fußballs hatte ich mich bereits mit den separatistischen Bestrebungen der Katalanen befasst. Die Diskussionen anlässlich der Buchmesse riefen mir jedoch wieder einmal in Erinnerung, dass sich die Konfrontation zwischen Katalanen und spanischer Zentralregierung nicht auf auch andernorts bekannte, breitensportliche Ebene reduzieren lassen: Selbst auf kulturell hohem Niveau mag man sich gegenseitig nicht, die Ablehnung des jeweils anders Denkenden ist fundamental, die Diskussion stets fundamentalistisch.

Die Diskrepanz lässt sich übrigens nicht mit der traditionellen, etwa deutschen Kabbelei zwischen Norddeutschen und Bayern vergleichen; Katalanen geben sich nicht mit einer rein formalen und oftmals belächelten Proklamation eines »Freistaates« zufrieden. Sie beharren stur auf der eigenen kulturellen und politischen Identität und grenzen sich sogar gegenüber der katalanstämmigen Nachbarn ab, der Valencianos oder Mallorquines. Bayern und Österreicher sind sich in dieser Hinsicht näher als die verschiedenen spanisch-katalanischen Regionalausprägungen.

Um so erstaunlicher angesichts der harten inhaltlichen Konfrontation zwischen fundamentalen Katalanen und Kastiliern ist die pragmatische »Sprachregelung« der Auseinandersetzungen: Die Vanguardia zum Beispiel publiziert alle redaktionellen Beiträge auf Kastilisch, obwohl sie die wichtigste katalanische Tageszeitung ist. Werbeinhalte dagegen, zumindest in der Papierversion der Zeitung, sind mehrheitlich auf Catalán abgefasst.
Auch die katalanisch orientierten Kommentatoren der Onlineausgabe haben ganz offenbar kein grundsätzliches Problem damit, die Redaktionstexte auf Hochspanisch zu lesen, bevor sie dann in der Regionalsprache dazu vom Leder ziehen.

Selbst katalanische Weblogschreiber, beispielsweise der Chefredakteur der Vanguardia Lluís Foix, bevorzugen das Hochspanische für ihre Artikel. Man ist wohl durchaus bemüht, sich durch Anpassung eine möglichst umfangreiche Leserschaft zu sichern.

Apropos »umfangreiche Leserschaft«: Nachdem es mir seit Juli nicht gelungen ist, den heranwachsenden Nachwuchs durch die englische Originalausgabe des letzten Harry-Potter-Romans zu dirigiern, obwohl wir uns alle große Mühe damit gegeben hatten, freuen wir uns nun auf die unbehinderte Lektüre des literarischen Machwerks auf deutsch, die wir terminbewusst sofort nach Publikation ab heute Vormittag in Angriff nehmen werden. — Gibt es Harry eigentlich auch auf Catalán?

Übrigens: Bei E-Script gibt es außer diesem noch 21 weitere »Spanische Splitter«. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1193439559

Kommentare

Finola?

Link zu diesem Kommentar Finola, 31.10.2007 um 10:57 h:

Die sprachliche Toleranz der Katalanen, wenn es um Umsatz und Verbreitung in den Medien geht, beruht augenscheinlich darauf die breite(re) Öffentlichkeit zu erreichen. Wer von uns spricht schon katalanisch? Ich spreche noch nicht mal spanisch!

Kann ich ehrlich auch nachvollziehen. Mich verstehen hier bei der Arbeit manchmal die hanseatischen Kollegen auch nicht wenn ich mit meinem Schwäbisch daher komme. Also reden wir überwiegend in einer dem hochdeutschen angelehnten Sprache.

Und zu Harry-Potter: Mich nervt der Kerl. Bin froh das das nun offenbar der letzte Teil sein soll!

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 31.10.2007 um 22:45 h:

Oh! Ein Experte! – Da kann ich gleich eine Frage anbringen, die mir seit eines kabarettistischen Abends mit Ottfried Fischer in der Moderation auf der Zunge liegt: Stimmt es, dass die Schwaben für in Bedrängnis geratene Schweine die Bezeichnung »Notrufsäule« verwenden?

Und zum Potterthema: Ich befürchte, dass dir der Kerl noch ein paar Jahre auf die Nerven gehen wird. Es stehen schließlich noch drei Romanverfilmungen an. Textfortsetzungen sind jedoch offenbar nicht zu befürchten. Und das ist auch gut so, selbst wenn mir die Bücher allemal lieber sind als die Filme.

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