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Dienstag, 6.11.2007

Spanische Splitter

Wie du mir, so ich dir

Oder: Quien las da, las recibe dobladas

Es heißt immer, wir Deutschen sind xenophil oder xenophob, Green Blue Card rein, Kopftuch raus; irgendwie können wir uns nicht entscheiden, irgendwie sind wir schizophren. Und immer, wenn Stichworte auftauchen wie Hoyerswerda oder no-go-areas gerinnt uns quasi das Blut in den Adern. Wehret den Anfängen und passen Sie halt auf sich auf, um Gottes Willen!

Allein stehen wir mit diesem Problem aber beileibe nicht. Im Nordosten Spaniens macht derzeit der Fall Sergi Xavier M.M. die Runde. Der junge Mann in den Zwanzigern griff vor einigen Tagen in einem Vorortzug von Barcelona eine sechzehnjährige Einwandererin aus Ecuador tätlich an, traktierte sie mit Fußtritten und drohte ihr – wegen ihrer ethnischen Herkunft – den Tod an.

Sergi Xavi M.M. beim Telefonieren in einer Bar, spanisches PressefotoAm Tatbestand gibt es offenbar nichts zu rütteln, Sergi wurde identifiziert, verhaftet und dem Richter vorgeführt; ein Verfahren wurde eingeleitet, der junge Mann wurde bis auf Weiteres vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Die Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf, wie es scheint.

So oder so ähnlich hätte sich diese Begebenheit auch in Berlin, Köln oder München zugetragen haben können. Nun aber kommt es:

Seit vergangener Woche ist der Aufenthaltsort von Sergi M. unbekannt. Nicht etwa, weil er sich der Justiz entziehen wollte, sondern weil er ganz offiziell untergetaucht ist und unter Polizeischutz steht.

Hintergrund ist eine polizeiliche Entdeckung, nach der eine behördlich bekannte Gruppierung namens »Latin Kings« den Wohnort Sergis ausgekundschaftet hat und im Internet seine Adresse bekannt gegeben und ihrerseits Morddrohungen gegen den Fremdenfeind ausgestoßen hat. Deshalb ist Sergi umgezogen, und deshalb patroulliert die Polizei zu seinem Schutz vor seinem neuen, geheimen Domizil. Mutiert vom Täter zum Opfer.

Die spanische Öffentlichkeit diskutiert mittlerweile gar nicht mehr so sehr die fremdenfeindliche Freveltat Sergis, sondern die vielmehr die Racheakte der Immigranten: lateinamerikanischer »Türken«, marokkanischer Dealer, oder osteuropäischer Mafiosi. — Eine solche Qualität fehlt bisher noch in unserer deutschen Ausländerproblematik: Der Neonazi, der unter Polizeischutz steht, weil ihm eine organisierte Einwanderergruppierung an den Hals gehen will.

Quien las da, las recibe dobladas*. — Wie du mir, so ich dir?

*) Wörtlich aus den Leserkommentaren zum Artikel der Vanguardia.


Übrigens: Bei E-Script gibt es außer diesem noch 21 weitere »Spanische Splitter«. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1194328801

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 8.11.2007 um 8:16 h:

Ich hat allerdings schon Demonstrationen
oder Tagungen Rechtsradikaler gegenben, die nur unter (Begleitung von) Polizeischutz stattgefunden haben, weil (linke und andere) Demonstranten diese verhindern wollten.
Bei uns gibt es diesen Irrsinn auch, weil wir ja ein ,,Rechtsstaat" sind......

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 8.11.2007 um 22:11 h:

Sie haben natürlich im Prinzip Recht, Frau Muschel. Wenngleich ich im Fall von Sergi M. eigentlich auf eine weiter gehende Qualität der Rache hinaus wollte:
Soweit, dass ein Teil der Bevölkerung nach einem unbestrittenen Delikt zur Lynchjustiz übergeht, ist es bei uns in Deutschland noch nicht. Oder nicht mehr. Zum Glück.

Vielleicht aber dauert es auch nicht mehr lang, bis zum Beispiel einzelne Neobetonköpfe die Rache des Volkes auf direktem Wege zu spüren bekommen, wenn die Leute das Gefühl haben, dass die Justiz nicht strikt genug gegen die Rechtsverletzung vorgeht.

RokkerMur?

Link zu diesem Kommentar RokkerMur [@], 9.11.2007 um 11:21 h:

Rache wird immer mehr modern.
Irgendwie wandern wir in der Zeit zurück Herr Ulf.
Anm/OT: Herr Ulf deswegen weil die Straßenbahnen in Wien nach dir benannt sind.
http://public-transport.net/bim/Austria/Wien/Ulf/ulf.html

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 10.11.2007 um 0:04 h:

Ich freue mich, dass Wien meine Werte würdigt. Richte doch bitte Herrn Dr. Häupl bei Gelegenheit meinen Dank aus, Wolfgang.

Allerdings erregt ein Umstand durchaus meine Besorgnis. Wie ich lesen muss, ist »ULF« im Wiener ÖPV-Jargon eine Abkürzung für Ultra Low Floor. Extra niedriger Boden? Soll das etwa eine Anspielung auf das Niveau hier auf meinen internetten Seiten sein? — Ich mein', ich müsst' den Michael amol wieder persönlich anrufen …

RokkerMur?

Link zu diesem Kommentar RokkerMur [@], 10.11.2007 um 10:31 h:

Warum ausgerechnet du für die ÖVP Werbung machst ? *gg*
Der Begriff: Niederfloorwagen
Damit Leute angenehmer einsteigen können.;)
PS:
Ja ruf ihn an und schöne Grüße von mir.
Das letztemal durfte ich ihm vor 2 1/2 Jahren die Hand geben...

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