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Dienstag, 27.11.2007

Kapitale Hirsche

Uli Hoeneß war seinerzeit als Spieler beim FC Bayern für sein unerhörtes Lungenvolumen berühmt. Heutzutage, als Manager des Vereins, wird er das Laufpensum von damals nicht mehr bringen können. Aber seine pulmonaren Kapazitäten setzt er immer noch überzeugend ein. So überzog er vor einigen Tagen die Fankurven mit einer bereits jetzt berüchtigten, stimmstarken Wutrede: Sie, die Bayern-Fans, seien nicht in der Lage, ihre ureigene Aufgabe zu bewältigen, nämlich im Stadion für Stimmung zu sorgen, obwohl der Verein ihre Eintrittskarten subvenioniere, indem er den großkopferten VIP-Besuchern das dafür nötige Geld aus den Taschen zöge. Mit dieser Kernaussage lässt sich der Hoeneß-Ausbruch kurz und knapp zusammenfassen.

Seit der Zeit, in der Hoeneß noch selbst lief und ich als treuer Anhänger der Bayern im roten Trainingsanzug und mit rot-weißer Fahne für ein paar Mark den meisten Heimspielen meines Vereins beiwohnte, hat sich viel verändert. Der Uli lässt mittlerweile laufen und ich bin fanmäßig zum FC Barcelona übergelaufen. Dass sich heute halb Deutschland hämisch freut, wenn die Bayern einmal nicht drei Punkte im Kampf um Meisterschaft, Pokal oder international kassieren, ist wohlbekannt. Längst ist der FCB kein Fußballclub mehr, der Fanherzen im Sturm erobert, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, das Anspruchsdenken und Renditewünsche nährt.

Parallelen zu anderen großformatigen, deutschen Wirtschaftsunternehmen sind unübersehbar. Ob nun Uli Hoeneß mit seinem verbalen Ausbruch den kleinen Mann im Stadion zum Zwei-Stunden-Pausenclown herabwürdigt, oder ob Deutschbänker Ackermann angesichts der Renditemargen mit Firmenkunden- und Anlagegeschäft Desinteresse an privaten Kleinanlegern signalisiert; die Botschaft ist die gleiche: Wer in großen wirtschaftlichen Maßstäben denkt, bringt wenig soziale Kompetenz auf und fühlt sich höchstens von vermeintlichen, kalkulatorischen Nullnummern in seinem Streben nach Erfolg behindert.

Dass aber das Ausblenden weicher, schwer quantifizierbarer Faktoren ein folgenschwerer Fehler ist, lernen die Herren Wirtschaftslenker derzeit auf die harte Tour. Die Deutsche Bank denkt bereits um und laut über die Übernahme der privatkundenschweren Postbank nach. Und ich meine, auch der FC Bayern täte gut daran zu überlegen, wie der Verein das Herzblut der Fans vor dem Gerinnen auf der Allianz-Tribüne bewahren kann.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1196202206

Kommentare

Finola?

Link zu diesem Kommentar Finola, 4.12.2007 um 12:18 h:

Geld und Machtgier paaren sich selten mit Rücksicht und Mit(ge)fühlen, daran krankt unsere Gesellschaft allgemein....

Vor allem im Sport dreht es sich viel mehr um Geld, Fernsehquoten und Tabellenränge (die auch wieder den Fluß des Mammons steuern) als um die Fans. Finde ich sehr traurig.

Ausdruck allgemeiner Geldgier auch die Benennung der Stadien und Arenen. Ich könnte's grüne Kotzen kriegen wenn ich den neuen Namen des Waldstadions in Frankfurt um die Ohren gehauen bekomme. Da spricht einem schon das was dahinter steht aus dem Wortlaut des Namens. Aber der gute Riederwald, ebenso wie der Neckar nebenan in Stuttgart, zahlt eben keine Millionen für Umbau und Finanzierungen. Einfach lächerlich, ich würde dafür spenden damit es wieder einfach und schön WALDSTADION heißt.

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