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Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Dienstag, 11.3.2008

Brave New World

Die Glotzenbrutzler

Ich bin ja nicht Alfons Schuhbeck. Trotzdem muss ich heute einmal etwas über das Essen schreiben. Schließlich habe ich auch schon über das Rauchen geschrieben, obwohl ich nicht der Marlboro Man bin. Mir ist nämlich aufgefallen, dass sich im Fernsehen gefühlte 60 Prozent aller Liveshows um das Thema Kochen drehen. Doch, gewiss, das ist bestimmt so; denn selbst ich, der ich überhaupt gar nie nicht fernsehe, werde täglich sozusagen im Vorübergehen von auf der Mattscheibe hantierenden Köchen überrascht, um nicht zu sagen: überfallen. Wenn ich es mir recht überlege, dann befassen sich wahrscheinlich sogar 75 oder 80 Prozent aller Liveshows im Fernsehen mit dem Kochen.

Der erste – und auch einzige – Fernsehkoch, dem ich wirklich zugesehen habe, war Alfred Biolek in Alfredissimo!. Das war in den neuziger Jahren, immer freitags im Vorabendprogramm. Biolek hat damals Sätze gesagt wie »Pfeffer immer nur aus der Pfeffermühle« oder so ähnlich. Oder auch: »Der deutsche Wein ist viel besser als sein Ruf«. Mit solchen Belehrungen würde sich heutzutage jeder Fernsehkoch zweifellos die Quote ruinieren. (Ich frage mich, ob es überhaupt noch deutsche Haushalte gibt, in denen Pfefferstreuer zu finden sind.) Jedenfalls ist seit Bioleks Anfängen als »Mutter aller Glotzenbrutzler«, wie ihn irgendwer einmal genannt hat, kochen zu können augenscheinlich zur wichtigste Sekundärtugend der Deutschen geworden.

Längst ist das neue nationale Steckenpferd Kochen vom bewegten Bildschirm auf die starren Screens der Blogosphäre hinübergeschwappt, wie einst dem Bio der Wein aus dem mundgeblasenen Glas auf die Hose. Überall bei bekannten wie unbekannten Schreiberlingen gibt es ab und an Rezepte, Schilderungen eines gelungenen kulinarischen Abends und Fotos vom Angerichteten oder sogar vom Herstellungsprozess.

Dergleichen ist bei mir nicht zu befürchten. Nicht etwa, weil ich nicht kochen könnte. Ha! Von wegen!! Ich und nicht kochen können!!! — Berühmt und berüchtigt sind zum Beispiel meine Armen Ritter. Aber ich wollte ja um keinen Preis ins Fernsehköchische abgleiten. Also Schluss damit, und hin zur Geschichte, die ich an dieser Stelle los werden wollte und die mit meinem Stammhalter beginnt, der am vergangenen Sonntag aus dem Keller gestiefelt kam, in der Rechten die Angelrute und in der Linken den Kescher.

Ich sag noch: »Mach bloß kein Scheiß nich', Manolo!« — Und er sagt noch: »Nee, Paps, mach ich nich'.« Dann war er auch schon auf und davon, zusammen mit seinen beiden Kumpels Philipp und Max, die aussehen wie Pat und Patachon, und als ich am Abend schwer verrichteter Dinge & gramgebeugt nach Hause kam und auf die Küchenspüle blickte, da sah ich eine Menge glitschiger Leiber und gar nicht mal so kleine, sondern ziemlich große, schuppige Kaventsmänner, deren Detailanalyse eine Beute von acht Lachsforellen ergab mit über viereinhalb Kilo Gesamtgewicht in bereits ausgenommenem Zustand.

Was macht man mit knapp fünf Kilo Fisch, die nicht mehr im Gefrierschrank, geschweige denn in den Mägen der Familie unterzubringen sind? — Richtig, man disponiert: Zwei der Jungwale nahm mit triefenden Lefzen ein kulinarisch hoch begabter Nachbar ab, der sofort herbei eilte, als wir ihn telefonisch zu Hilfe riefen. Vier kleinere fanden trotz Platzmangels doch noch ihre eisigen Gräber in den Bäuchen der Liebherren. Die größte der Forellen wurde zum Zwecke des sofortigen Verzehrs im Inneren eines Salzberges in den Herd geschoben und die letzte verbleibende Fischleiche filetierte ich zum eigenen Erstaunen in Windeseile, so dass nun Herr Mens zwei wunderbare, frisch gebeizte Forellenfilets beherbergt, die ich den nächsten Tagen wohl alleine verzehren werde müssen, weil vom Nachwuchs dabei keine nennenswerte Hilfe zu erwarten ist und weil die beste aller Ehefrauen in diesen Tagen dem Zeitgeist frönend die Nahrungsaufnahme bis zum Ende der katholischen Fastenzeit verweigern will. Das aber ist eine andere Geschichte.

Da ich ja versprochen hatte, hier keine Rezepte oder Herstellungsfotos zu veröffentlichen, schließe ich diesen tragischen Bericht mit einem passenden Schnappschuss ab, der nach Abschluss der Arbeiten im Leib des Taunuskutters entstanden ist. Der Herr sei ihrer beider Seelen gnädig.

Lecker Fisch nach dem Filetieren und lecker Fisch im Salzmantel

Übrigens: Zum Thema »Brave New World« gibt es bei E-Script noch weitere 28 Geschichten. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1205254723

Kommentare

Finola?

Link zu diesem Kommentar Finola, 12.3.2008 um 8:33 h:

Also mir gehen die Kochsendungen auf den Keks. Ich schalte prinzipiell um bzw. die Glotze meist gar nicht an. Ich hasse Rezepte die 1001 Zutat haben und dann doch blos "durchschnittlich gut" schmecken. Den Rest der teuer gekauften Sondergüter hat man dann zuhause rumliegen bis das Fälligkeitsdatum abgelaufen ist und das ganze mit einem Seufzer im Müll landet.

Übrigends bin ich letzte Weihnachten beinahe wahnsinnig geworden im Buchladen. Wollte einfach nur ein normales Buch mit Muffins-Rezepten. Habe beim durchwühlen von unmassen Kochbühern von sogenannten Stars (die den Herd nur sehen um Kohle für's Buch einzustreifen - ansonsten gehen die doch in Restaurant oder lassen kochen) recht schnell die Lust verloren. Ein blödes Grinsgesicht nach dem anderen, größtenteils von Namen die mir anti-medien-maniac gar nichts sagten.

Nicht nur das Fernsehen, nein überall wird derzeit Geld über das Grundbedürftnis Essen gescheffelt.

Ganz davon abgesehen... die Fischlein sehen ja grausig ausgebeint aus. Warum angelt Junior und Kumpels denn wenn die selber kaum was essen?

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 12.3.2008 um 15:25 h:

Selbst mit Fischgräten kann man Mio verdienen, denkt doch
nur an das LOGO von fishbone.--
Aber ich finde auch, man sollte nur angeln und die Fische töten, wenn man sie auch gut verwertet.
Angelspass muss über den sportlichen Aspekt hinaus auch als etwas Verantwortungsvolles -bei die Fische/Kinder- gebracht werden . Man(n) tötet schließlich Lebewesen.
Hier ist der sowieso schon überlastete Vater gefragt......

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 12.3.2008 um 22:20 h:

@Finola & Frau Muschel: Der flapsige Text ist wahrscheinlich irreführend. Der Sohn angelt schon mit Blick auf die Verzehrmöglichkeiten. Zumindest aus der Perspektive eines Dreizehnjährigen, also mit Aufrundungspotenzial. Frischen Fisch isst er auch gerne selbst. Aber bei Gebeiztem oder Geräuchertem streikt er.

Die fertig gebeizten Filets habe ich übrigens vor ein paar Minuten eingefroren. Die werden bei Gelegenheit als Tapas zum Cava gereicht.

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 13.3.2008 um 8:29 h:

Tapas und Cava ?
Wann sollen Finola,Kaschbär und meine Wenigkeit zum Schlemmen kommen ?

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 14.3.2008 um 8:30 h:

Au Sch......Spammers-waterloo
Dein elektronischer Wächter scheint Urlaub zu haben,Mr.B.
Ist wahrscheinlich selbst ins Casin* gegangen. (grins)
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende !

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 15.3.2008 um 23:12 h:

Was soll ich sagen, Frau Muschel. Das ist zur Zeit wie vor dem Eingang zu einer Disko: Der Türsteher verprügelt gerade gepflegt den einen oder anderen Randalierer, und währenddessen nutzen andere Unerwünschte die Gunst der Minute, um durch den unbewachten Türspalt ins Lokal zu schlüpfen.

Wenn hier ganz, ganz unten von 30 oder 40 abgewehrten Spammern pro Tag die Rede ist, dann sind das in Wirklichkeit geschätzte 300 bis 400. Über neunzig Prozent kommen nämlich gar nicht bis zu diesem Formular; die werden bereits im Vorfeld von den geschmierten Taxifahrern bewusst an der falschen Adresse abgeladen.

Ich wünsche natürlich ebenfalls ein angenehmes Wochenende. Und bitte grämen Sie alle sich nicht, wenn Sie an meinem Türsteher nicht vorbeikommen sollten. Ich habe derzeit leider ganz besonders strikte Zutrittsregeln erlassen müssen.

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