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Montag, 17.3.2008

Smart People

Igolvy, Narkos, Raps & Insider

Im Großen Besprechungsraum der Werbeagentur Igolvy, Narkos, Raps & Insider sitzen vier schwarz gekleidete Gestalten um einen überdimensionierten Konferenztisch hinter dem raumhohen Fenster mit Alsterblick: Leo Bernatt, Gründer, Hauptaktionär und Geschäftsführer der Agentur; John N'Kogo, Shooting Star und Guru der Werbebranche seit dem legendären Erfolg seines Geniestreiches mit dem Werbeslogan »Umu macht sauber«, der seit sechs Monaten für ein siebenstelliges Jahresgehalt als Kreativdirektor bei I, N, R & I denkt; Mandy Berger, blondes Texttalent aus Leipzig mit großer Oberweite Klappe; und Marco P. Leonhardti, der eigentlich Markus Leppermann heißt, sich aber unter dem Pseudonym – speziell wegen des individualistischen dt – als Praktikant bessere Aufstiegschancen in der Branche verspricht. An diesem Abend geht es um die Vorbereitung eines Milliarden-Euro-Pitches, den die Agentur unbedingt an Land ziehen will.

An den Wänden hängt Großformatiges im rasanten Breitpinselstrich von Jonathan Meese, mitten auf dem Tisch stehen ein goldener Kelch und eine Silberschale. Leo nippt am kalten Kaffee in der Alessi-Tasse und blickt seinen Mitstreitern einem nach dem anderen bedeutungsschwanger in die Augen: »Das ist der Superdeal, Leute. Die Eins-A Adresse schlechthin. Wer die im Kundenportfolio hat, ist der Größte. Ich erwarte vollen Einsatz, die letzte kreative Krume aus Euren Kleinhirnrinden, den kompletten kreativen Payoff. Ist das klar, Leute?«

MANDY: »Mach ma' langsam Leo. Bevor wir hier ins Deep Level Brainstorming einsteigen, sollten wir vielleicht erst ma' mit den Basics anfangen. Bestandsaufnahme, oder was meint Ihr?«
JOHN: »Yes, basics first!«
LEO: »Sehr gut, John. Erinnere mich morgen daran, Dein Gehalt zu verdoppeln.«
MANDY (mit konzentriertem Blick auf das Briefing vor ihr auf dem Tisch): »Das Branding von denen ist ja schon mal allererste Sahne. Kreuz und Fisch kennen wahrscheinlich weit über neunzig Prozent der Menschheit.«
LEO (tippt mit der Bleistiftspitze Stakkato auf den Tisch): »Genau. Und an der Strategie, wie die ihre Flagship Stores aufgezogen haben, gibt's auch nichts zu kritteln. In jeder größeren Stadt rund um den Globus 'ne Kathedrale.«
MANDY: »Wo Du das gerade sagst, Leo: Die Infrastruktur ist sowieso klasse; Outlets in jeder Ecke, selbst das letzte Kuhdorf hat noch ein Kirchlein.«
JOHN: »Ja, sogar in Afrika.«
LEO: »Sehr guter Hinweis, John. Danke. — Und auch das Eventmarketing der Kirche ist nicht ohne. Jeden Sonntagvormittag Chillen vor Ort angesagt, das hat was.«
MANDY: »Und erst die ganzen saisonalen Events und Community Trips: Denkt mal an die Milliarden von Menschen, die jetzt in den Wochen vor Ostern Fastenkuren mehr oder weniger nach katholischem Muster durchziehen. Daraus sollten wir was machen, was meint Ihr? Eine hippe Message an die Massen …«

JOHN: »Wir machen schlank!«
LEO (schwärmerisch): »Oh, John, du bist unbezahlbar!«
MANDY: »Wir schnallen den Gürtel enger!«
LEO (euphorisch): »Halleluja!«
MARCO (skeptisch): »Also, ich weiß nich', Leute. Ob das dem Kunden gefallen wird? ›Wir schnallen den Gürtel enger‹? Am Stammtisch in den Weihnachtstagen in Deutschland geht das vielleicht noch …«
JOHN: »Ja, aber weniger in Afrika.«
LEO: »Ausgezeichneter Hinweis, John. Vielen Dank. — Mutiger Ansatz, das mit dem Fasten, aber für das breite Publikum zu abgefahren. Wir sollten in eine andere Richtung denken.«

MARCO (zeigt auf den Kelch und die Silberschale auf dem Konferenztisch): »Was ist da eigentlich drin?«
LEO: »Product Samples, Leute; bedient Euch, greift zu.«
JOHN (angelt eine Hostie aus dem Kelch, knabbert daran): »Schmeckt wie Afrika.«
LEO (sagt erst mal nichts, weil er damit beschäftigt ist, durch einen zum Röhrchen gerollten Fünfhundert-Euro-Schein Weihrauchbrösel aus der Silberschale zu schnupfen): … schnief! …
MARCO: »He, Weihrauch ist krebserregend, da ist Benzopyren drin!«
MANDY: »Immer cool bleiben, Marco. Was glaubst du, warum die das Zeug in den Kirchen verkokeln? Ich sag nur: Bewusstseinserweiterung durch THC! Oder wie erklärst Du Dir den vergeistigten Blick der Katholen?«
MARCO (mit Blick auf Mandys Dekolletee, plötzlich errötend): Äh, ja, Bewusstseinserweiterung …

LEO (hustet): »So, jetzt blast Euch nochmal die Facts durch die Gehirnwindungen, ich will hier und jetzt sofort ein Feuerwerk an Ideen abbrennen sehen.«
MARCO (ehrlich bemüht, einen inhaltlichen Beitrag zu leisten): »Vielleicht machen wir was mit den Aposteln? Testimonials von Paulus, oder von Johannes, oder wie die alle heißen …«
MANDY (deren ex-deutsch-demokratischer Abstand zur Religion durchschlägt): »Johannes? Wader, oder wer? Heute hier, morgen dort? Oder was?«

JOHN (sinnierend): »›Heute hier, morgen dort‹? Aber was kommt danach?«
LEO (brüllend): »Das ist es! Yes, das ist es, Leute! ›Heute hier, morgen dort. Aber was kommt danach?‹ — Rakete! Der Deal gehört uns.«

Und so kam es letztendlich, dass John N'Kogo, ehemaliger Asylant und Raumpfleger in Deutschland nach einer großartigen, europäischen Tellerwäscherkarriere als erster Quereinsteiger in den Vatikan einzog und als erster farbiger Papst in die Geschichte der Menschheit einging; ein Papst, der durch Besonnenheit, Schweigsamkeit und Zurückhaltung zu beeindrucken wusste.

Mehr über Smart People:
Eine gute Investition (10.12.08)
Der Atomkuss (26.11.08)
Igolvy, Narkos, Raps & Insider
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Partnerleasing (3.10.07)
Zwanzig Jahre clevere Karten? (7.6.04)
Mein Haus, mein Auto, mein Boot (26.5.04)

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1205733601

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Kristof, 19.3.2008 um 9:53 h:

Ist der bayrische Papst schon wieder tot?

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 19.3.2008 um 20:30 h:

Bin mir nicht sicher. Aber ich glaube, er lebt noch. — John N'Kogo ist der Mann der Zukunft. Die geschilderte Begebenheit ist das Resultat eines Blickes in die Glaskugel.

Link zu diesem Kommentar Scepsis, 23.3.2008 um 17:16 h:

Hat dir deine Glaskugel auch verraten, dass dein RSS-Feed nicht mehr funzt? *grübel*

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 6.4.2008 um 22:38 h:

Die Glaskugel hat es mir leider verschwiegen. Aber dank deines Hinweises und nach mehrstündiger Recherchen habe ich entdecken müssen, dass das kaufmännische & in Überschrift und Text im Feed nicht so gut ankommt. Ist jetzt repariert und kommt hoffentlich nicht wieder vor.

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