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Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Dienstag, 25.3.2008

Dr. E. Script erklärt die Welt

Die deutsche Vаginа

Einen ungeheuren Popularitätsschub erfuhr dieses Journal vor einigen Tagen, nachdem es einem unerkannt gebliebenen Spammer gelungen war, sich durch den für derlei Gesindel verbotenen Türschlitz zur Kommentarfunktion zu schleichen und dort nicht etwa wortkarg die handelsüblichen Links auf Schmuddel- oder Pharmaseiten zu hinterlegen, sondern statt dessen das Wort Vаginа in verschiedenen Schlagwortkombinationen etwa fünfzig Mal zu wiederholen natürlich mit dem ersten Buchstaben des deutschen Alphabets an Stelle der beiden kyrillischen а, die ich hier verwende, um einem Déjà Vu monumentalen Ausmaßes zu entgehen. Innerhalb weniger Stunden war die Seite einschließlich des gynäkologischen Vokabulars durch Google indiziert und zum absoluten Schlager der internetzlich Hilfesuchenden geworden. Die Zugriffszahlen schossen wie Atompilze in die Höhe, erreichten nach wenigen Stunden bereits das Zigfache der sonst üblichen Monatswerte; der Ansturm der Massen ließ den Webserver des Providers erbeben.

In einer der beliebtesten Fragevarianten, die Google zu mir durchstellte, erkundigten sich die Besucher nach der deutschen Vаginа. Da bereits nach kurzer Zeit durch Zensur die wenig hilfreiche, alliterative Verunreinigung des Spammers in den Kommentaren wieder beseitigt war und sich ansonsten keinerlei Hinweise auf weibliche Geschlechtsorgane auf meinen Seiten befand, komme ich jetzt nicht mehr umhin, dazu einige klärende Worte zu schreiben.

Meine Nachforschungen haben ergeben, dass die Ratsuchenden in breitester Mehrheit nicht etwa aus dem Ausland stammten, sondern innerhalb Deutschlands zum vermeintlichen Objekt ihrer Begierde angereist waren. Dies war den Zugriffsprotokollen zweifellos zu entnehmen. Meine erste Vermutung, es könne sich um nicht-deutsche Interessenten an deutscher Anatomie handeln, war rasch widerlegt.

Wonach aber suchten all diese Leute? Meine nächstbeste Theorie unterstellte den Passanten, sie pflegten Ressentiments gegen alles Nicht-Deutsche, würden also eine Frau nicht einmal ansehen, wenn deren Einzelteile nicht aus deutscher Produktion stammten. Ewig Gestrige auf der Suche nach der Zopf tragenden, echten Blondine namens Gretel oder Eva? Leider musste ich auch diese Annahme aufgeben, nachdem ich die Zugriffszahlen noch einmal in Augenschein genommen hatte. Wären diese Suchenden politisch extrem rechts orientiert gewesen, dann hätten wir jetzt in Hessen ganz sicher keine geschäftsführende Landesregierung unter Roland Koch, sondern einen Ministerpräsidenten namens Marcel Wöll, der mit einer komfortablen, absoluten Mehrheit regieren könnte. Nein, solche deutschen Vаginаe konnten sicher auch nicht gemeint sein.

Schließlich erkannte ich, dass die Suche nicht dem tatsächlich bezeichneten Gegenstand gelten konnte, sondern metaphorisch zu verstehen sein musste: Die Vаginа nicht als Körperteil, sondern als Versinnbildlichung der Frau. Ja, das ergab Sinn und erklärte nun auch schlüssig die ungeheure Menge der Interessenten. Die Leute suchten verzweifelt nach der deutschen Frau schlechthin!

Mit dieser Feststellung sind wir nun endlich an dem Punkt angelangt, an dem wir zur Beantwortung der Frage schreiten können. Wer ist »die deutsche Frau«?

Als mögliche Antwort böte sich natürlich sofort Frau Merkel an. Wer könnte begründeteren Anspruch darauf erheben, die deutsche Frau zu sein, als unsere Kanzlerin Angela? Vielleicht noch die Familienministerin Frau Ursula van der Leyen mit ihren sieben Kindern? Mit Blick auf das politische Parkett käme auch Frau Gabriele Pauli in Frage, die einige leitende Herren in ihrer damaligen Partei ziemlich alt aussehen hatte lassen. Und unter Gesichtspunkten der Aktualität könnte ich möglicherweise Frau Charlotte Roche anbieten, die wegen ihres akuten Romanerfolgs mit Hardcore-Themen sogar dem ursprünglichen Suchwort am nächsten kommt.

Die wahre Miss GermanyWem aber all diese Vorschläge nicht gefallen wollen, dem stelle ich jetzt die deutscheste aller deutschen Frauen vor:
Das da links auf dem Bild ist die heimliche Miss Germany, die diesen Titel eigentlich seit Jahren bis zum heutigen Tag tragen müsste, obwohl sie ihn noch nicht einmal im Jahr 2002 erhalten hatte. Tatsächlich wurde vor sechs Jahren die damalige Miss Berlin zur Miss Germany gekürt, obwohl die Mehrzahl aller Befragten sich damals eindeutig für die junge Frau auf dem Foto ausgesprochen hatten.
Deren einziger Makel besteht darin, dass sie nicht existiert, sondern ein Kunstprodukt der psychologischen Fakultät der Uni Regensburg ist. Die hatten das Gesicht aus den Fotos aller Bewerberinnen in 2002 grafisch durch Morphing hergestellt.

Ich frage: Ist eine würdigere »deutsche Vаginа« vorstellbar?
 

Ich weiß ja nicht, ob Sie's schon wussten, bin aber hoffnungsschwanger, Ihnen weiter geholfen zu haben.

Verbindlichst, Ihr
Dr. E. Script

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1206428401

Kommentare

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 25.3.2008 um 8:01 h:

Aus persönlichen Gründen ist mit Antworten des Autors an dieser Stelle nicht vor der zweiten Aprilwoche zu rechnen. Benehmen Sie sich dennoch, mehrere Argusaugen wachen über diese Seiten!

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 4.4.2008 um 12:34 h:

die mittels Morphing erstellten Gesichtszüge sind zwar nett, aber sie sieht im Ausdruck etwas traurig aus.
Wollen wir hoffen, dass die -deutsche Frau-
ein wenig fröhlicher 'dreinschaut.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 7.4.2008 um 0:14 h:

Der traurige Gesichtsausdruck ist offenbar dadurch zu erklären, Frau Muschel, dass es den Missen während der Aufnahmen durch die Uni Regensburg untersagt war zu lächeln. Vielmehr mussten sie sträflingshaft geradeaus blicken und durften auch sonst keine Reize einsetzen. (So nachzulesen auf den oben verlinkten Uniseiten.)

Trauer zum Wohle der Forschung also.

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