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Mittwoch, 4.6.2008

Brave New World

Playoff

»Falls Barack Obama auch die beiden nächsten Vorwahlen für sich entscheiden sollte, besteht für Hillary Clinton nur mehr eine theoretische Chance, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu werden.« — Das hören wir jetzt mindestens seit drei gefühlten Jahren im Tagesrhythmus in den Nachrichten, egal ob Obama nun die trillionste Vorwahl gewonnen hat. Wie viele Bundesstaaten haben die USA eigentlich? Ich dachte bisher immer, es seien nur fünfzig? Und dann kommt von hinten links noch Puerto Rico dazu. Wieso eigentlich Puerto Rico?

Ich kann's nicht mehr hören. Unerträglich ist das. Diese US-amerikanischen Vorwahlen sind mindestens genauso schlimm wie die Playoffrunden im Basketball oder Eishockey: Da kann ein Team in einer Partie noch so fürchterlich untergehen, es besteht immer noch eine theoretische Chance, dass es doch noch ins Finale einziehen könnte. Das nimmt einfach kein Ende.

Deshalb habe ich mich auch nie so richtig mit dem Tennis anfreunden können. Da kann einer seinen Gegner in den beiden ersten Sätzen mit jeweils 6:0 vom Court fegen und dann trotzdem noch das Match verlieren mit 5:7, 5:7, 5:7 in den drei Folgesätzen. Es geht immer wieder von vorne los. Unerträglich ist das, nee. — Bei dieser Gelegenheit: Was macht eigentlich Boris Becker? Ist der inzwischen womöglich Besenkämmerer im Buckingham Palast und bewohnt ein großzügiges Wohnzimmer in Wimbledon? Forty–Love Becker?

Mir ist der Fußball lieber. Da gibt es den Moment der Wahrheit: Selbst mit Halbzeit- und Verletzungspausen, mit Nachspielzeit und Spielunterbrechung ist zuverlässig nach eineinhalb Stunden Schluss, wenn eine Mannschaft auch nur um eine Ballesbreite hinter der Torlinie in Führung liegt. Das ist überschaubar. Und ehrlich. Nix mit Playoff.

Darum finde ich, die Amerikaner sollten ihre Polit-Playoffs abkürzen. Dazu könnten wir Deutschen sogar einen Beitrag leisten. Zum Beispiel mit unserem über alle Zweifel erhabenen Herrn Klaus Zumwinkel. Ich meine, was hat der Mann denn noch viel zu tun? Der langweilt sich doch nur beim Geldzählen, wenn er all seine steuerfreien Konten in der Schweiz, in Liechtenstein, auf den Kaimaninseln und den Bahamas abgegrast hat. Die Amerikaner könnten gut vom zumwinkligen Erfahrungsschatz profitieren. Der würde ihnen in null Komma nichts die Telefonate all der Wahlmänner abhören lassen und ein ehrliches Bild der Stimmungslage zu den Vorwahlen präsentieren und dabei noch als Dreingabe ein paar Tipps zur von der Steuer unbelasteten Wahlkampffinanzierung geben. — Lernen vom Wissen der älteren Generation. Gebt Frührentnern eine Chance. Best-agers an die Front, »Abschied vom Jugendwahn«!

Ist doch wahr: Als ich klein war, gab es all das moderne Brimborium nicht, die ganzen Bläistäischäns und SchülerVauZetts und Eipotz. Da saßen wir nicht ganze Tage, Wochenenden und Nächte vor Bildschirmen, wir saßen auf dem Boden (denn Stühle gab es damals auch noch nicht) und langweilten uns ganz fürchterlich. Wenn es uns zu arg wurde, dann gingen wir nach draußen; ja ehrlich, das taten wir, weil dass uns Ozonlöcher auf den Kopf fallen könnten, das fürchteten wir damals nicht. Und unser ganzer Stolz waren unsere Fahrräder. Das waren noch echte Fahrräder. Ohne Schnickschnack, keine Shimanoschaltung, kein Gelsattel, keine Teleskopgabeln und kein USB-Anschluss. Unsere Fahrräder hatten noch nicht mal GPS-Navigation, unvorstellbar für unsere Kinder und Enkel. Wir mussten damals sogar noch richtig in die Pedale treten.

Und heute sind wir auf einmal Best-agers und bezahlen einen Euro fünfzig für den Liter Benzin und eine Gasrechnung, die an den Ölpreis gekoppelt ist. — Außer wir beziehen den Haushaltsbrennstoff von BürgerGAS. Dort ist das Gas noch günstig, die Verträge fair und der Preis nicht an das Öl gebunden – heißt es. Wie die das machen, ist mir noch nicht ganz transparent. Ich tippe darauf, dass die Blondine auf der Website uns das Gas ölkoppelungsfrei nach Hause furzt. Man entschuldige die drastische Formulierung, aber eine andere Erklärung habe ich nicht.

BürgerGAS, Biogas. Das liegt doch auf der Hand, oder?

Hand aufs Herz: Wäre es nicht viel schöner, wenn auch die Amis mal einen Kanonenfurz lassen würden auf all das Wahlmänner- und Superwahlmännergedöns? Und wir auf unsere Zumwinkels und von Pierers und Ackermänner? Es lebe das Bürgergas.

Play off. — Spiel aus?

Übrigens: Zum Thema »Brave New World« gibt es bei E-Script noch weitere 28 Geschichten. Interessiert? — Titelliste einblenden.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1212555601

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 4.6.2008 um 8:08 h:

Weg mit Obama und Clinton :
Mr.B for president !
Meine Stimme hast du.
Falls du noch ne persönliche Referentin suchst ..?..

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 6.6.2008 um 23:15 h:

Nee, Frau Muschel, bloß das nicht. Bin ja schon mal bei Gelegenheit angesprochen worden, ob ich mich nicht hier in der Regionalpolitik engagieren möchte. Wer meinen Terminkalender kennt, kann erahnen, warum ich derlei Ansinnen strikt abgelehnt habe. Das is' gar nix für mich. Was der Barack und die Hillary da aufgezogen haben in den vergangenen Monaten, ist mir ein absolutes Gräuel. — Mit oder ohne persönlicher Referentin.

Ich bleibe da doch lieber in meiner kuscheligen, höchst unbekannten Ecke des Internetzes. Hier gibt es wenigstens keine Playoffs.

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