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Montag, 18.8.2008

Besserwisserei

China und die Bonner Hartschalenfrucht

Wo finden sie denn nun statt, die Olympischen Spiele? Dass wir jetzt Beijing statt Peking sagen sollen, geht vielen genauso gegen den Strich, wie das Ansinnen, zum Beispiel das Frankfurter Waldstadion nur mehr Commerzbank Arena zu nennen. Als Privatpersonen sind wir glücklicherweise nicht an offizielle Nomenklatur gebunden und bleiben daher unverfroren bei Peking und Waldstadion.

Schwieriger wird es hingegen, wenn es um das Austragungsland der Spiele geht. Wird derzeit um olympisches Edelmetall in Kina (so wie es die Bayern aussprechen), in Schina (zum Beispiel die Hessen nennen das Reich der Mitte so), in Tschina (in Anlehnung an die angelsächsische Aussprache), oder in China (ausgesprochen wie geschrieben mit einem Ich-Laut) gekämpft?

Nach den offiziellen Ausspracheregeln ist die letztgenannte Variante richtig, also China mit ch wie im Wort ich. Das heißt aber nicht, dass die gleiche Regel auch für alle anderen deutschen Wörter gilt, die mit einem ch beginnen. Die meisten ch-Wörter griechischen Ursprungs oder auch deutsche Eigennamen spricht man nämlich mit k aus: Karakter für Charakter, Kor für Chor, oder Kiemsee für den Chiemsee. Mit sch ausgesprochen werden hingegen Wörter angelsächsischer und französischer Herkunft, also zum Beispiel Schef für Chef.

Richtig im Sinne der deutschen Bühnenaussprache muss es demnach heißen: »Der karismatische Chemiestudent aus China sang karaktervoll im kolerischen Kemnitzer Kor.« Die schinesische Schemie aus dem Munde meiner Töchter kann ich also bestenfalls als mundartliche Entgleisung durchgehen lassen.

Nachdem diese Diskussion nun ein für alle Mal vom Tisch ist, muss ich bei der Gelegenheit unbedingt noch auf eine weitere Unsitte hinweisen, die ich zuerst beim Belauschen meiner lieben Kleinen, zu meinem Entsetzten in letzter Zeit aber auch bei geschulten Sprechern, etwa in den Radionachrichten habe wahrnehmen müssen: die norminadäquate, harte Aussprache von Konsonanten.

Mein Tochter trinkt seit einiger Zeit ihren geliebten Orangensaft nämlich am liebsten aus einem Klass, nicht aus einem Glas. Und in den Nachrichten musste ich mir unlängst mehrmals vom Austragungsmodduss und von Bonnussmeilen-Skandalen berichten lassen; als ob es sich da um Modder handelte, oder um Bonner Hartschalenfrüchte.

Ich meine, geht es noch? Beenden diese fehlgeleiteten Plaudertaschen ihr Tagwerk etwa auch im Schlaffzimmer?

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1219039201

Kommentare

amadea?

Link zu diesem Kommentar amadea [@], 23.8.2008 um 12:17 h:

Haha...und sagt Ihr nicht auch Betong zum Beton? Klingt wie ein chines. Fluss.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 23.8.2008 um 13:19 h:

Sehr gut, die Amadea ist da. Genau die Richtige, die Expertin, die hier gefehlt hat. Wie spricht man jetzt eigentlich »China« in Salzburg aus? Oder in Wien? Mit K wie über die Grenz' in Bayern?

Außerdem: Ja, je weiter in den Norden man kommt, desto mehr chinesische Gongs gibt es. Betong, Balkong, Fassong, King Kong,

P.S.: Dein G'schichterl über die Hundegackerl mit G hat mir übrigens auch gut gefallen. Passt ja auch irgendwie zum Thema Aussprache.

Gerlinde?

Link zu diesem Kommentar Gerlinde [@], 24.8.2008 um 10:21 h:

Nun ja, wie man China in Salzburg ausspricht, weiß ich nicht. In Wien ist es so, dass es sich bei den Weanern eher nach K anhört, während der Wiener es als CH ausspricht. Ansonsten kann man auch hier feststellen, dass die Leut' zunehmend die Schriftsprache sprechen - d.h. sie sprechen genau so, wie sie falsch rechtschreiben :-)

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 24.8.2008 um 21:39 h:

Vielen Dank für die Erhellung, Frau Gerlinde. Wobei mir Ihr Kommentar mit der mir bislang unbekannten Differenzierung zwischen »Wienern« und »Weanern« noch mehr Fragen aufzuwerfen scheint, als ich mir vorstellen konnte. Und das alles nur wegen den Saupreiß'n, den kinesischen  =;o)

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