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Sonntag, 21.9.2008

Schmierentheater

Und kein Internet!

Freitagabend in Frankfurt. Am Main. Satire und Kabarett seit 1950: Die Schmiere im Karmeliterkloster. »Komm doch endlich!« heißt das Programm. Ich, nach einem langen, mühseligen Arbeitstag gründlich unwillig zu kommen; ein Bier auf der heimischen Terrasse wäre mir eigentlich lieber gewesen. Aber ich bin ja nicht so. Irgendwann muss man ja auch mal raus.

Wir sitzen auf einem Sammelsurium ehemals von Besuchern mitgebrachter Stühle unterschiedlichster Herkunft und Bequemlichkeit, in der Pause geht es hinter die Bühne zur Bar. Sechziger-Jahre-Flair in der Lokation und auf der Bühne gleichermaßen. Die Qualität der Sketche: durchaus durchwachsen. Manchmal applaudieren wir aus reiner Höflichkeit. Weil die da vorne so nett sind. So nett und so zum Anfassen.

Die Schmiere: Matthias Stich und Klaus TessnowAber als Matthias Stich und Klaus Tessnow im Säuglingsoutfit und ausgerüstet mit überdimensionalen Schnullern und Rasseln ein Klagelied auf ihr schweres Los als unverstandene Kleinmenschen anstimmen, da haut es mir definitiv den Sender raus: »Eine Scheiße ist das! Und das geht jetzt so die nächsten achtzehn Jahre lang«, beklagen sich die beiden.

Als Matthias Stich, der Matrosenhut links im Bild, frustriert mit der Rassel auf den Tisch klopft und aufzuzählen beginnt, »…kein Fernsehen…«, und Klaus Tessow neben ihm mit dem schicken, gebördelten Mützchen den verzweifelten Blick gen Himmel lenkt und mit schwarzem Bartschimmer im Gesicht und klagendem Timbre in der weinerlichen Stimme winselt, als sei soeben seine Mutter verschieden: »…und kein Iiinterneeet!…« —

— Ja, in diesem Moment ist es um mich geschehen. Ich rutsche vom Stuhl zu Boden, Tränen rinnen mir aus den Augen, ich werde hysterisch. — Die Szene hat mich bis heute nicht losgelassen, geträumt hab ich von ihr in der Nacht.

Und kein Iiinterneeet!

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1221980401

Kommentare

amadea?

Link zu diesem Kommentar amadea [@], 24.9.2008 um 17:10 h:

Ganz schlimm, aus Höflichkeit zu applaudieren. Ich bekomm da Mitleid mit den Akteuren und fühl mich ganz unwohl, so als ob ich da auf der Bühne wär.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 24.9.2008 um 22:50 h:

Hast Recht, Amadea. Wir Zuschauer waren wohl hin und her gerissen zwischen dem eigenen Urteil und der merkwürdigen, programmatischen Ankündigung im Untertitel des Programms: »Das schlechteste Theater der Welt«

Aber gegen Ende haben sie es ja noch echt rausgerissen. Zum Beispiel mit dem zitierten, genialen Babyauftritt, der mich schlicht umgehauen hat. — Da kam dann unser Applaus echt von Herzen.

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