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Dienstag, 14.10.2008

Polit·Ticker

Mein unmoralisches Angebot

Brief an die Bundesregierung

Verehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Steinbrück,
 
dem Studium verschiedener Presseorgane während der letzten Tage und Wochen verdanke ich die Erkenntnis, dass Sie derzeit auf der Suche nach »faulen Immobilienkrediten« sind. Die lägen derzeit im Trend, sagen Finanzexperten in der jüngeren Vergangenheit immer häufiger. Und seien wir einmal ehrlich: Es ist doch alles auch eine Frage des internationalen Prestiges. Selbst das gegen Ende der Amtszeit des Präsidenten Bush arg gebeutelte Amerika besitzt um Längen mehr marode Immobilien als der deutsche Staat. Ich verstehe sehr gut, dass Sie dieses Ungleichgewicht aus der Welt schaffen wollen. Wo kämen wir denn da hin, wenn sich das Land der Häuslebauer in Hinblick auf eine ihrer Kernkompetenzen von jeder daher gelaufenen Nation den Rang ablaufen ließe?

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen einen Vorschlag unterbreiten. Seit einigen Jahren bin ich ist die Bank meines Vertrauens im Besitz einer sehr deutschen Fachwerkimmobilie in bester Lage im deutschen Kernland. Dank einer kleinen Unaufmerksamkeit des mit der Restaurierung beauftragten Bauunternehmers ist nun der Holzanteil des Fachwerks in nicht mehr ganz tadellosem Zustand. Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Mindestens einer der Balken ist derartig morsch, dass die Bausubstanz in ihrem Erhalt gefährdet ist. Diese Immobilie ist faul bis ins Mark!
 
Faules Fachwerk

An dieser Stelle kommen wir zum Filetstück meines Vorschlages. Meine Immobilie ist noch lange nicht abbezahlt. Ich biete Ihnen also die einmalige Gelegenheit, einen im wahrsten Sinn des Wortes faulen Immobilienkredit zu übernehmen. Sie sollten nicht lange überlegen, sondern diese einmalige Gelegenheit ohne Kaudern Zaudern ergreifen.

Bedenken Sie: der Mitbewerb schläft nicht; da das fragliche Grundstück auf dem Gebiet eines ehemaligen Stützpunktes der US-Army liegt, werden sicher auch die Herren Obama oder McCain bald die sich bietende Chance wittern. Die Nachbarschaft tuschelt, Frau Palin sei hier in den letzten Tagen bereits gesichtet worden.
Möglicherweise wird meine faule Immobilie bereits zentraler Gesprächspunkt des nächsten TV-Duells der beiden Konkurrenten sein. Das Argument »Amerika wird auch am Taunus verteidigt« könnte sich im US-Wahlkampf als genau so schlagkräftig erweisen wie die oft bemühte Verteidigung Deutschlands am Hindukusch.

Frau Merkel, Herr Steinmeier, ich bin sicher, wir würden uns finanziell einig werden. Meine Vorstellungen liegen deutlich unterhalb der 500 Milliarden Euro des geplanten Finanzmarkt-Rettungspaketes. Selbst die Hypo Real Estate wollte mehr, als ich erwarte. Ich könnte Ihnen sogar soweit entgegen kommen, inoffiziell eine Verhandlungsbasis zu signalisieren, die unterhalb des Volumens des Risikoschirms liegt, den im vergangenen Jahr die staatliche KfW der IKB zur Verfügung stellte. Und das ist heutzutage ein Erdnüsschen Schnäppchen, wie Sie sicher bestätigen werden.

Bevor alle Stricke reißen, wäre ich sogar dazu bereit, Ihnen ein verbrieftes Mitspracherecht in Haushaltsfragen einzuräumen. Die Frage der Farbgebung der neuen Küche nach meinem Aus- und Umzug steht beispielsweise noch offen.

Beweisen Sie Bürgernähe! Für Ihre Fragen stehe ich Ihnen selbstredend gerne zu Verfügung.

 
Mit freundlichen Grüßen

Sie lasen den Baukackblogger
 
Teil 7 von 7

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1224021538

Kommentare

blogotronic?

Link zu diesem Kommentar blogotronic [@], 15.10.2008 um 1:13 h:

das nennt man galgenhumor... der balken sieht selbst für einen laien ungesund aus.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 16.10.2008 um 7:20 h:

Gell? Das Teil ist ziemlich blass unterm Rouge. Schlimm ist allerdings, dass unter der Blässe Nässe und Fäulnis lauern. Aber solange der Balken noch nicht bezahlt ist, nehm ich's so gelassen wie möglich.

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