Leser seit April 2002
Gedanken, Geschichten, Ansichten und Einsichten. Beinahe ein Journal.


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Samstag, 7.2.2009

Crisis? What Crisis?

475 Öcken!

Das muss man sich mal vorstellen, langsam und zart schmelzend auf der Zunge zergehen lassen. 475 Euro sind nämlich für uns alte Germanen fast 950 DM. Ein schlapper Tausender! — Verehrte Leser, wir schalten einmal ganz kurz zu unserem Korrespondenten in den früher-war-alles-besser Modus:
 
<FRUEHER>
Vor dreißig Jahren habe ich für mein zweites Auto genau tausend Mark hingeblättert; für ein tadelloses VW-Käfer Chassis, rostfrei, bei dem nur der Motor hinüber war, den ich aber nach Lösen von drei Siebzehnerschrauben problemlos in Handarbeit gegen den einwandfreien VW-Motor meines ersten Autos ausgetauscht habe. Tausend Mark für ungebremste Mobilität in den Achtzigerjahren.
Damals gab es für die Stunde Aushilfsarbeit an der Tanke oder beim Matratzenlieferanten zehn Mark glatt. Tausend Mark brutto gleich netto bekam ich also für hundert Stunden Knochenarbeit. Einhundert Stunden, dreizehn Tagesschichten, zwanzig Wochenenden Robotiroboti.
Eine alte Frau muss dafür lange stricken, haben wir damals gewusst.
</FRUEHER>

 

475 Euronen hat der örtliche Zweiradfuzzy letzte Woche für den Drahtesel von Tochter eins eingestrichen. Im Sonderangebot, weil Winter. 475.

Lieber Herr City Bike, wo bleibt denn da der Fun? Man muss schon über ausgeprägten Humor verfügen, um eine Preissteigerung von 500 Prozent innerhalb von dreißig Jahren witzig zu finden. Im Sonderangebot, wohlgemerkt. <FRUEHER>Weniger als zweihundert Mark hatte ich nämlich ein paar Monate nach dem Handel mit dem Käferchassis beim Fachhändler für ein Fahrrad ausgegeben, das dem aktuellen Modell meiner Tochter gar nicht mal so unähnlich war. Nur dass es einen Dynamo besaß statt Akkulampen. Und es war rot, nicht mattschwarz.</FRUEHER> Matte, schwarze Farbe und Akkulampen sind offenbar sehr teuer.

Der geneigte Leser fragt sich wahrscheinlich, warum ich so bescheuert bin, den historischen Tausender fürs Fahrrad hinzulegen und mich danach hier auszukotzen. Hat mich etwa jemand gezwungen, das Ding zu bezahlen?

Eins zu null für den Leser, das gebe ich zu. Allerdings erinnere ich mich sehr ungern an den letzten Fahrradkauf im Sommer des vergangenen Jahres. Da blätterte ich »nur« 169 Euro für das Zweirad des Sohnes hin, sozusagen zwischen Kohlrabiknollen und Nutellagläsern in der Drahteselabteilung des Lebensmittelgroßisten real,-.

Problematisch an diesem Schnäppchen war, dass es im Anschluss drei von vier Sommermonaten zwischen Badelatschen und Fischstäbchen in der real,-en Profiwerkstatt zubrachte. Und ein Großteil des verbleibenden Monats fiel noch auf An- und Abtransport zur und von der Werkstatt. Dafür sind 169 Euro nun doch wieder relativ viel Geld.
Ich vermute inzwischen, dass die Metallteile des Fahrrads hochprozentig mit Melamin versetzt sind, um einen höheren Proteinanteil vorzutäuschen.
 

Krise? Welche Krise? — Es ist offensichtlich, dass Deutschland heutzutage nicht nur willens, sondern noch immer wirtschaftlich in der Lage dazu ist, den Wert eines gebrauchten Kleinwagens in ein Fahrrad zu investieren. Beim alternativen Drahteseldealer hier vor der Höh' beobachtete ich ein silberrückiges Ehepaar, das gerade dabei war, zwei Modelle der Mittelklasse zu bezahlen. Als Herr Silberrücken dabei war, gut zweitausend Euro für die beiden Räder auf den Tresen zu zählen – so wie man das früher gemacht hat, in ordentlichen Fünfzigerstapeln à zehn Scheine –, erklärte die Ladeninhaberin mit Dollarzeichen in den Pupillen auf der Tonnebenspur, dass dann nach drei Monaten die erste Inspektion anstehe, für die nochmal fünfzig Euro fällig würden. Pro Rad. Natürlich.

Uns geht es gut. Hoffe ich jedenfalls.

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1234043586

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 9.2.2009 um 8:30 h:

Alles ist überteuert.
Habe am Samstag für einen Latte 2,50 und für einen Tee 2,80, umgerechnet 10,37 DM
bezahlt.
DAS finde ich auch irre.
Vielleicht wäre ein Bier günstiger gewesen....

Kristof?

Link zu diesem Kommentar Kristof [@], 15.2.2009 um 12:50 h:

In der Tat ist seit meiner Jugend einiges besser geworden bei der Fahradtechnik. Zum Beispiel reissen Bowdenzüge kaum noch. Was war das früher eine regelmäßige Mühe, die Dinger alle paar Monate wieder neu einzuziehen. Oder Lampenhalterungen, die auch die Lampe dauerhaft in eine Richtung halten. Gab es nicht. (Das sollte doch ein paar Hundert Öcken wert sein ... :-)

Link zu diesem Kommentar Kristof, 15.2.2009 um 12:52 h:

PS: Gibt es eigentlich einen zwingenden Grund, dass meine Email hier angegeben wird?

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 16.2.2009 um 23:40 h:

Nein, Kristof. Die E-Mailadresse ist sowieso nicht obligatorisch, aber möglicherweise interessant für die oder den, die gerne ihren Gravatar hier erblicken möchten.

Ich habe schon längst vor, die Angabe der Mailbox zu unterdrücken und nur den Gravatar anzeigen zu lassen, wenn eine E-Mail angegeben ist.

Momentan jedoch huste, spucke und – pardon – schleime ich derart herum, dass ich aus seuchentechnischen Gründen keine Tastatur berühren mag, es sein denn ich trüge Handschuhe wie gerade eben.

Die Änderung muss also noch warten.

@Frau Muschel: Ich befürchte, auch Bier ist kaum mehr bezahlbar. Ich warte ja darauf, dass nach den Preisen an der Tanke auch die Spritpreise in den Lokalen nach unten gehen.

Link zu diesem Kommentar Frau Muschel, 17.2.2009 um 8:57 h:

Gute Besserung ULF !!!

Bukomateur?

Link zu diesem Kommentar Bukomateur, 17.2.2009 um 10:58 h:

Also in "meiner" Kneipe zahlt man für n Helles 2,40, das Dunkle koscht 2,50, Weizen aller Art (sogar so widerliche Kombinationen wie Cola- oder Bananenweizen) 2,70, Pils 2,60, Guinnes 3,50. In "meiner" Tanke zahl ich für n gutes (!) Helles 1,29. Bei dem Getränkedealer meines Vertrauens muss ich 0,75 hinblättern. Der "Teuro" ist also relativ. Ich werte das meiste als schlichte Inflation. Es ist ja nicht so, dass sich die Löhne und Gehälter nicht auch gesteigert hätten. Zugegebener Maßen etwas unverhältnismäßig im Vergleich zur Teuerungsrate von Lebens-, Genuss-, Luxus- oder Fun-Artikeln. Aber nichtsdestotrotz – was ist wirklich teuer? Oder sollte man sich eher fragen: Was ist einem lieb und teuer?

Fragen über Fragen...

Grüße vom Kaschbär, mein lieber Ulf, und gute Besserung ;-)

Sandra?

Link zu diesem Kommentar Sandra [@], 18.2.2009 um 21:07 h:

Bin beim surfen auf diesen Beitrag gekommen - und kann das so gut verstehen. Wir haben neue Räder von Stadler geholt, und der ist schon günstig. Aber es war doch ein Vermögen... und die feine 1. Durchsicht für 50 Euro haben wir uns auch noch gegönnt. Dafür stehen die Räder nun im Keller und warten auf den Frühling. Damit wir dann noch den viel teureren Anhänger dazu holen können....

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