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Dienstag, 15.9.2009

Wahlkrampf 2009

Blind an die Urnen

Nehmen wir einmal an, Sie hätten vor ein paar Tagen oder Wochen eine Einladung erhalten, sich in zwei Wochen im Wahllokal Ihres Vertrauens einzufinden, um dort an der Party zur Wahl der deutschen Bundesregierung bis 2013 teilzunehmen. Nehmen wir weiterhin an, Sie hätten sich seit Ihrem Sommerurlaub satt gesehen und gehört am beredten Schweigen der schwarzen Kanzlerette Merkel, am hölzernen Geläut des roten Herrn Steinmeier, am Marketinggeschrei der gelben Westerwelle, an grüner Unscheinbarkeit und an dunkelroten Unverhältnismäßigkeiten.

Womöglich hätten Sie vor diesem Hintergrund gar keine rechte Lust auf diese Wahlparty? Vielleicht würden Sie am liebsten Ihre beiden Kreuzchen verweigern, weil Sie keine der angebotenen Optionen für erstrebenswert halten? Eventuell wären Sie der Ansicht, dass es früher einfacher war zu wählen, als es noch Lagerwahlkämpfe gab zwischen den Guten und den Bösen? Dass es hingegen heutzutage gar keine Alternativen gibt, weil Unterschiede nur noch im blassen oder aufgeblasenen Personal der Parteien erkennbar wären?

Nehmen wir an, Sie dächten so, oder zumindest so ähnlich. Was würden Sie denn tun, wenn Sie trotz allem nicht die Entscheidung den anderen überlassen wollten, und deshalb notgedrungen planen, am 27. September Ihren Widerwillen zu überwinden und zur Urne zu schleichen?

Würden Sie möglicherweise die ZEIT auf Baumbasis vom 3.9.2009 auf Seite drei aufschlagen, um sich die Frage »Wie wähle ich richtig?« beantworten zu lassen? Könnten Sie sich eventuell mit einer der vier Faustregeln anfreunden, die man Ihnen dort mit auf den Weg in die Wahlkabine gibt?
1.  Wer eine große Koalition will, wählt am besten SPD.
2.  Wer sich Schwarz-Gelb wünscht, bekommt es am ehesten mit einer Stimme für die FDP.
3.  Eine Ampel lässt sich am wahrscheinlichsten mit einer Stimme für die Grünen befördern.
4.  Wer will, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt, geht nur mit einer Stimme für die Union auf Nummer sicher.

Oder würden Sie angesichts dieser dürftigen Alternativen die Hände über dem Kopf zusammen schlagen? Lassen Sie uns angesichts dieser Varianten weitere Annahmen hinsichtlich Ihrer politischen Grundausrichtung treffen:

Sie haben in Ihrem ganzen Wählerleben noch nie für CDU/CSU gestimmt. Das Horrorpersonal der Union Franz-Josef Strauß, Helmut Kohl und aktuell Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen oder Ronald Pofalla fürchten Sie wie der Teufel das Weihwasser und denken nicht einmal daran, sich vom bestangezogenen Politbaron aus dem malerischen Örtchen Guttenberg verführen zu lassen.

Von Ampeln erwarten Sie schon im Straßenverkehr nicht allzu viel. Sie wissen, dass Rot Stillstand bedeutet, Gelb überhaupt keine Bedeutung hat und dass Grün immer nur solange leuchtet, wie man sich der Ampel nähert; zehn Meter bevor Sie das Ziel erreichen, schaltet das Ding wieder zuverlässig auf Rot und zwingt Sie zur Vollbremsung.

Spätestens seit Möllemann und Westerwelle halten Sie Schwarz-Gelb bestenfalls in Zusammenhang mit der Borussia aus Dortmund für erträglich. Schon als Kind haben Sie gelernt Lima, Lima! , dass diese Farbkombination im Flaggenalphabet für die Aufforderung steht, den Kahn sofort anzuhalten. Sie geben einer Ehe zwischen Merkel und Westerwelle keine Chance.

Sie haben genug vom Kuschelkurs zwischen Kanzlerette und dem rotem Kandidaten. Die große Koalition törnt Sie nicht an; selbst Softpornos auf RTL enthalten Ihrer Meinung nach mehr konstruktives Konfliktpotenzial als gemeinsame Fernsehauftritte von Schwarz-Rot.
 

Würden Sie gar so weit gehen, sich in Ihrer Verzweiflung an den Wahl-O-Maten zu wenden, dort nach bestem Wissen und Gewissen Antworten auf 38 Fragen über Ihre politischen Vorstellungen zu beantworten, um einen Abgleich mit den Politkonserven aller wählbaren Parteien zu erhalten? Angenommen, Sie erhielten dann eine Vorschlagsliste wie die hier abgebildete?
 

Wären Sie erstaunt darüber, dass Ihre Zukunftsvorstellungen mit denen der Linken und sogar mit den Trotzkisten der PSG eher kompatibel zu sein scheinen als mit der alten Schwester SPD?
Wären Sie entsetzt, dass die braunen Brüder der NPD mehr mit Ihren Vorlieben zu tun haben sollen als FDP oder Union? Oder schrieben Sie diese hohen Platzierungen als ungerechtfertigt den populistischen Anbiederungsversuchen extrem(istisch)er Parteien zu?

Kämen Sie womöglich beim Anblick der Liste auf die Idee, dem drohenden »Fluch der Karibik« (Jamaika-Koalition) entgegenwirken zu wollen und sich auf die Seite der Piratenpartei zu schlagen? Weil Sie finden, dass Sie selbst auf jeden Fall besser aussehen als Keira Knightley, respektive Johnny Depp, und weil Sie auf einmal pirattiges Blut durch Ihre Adern pulsieren fühlen? Enterhaken statt Wahlverweigerung?

Oder würden Sie resignieren und den 27. September gegen alle Vorsätze doch im Bett verbringen, weil es sowieso keine annehmbare Lösung gibt weder für Sie, noch für uns alle als Wähler zwischen Pest und Cholera?
 

Nehmen wir an, das alles träfe auf Sie zu. Wofür würden Sie sich entscheiden?

UB

Link mich: http://www.e-script.de/?p=1252994401

Kommentare

Link zu diesem Kommentar Kristof, 15.9.2009 um 13:14 h:

Für die Piraten natürlich.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 15.9.2009 um 18:04 h:

Ich habe es geahnt. Wobei ich durchaus Probleme mit der Manipulierbarkeit des Wahl-O-Maten durch Parteien habe.

Aber die Piraten? Warum eigentlich nicht?

Link zu diesem Kommentar Kristof, 16.9.2009 um 14:08 h:

Na klar. Dem Wahl-o-mat ist nicht zu trauen. Warum auch, ist ja nur eine Maschine.

Link zu diesem Kommentar Kristof, 16.9.2009 um 21:44 h:

6 × 6 = 36
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Link zu diesem Kommentar Kristof, 17.9.2009 um 9:04 h:

9 × 6 = 54, oder?
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Von auffe Arbeit.

Ulf?

Link zu diesem Kommentar Ulf, 17.9.2009 um 17:35 h:

»Odrrr?« Ich lach mich schlapp, Kristof. Aber jetzt haste den Bogen doch irgendwie raus =;oþ

Link zu diesem Kommentar Kristof, 18.9.2009 um 17:06 h:

Vielleicht habe ich doch bei den ersten Versuchen addiert statt zu multiplizieren. Deine Aufgaben sind immen mit "mal"?

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